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17.06.2022

17:41

Dax aktuell

Dax gibt Teil seiner Gewinne wieder ab – Experte: „Finaler Ausverkauf steht noch aus“

Von: Lisa Oenning

Nach dem größten Tagesverlust seit drei Monaten hält sich der Leitindex über der Marke von 13.000 Punkten. Im Fokus der Anleger steht der große Verfallstag an den Börsen.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Düsseldorf Am großen Verfallstag an den Terminmärkten haben sich die Kurse am deutschen Aktienmarkt vergleichsweise wenig bewegt: Nachdem der Dax mit einem kleinen Plus in den Handel gestartet war und am Mittag gar 1,3 Prozent höher gelegen hatte, gab er seine Gewinne nach der Eröffnung der US-Börsen größtenteils ab, hielt sich aber über der Marke von 13.000 Punkten. Zum Handelsschluss notierte der Dax noch 0,7 Prozent höher bei 13.126 Zählern. Die US-Börsen notieren seit dem Handelsstart fester.

Am Donnerstag verzeichnete das Frankfurter Börsenbarometer seinen größten Tagesverlust seit mehr als drei Monaten. Wegen erneuter Rezessionsängste, die von Zinserhöhungen in den USA, der Schweiz und in Großbritannien ausgelöst worden waren, brach es um 3,3 Prozent auf 13.036 Punkte ein. Seit dem Zwischenhoch am Pfingstmontag summiert sich der Verlust für den Dax damit auf mehr als zehn Prozent.

Eigentlich gilt der Hexensabbat, auch „großer Verfallstag“ genannt, als volatiler Handelstag. Immer am dritten Freitag in März, Juni, September und Dezember laufen an den Börsen weltweit viele Termingeschäfte auf einmal aus.

Dabei verfallen Optionen und Futures auf Indizes und Einzelwerte. Das kann zu stärkeren Kursschwankungen führen, weil die Emittenten der Derivate sich darauf vorbereiten, dass Optionen und Futures eingelöst werden oder verfallen. Dafür kaufen oder verkaufen sie Aktien und Indizes, auf die sich die Derivate beziehen.

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    Der finale Ausverkauf steht laut Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, noch aus. „Zwar sind die Kurse stark gefallen und auch das Volumen ist erhöht, aber nicht auffällig stark“, sagt der Stratege. Nach der Kurserholung am Freitag könne daher noch nicht von einem Boden gesprochen werden.

    Neben der Inflation und steigenden Zinsen spielen der Dekabank zufolge auch die Drosselungen der Gaslieferungen aus Russland zunehmend eine Rolle an den Märkten. „Die Sorgen vor einer Rationierung bei Gas im Herbst und Winter und damit die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nimmt zu“, heißt es seitens des Instituts.

    EZB-Ratsmitglied Klaas Knot stellte am Freitag im niederländischen Radiosender BNR weitere, große Zinsschritte in Aussicht, sollte die Kerninflation weiter zulegen. Darin sind die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet. „Wenn sie weiter ansteigt, werden wir weiter intensivieren und es wird mehrere Zinsanhebungen um 50 Basispunkte geben“, sagte der niederländische Notenbankchef.

    Die Kerninflation war im Mai im Euro-Raum auf 4,4 Prozent geklettert, die generelle Inflationsrate auf 8,1 Prozent. Damit ist die Teuerung inzwischen vier mal so hoch wie das Ziel der EZB von zwei Prozent. Diese Marke erachtet sie, wie viele andere Notenbanken auch, als optimal für die Wirtschaft.

    Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt

    Investoren griffen bei europäischen Staatsanleihen wieder zu. Dadurch fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 1,662 Prozent. Noch gefragter waren ihre italienischen Pendants, sodass der viel beachtete Renditeabstand (Spread) zwischen diesen Papieren auf den niedrigsten Stand seit knapp zwei Wochen fiel.

    Erleichtert reagierten Börsianer auf Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde zur geplanten Begrenzung der Spreads. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Insider, dass sie den Finanzministern der Euro-Zone hinter verschlossenen Türen das kürzlich angekündigte sogenannte „Antifragmentierungstool“ erläuterte. Lagarde habe aber offengelassen, ab welchem Renditeabstand dieses Werkzeug eingesetzt werden solle.

    Derweil nehmen Strategen zufolge die Befürchtungen zu, dass die Zinserhöhungen der Notenbanken weltweit eine Rezession auslösen könnten. Die anhaltenden Konjunktursorgen sorgten für einen kräftigen Preisrutsch beim Öl. Die Nordsee-Sorte Brent verlor 4,7 Prozent auf 114,30 Dollar je Fass, US-Leichtöl WTI fiel um 5,4 Prozent auf 111,24 Dollar je Fass. Auf Wochensicht steuert Brent auf den ersten Verlust seit fünf Wochen zu.

