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09.11.2021

17:55

Dax aktuell

Dax geht nach historischem Sprung über 16.100 Punkte die Luft aus – Wie viel Potenzial hat der Leitindex noch?

Von: Leonidas Exuzidis

Der Dax erreicht im Handelsverlauf ein neues Rekordhoch – nach Eröffnung der US-Börsen geht der Tagesgewinn aber verloren. Auffällig ist das geringe Handelsvolumen.

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt.

Düsseldorf Investoren am deutschen Aktienmarkt bleiben weiter zuversichtlich. Am Dienstag ist der Dax im Handelsverlauf erstmals in seiner Geschichte über 16.100 Punkte gestiegen. Der neue Rekord liegt fortan bei 16.104 Punkten. Mit der Eröffnung des US-Handels gibt der Dax seine Tagesgewinne wieder ab und schließt zum Handelsende quasi unverändert bei 16.040 Punkten.

Ohnehin ist auffällig: Anleger halten sich vermehrt zurück. Seine neue Bestmarke erreicht der Leitindex mit einem geringen Volumen. Zwar wurden bis zum Abend rund 60 Millionen Stücke gehandelt, nach 49 Millionen am Vortag. Am späten Dienstagnachmittag lag das Handelsvolumen aber noch unter 40 Millionen.

Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sieht darin einen potenziellen Indikator für geringere Kaufbereitschaft. „Es wirkt etwas, als würde die Luft langsam entweichen“, erklärt Altmann. Auch die Experten der Helaba sehen mögliche Hinweise auf eine nachlassende Zuversicht. Sie stellen infrage, wie viel Potenzial auf der Oberseite noch tatsächlich vorhanden ist.

Aus der jüngsten Auswertung des Dax-Sentiments hingegen lassen sich diese Schlüsse noch nicht ziehen. Anleger agieren euphorisch, zudem ist die Marktverfassung positiv. Das kann sich jedoch schnell ändern: Euphorie gilt in der Sentimenttheorie als Kontraindikator.

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Standort erkennen

    Was für den Dax spricht: Er hat nun bereits vier Tage in Folge über der Marke von 16.000 Punkten geschlossen – ein wesentlicher Unterschied zu den vergangenen Sprüngen über dieses Niveau, als der Leitindex sehr schnell wieder abrutschte. Anleger haben sich offenbar mit den neuen Sphären besser arrangiert.

    Aus technischer Sicht hat sich die Gemengelage kaum verändert. Die Analysten der Société Générale erkennen weiter ein „Patt zwischen Bullen und Bären im Dunstkreis des alten Rekordhochs“, das bei 16.030 Punkten liegt und im August erreicht wurde. Die erste Anlaufstelle liegt demnach bei 16.200 Punkten.

    Die Charttechniker von HSBC Deutschland definieren 1200 Punkte als mittelfristiges Kurspotenzial. Dies ergibt sich bei Betrachtung des mehrmonatigen Trends: Seit Anfang April bewegt sich der Dax zwischen 14.800 und 16.000 Punkten. Diese Handelsspanne, also 1200 Zähler, gilt laut Charttechnik als Maß für mögliche Kursgewinne.

    Überraschend gut fallen derweil die Konjunkturerwartungen der Börsianer aus. Das vom ZEW erhobene Barometer stieg gegenüber dem Vormonat um 9,4 Punkte auf 31,7 Punkte. Zuvor war der Indikator fünfmal in Folge gefallen. Im Schnitt war auch diesmal ein Rückgang erwartet worden.

    Der Wendepunkt an den Märkten

    Vor exakt einem Jahr, am 9. November 2020, gelang der große Durchbruch im Kampf gegen die Pandemie. Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten an diesem Tag erklärt, in den USA den Zulassungsantrag für ihren gemeinsam entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus stellen zu wollen.

    Anleger reagierten begeistert, der Dax schoss in der Spitze um sechs (!) Prozent nach oben und schloss letztlich fünf Prozent höher über 13.000 Punkten. Neben Pharma- und Gesundheitswerten profitierten auch zyklische Titel in hohem Maße.

    Der 9. November des vergangenen Jahres markiert daher nach wie vor den entscheidenden Wendepunkt. Seitdem ging es mit nur kleineren Rücksetzern kontinuierlich bergauf. Eine Korrektur, also ein Rückgang von mindestens zehn Prozent, ist ausgeblieben – das ist ungewöhnlich für solch einen langen Zeitraum.

    Trotz gegenwärtiger Fallzahlen in Rekordhöhe wird deutlich: Die Folgen der Coronapandemie sind für Investoren inzwischen weniger relevant als noch vor Jahresfrist. Auf den Gesamtmarkt haben die Fallzahlen kaum noch Einfluss.

    Bei Einzelwerten hingegen sind noch große bis sehr große Ausschläge zu beobachten. Das zeigen beispielsweise die massiven Kursverluste von Aktien aus dem Pharma- und Medizintechnikbereich infolge der Meldung am Ende der vergangenen Börsenwoche, dass Pfizer sehr starke Testresultate für ein neuartiges Covidmedikament vorgelegt hat. Im Dax etwa gaben Merck und Sartorius um mehr als fünf Prozent nach.

    Was der Blick auf die Coronagewinner verrät

    Ein Jahr nach dem Wendepunkt lohnt sich der Blick auf die Aktien, die aufgrund ihres Geschäftsmodells besonders von der Pandemiesituation und den damit verbundenen Lockdowns profitiert haben. Die Antwort darauf ergibt ein differenziertes Bild.