    Yen weiter unter Druck

    Der Euro ist für kurze Zeit wieder über die Marke von 1,05 US-Dollar gestiegen: Die Gemeinschaftswährung kostete zum Nachmittag 1,0505 Dollar, fiel dann aber wieder auf 1,0468 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag auf genau 1,04 Dollar festgesetzt.

    Der Yen wertete dagegen weiter ab, nachdem die japanische Notenbank verkündet hat, trotz hoher Inflation weiter an ihrem Kurs der ultralockeren Geldpolitik festzuhalten. Für einen US-Dollar mussten am Abend 134,9800 Yen gezahlt werden. Die japanische Währung lag damit nur leicht über ihrem 24-Jahres-Tief.

    Die Bank of Japan (BoJ) beschloss nach der zweitägigen Tagung, ihre wichtigsten geldpolitischen Hebel unverändert zu lassen. So sollen die kurzfristigen Zinssätze bei minus 0,1 Prozent und die langfristigen bei etwa null bleiben. Auch hält die BoJ an ihren Käufen von Staatsanleihen und Aktien fest.

    Dennoch fiel der japanische Nikkei-Index in Tokio am Freitag um 1,5 Prozent auf 26.027 Punkte. Der bestimmende Faktor waren an diesem Handelstag laut den Analysten der DBS Bank die erneuten Rezessionsängste infolge der größten Zinserhöhung seit 1994 in den USA.

    Blick auf die Einzelwerte

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    Delivery Hero: Die Aktien des Dax-Unternehmens sind um 10,7 Prozent gestiegen und machten einen Teil des etwa zehnprozentigen Verlusts vom Donnerstag wett. Damit führte Delivery Hero den Dax an.

    Eon: Unter den Favoriten im Dax stabilisierten sich die tags zuvor sehr schwachen Papiere des Versorgers Eon mit plus 3,3 Prozent. Hilfreich dabei war eine Hochstufung von „Neutral“ auf „Buy“ durch Goldman Sachs.

    ABN Ambro: Nach einem Medienbericht zu einer möglichen Übernahme stiegen die Aktien von ABN Amro zeitweise um mehr als 17 Prozent nach oben auf 12,16 Euro. Bloomberg meldete, die französische Bank BNP Paribas habe an dem weitgehend in Staatsbesitz befindlichen niederländischen Institut Interesse. Die Franzosen hätten dazu jüngst bei der niederländischen Regierung vorgefühlt, was aber bislang nicht zu konkreten Verhandlungen geführt habe. ABN Amro erklärte, man äußere sich nicht zu Gerüchten. BNP lehnte eine Stellungnahme ab. Die Papiere des französischen Geldhauses lagen rund ein Prozent höher bei 47,85 Euro. Auch die Deutsche Bank profitierte: Das Papier lag 0,6 Prozent im Plus.

    Immobilienunternehmen: Die aufgrund der Zinswende zuletzt besonders schwachen Immobilienwerte präsentierten sich fest. Vonovia gehörte zu den Gewinnern im Dax mit einem Plus von etwa 3,4 Prozent. Im MDax gehörten Aroundtown, Deutsche Wohnen und Grand City Properties zu den Gewinnern mit jeweils einem Plus von bis zu 8,5 Prozent. Grand City Properties wurde von einer Kaufempfehlung der Societe Generale beflügelt. Erst am Vortag hatten Grand City den tiefsten Stand seit Anfang 2015 erreicht.

    Addex: Der Abbruch von Tests für ein Medikament gegen Parkinson führte bei Addex zum zweitgrößten Kurssturz der Firmengeschichte. Die Aktien der Schweizer Pharmafirma fielen in Zürich zeitweise um mehr als 53 Prozent. Das Mittel sei ein Hoffnungsträger gewesen, kommentiert Analyst Leonildo Delgado von der Baader Helvea Bank. Er stufte daher die Titel auf „Sell“ von „Add“ herunter und kürzte das Kursziel auf 0,25 von 0,84 Franken.

    XSpray: Fortschritte bei der US-Zulassung eines Leukämie-Medikaments bescherten XSpray den größten Kurssprung seit fast einem Jahr. Die Aktien der Pharmafirma stieg in Stockholm zeitweise um gut 14 Prozent. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gewährte dem Mittel den „Orphan Drug Status“, wodurch die Hürden für eine Zulassung sinken.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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