    So notiert die Aktie des im Dax notierten Essenslieferdienstes Delivery Hero leicht über dem Niveau vor zwölf Monaten. Bei Shop Apotheke ist das Plus noch größer. Dennoch haben sich beide Papiere deutlich schlechter als die Vergleichsindizes Dax und MDax entwickelt, die in diesem Zeitraum jeweils um 25 Prozent gestiegen sind.

    Grafik

    Das Fazit: Auf Sicht von zwölf Monaten wäre es keine gute Idee gewesen, auf die beiden Coronagewinner-Papiere zu setzen. Ein Indexzertifikat wäre die bessere Alternative gewesen.

    Rückblickend lässt sich auch erkennen, wann der Hype um diese Aktien zu Ende ging. Im Februar dieses Jahres erreichten beide Titel ihre Rekordstände, danach gab die Delivery-Hero-Aktie etwa 25 Prozent ab, die der Shop Apotheke sogar fast 40 Prozent.

    Große Ausnahme ist die Aktie des Kochboxenversenders Hellofresh, ebenfalls ein Coronagewinner. Das Papier hat sich auf Zwölfmonatssicht mehr als verdoppelt. Der Neuling im erweiterten Dax hat Anfang des Monats erneut seine Umsatzprognose erhöht und ist seit 2020 auch profitabel.

    Gold hält sich auf Zweimonatshoch

    Der Preis des Edelmetalls liegt auf dem höchsten Stand seit Anfang September. Am Dienstag kostet eine Feinunze Gold am Abend 1828 Dollar. Zum Vergleich: Vor einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1770 Dollar.

    Gestützt wird der Goldpreis aktuell von der Entwicklung am Anleihemarkt. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen liegt aktuell unter 1,5 Prozent, nach 1,7 Prozent Mitte des vergangenen Monats. Geringere Bondrenditen machen Gold als Anlagealternative attraktiver.

    Hinzu kommt: Die Nachfrage nach physischem Gold zieht wieder an. Das liege unter anderem an zwei Feiertagen in Indien, betont Analyst Daniel Briesemann von der Commerzbank. Aus China ist ebenso eine wieder höhere Nachfrage zu verzeichnen, wie Daten des World Gold Council zeigen.

    Auch aus charttechnischer Sicht ist die Situation stabil. Laut Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel bleibt das Niveau von 2000 Dollar das mittelfristige Ziel. Bis dahin könnte es aber noch ein weiter Weg sein: Zwischen 1800 und 1900 Dollar liegen diverse charttechnische Widerstände.

    Einzelwerte im Fokus

    Bayer: Die Aktie des Pharma- und Agrarchemiekonzerns zählt mit einem Plus von 1,5 Prozent am Dienstag zu den Favoriten. Bayer hat sein Ergebnis im dritten Quartal deutlich gesteigert und die Prognosen übertroffen.

    Munich Re: Der Rückversicherer sieht sich trotz milliardenschwerer Hurrikan- und Flutschäden auf Kurs. Der Vorstand sieht den geplanten Jahresgewinn von 2,8 Milliarden Euro trotz der Schäden in Reichweite. Anleger scheinen jedoch nicht überzeugt. Das Papier verliert bis zum Handelsschluss 2,5 Prozent.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Fresenius: Die Titel des Gesundheitskonzerns verlieren rund vier Prozent auf 37,77 Euro und sind so billig wie seit fast sieben Monaten nicht mehr. Die US-Bank JP Morgan hat Fresenius auf „neutral“ von „overweight“ heruntergestuft und das Kursziel auf 42,30 (52,40) Euro gesenkt.

    FMC: Für die Dialysetochter Fresenius Medical Care geht es um 3,6 Prozent abwärts. Das Kursziel für FMC sehen die Analysten nun ebenfalls tiefer bei 48,70 nach zuvor 60,80 Euro.

    Deutsche Bank: Die Deutsche Bank hat von der US-Ratingagentur Standard & Poor’s bessere Bonitätsnoten erhalten. Das langfristige Emittentenrating und die Note für vorrangige bevorrechtigte Anleihen seien jeweils auf „A-“ von bislang „BBB+“ angehoben worden, teilte das Geldhaus mit. Der Aktie half das nicht, sie gab um 1,8 Prozent nach.

    Fraport: Der Flughafenbetreiber profitiert von der Rückkehr der Reiselust nach den Coronabeschränkungen. Der Vorstand zeigte sich für 2021 zuversichtlicher. Er erwartet nun eine Verkehrsentwicklung in Frankfurt am oberen Ende der Bandbreite von unter 20 bis 25 Millionen Passagieren. Die Aktien gewinnen im MDax zeitweise mehr als vier Prozent, ehe Gewinnmitnahmen einsetzen. Zum Handelsende liegt die Aktie 0,6 Prozent im Plus.

    Was die Charttechnik sagt:

    Der Anstieg in der Vorwoche hat zwei Aufwärtskurslücken gerissen, die dem Dax nach wie vor als Unterstützung dienen. Ein Gap liegt zwischen 15.760 und 15.690 Punkten, ein weiterer zwischen 15.998 und 15.973 Punkten.

    Diese Aufwärtskurslücken entstehen, wenn der tiefste Punkt des Handelstages über dem höchsten Punkt des Vortages liegt. In diesem Bereich hat folglich kein Handel stattgefunden. Aus technischer Sicht gilt eine solche Entwicklung als ein Zeichen von Stärke.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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