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12.05.2022

13:30

Dax aktuell

Dax hält sich über der 13.500-Punkte-Marke – Profis wollen offenbar keine Rally verpassen

Von: Jürgen Röder

Batteriehersteller Varta bekommt die Folgen des Ukrainekriegs zu spüren. Die Aktie, einst ein Lieblingspapier der Privatanleger, rutscht deutlich ab.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Auf eine zweitägige Dax-Erholung folgt am Donnerstag ein leichter Rückschlag. Am Abend geht der Deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,64 Prozent aus dem Handel bei 13.739 Zählern. Das Tagestief lag bei 13.479 Zählern. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Gewinne des Vortages weg.

Noch am Mittwoch hatte das Börsenbarometer 2,2 Prozent zugelegt und bei 13.828 Punkten geschlossen – ein Plus von 550 Zählern seit dem Tief am vergangenen Montag.

Ein Belastungsfaktor auch für den deutschen Leitindex ist die dramatische Lage der US-Technologiewerte. Am Mittwoch ging der Nasdaq mit einem Minus von 3,2 Prozent aus dem Handel, erst stabile Eröffnungskurse an diesem Donnerstag sorgten dafür, dass der Dax seine großen Anfangsverluste deutlich verringen konnte.

Seit dem 1. April dieses Jahres hat der Nasdaq-Index mehr als 20 Prozent an Wert verloren, während der Dax sechs Prozent nachgab und damit ein geringeres Minus als der Dow-Jones-Index erzielte.

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    Der Auswahlindex Nasdaq 100 hat nach Berechnungen von Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners seit November des vergangenen Jahres beinahe genau so viel verloren wie während des Covid-19-Ausverkaufs im Jahr 2020.

    Zudem ist noch kein Ende des Ausverkaufs in Sicht, der in der Regel durch einen Crash bei gleichzeitig stark anziehenden Handelsumsätzen erfolgt. Für Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets „ist diese Entwicklung nach wie vor beim Nasdaq 100 nicht zu erkennen“.

    Grafik

    Warum der Dax sich dennoch vergleichsweise wacker hält, hängt mit der relativ günstigen Bewertung zusammen. „Im Vergleich mit den Werten aus dem Nasdaq 100 ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis der 40 Dax-Werte gerade einmal halb so hoch“, erläutert Altmann.

    Wenig Hoffnung auf eine deutliche Aufwärtsbewegung gibt die aktuelle Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden institutionellen Investoren und Privatanlegern. Denn die fallenden Kurse seit dem Mittwoch der vergangenen Woche hat ein großer Teil der befragten Anlageprofis zum Kauf genutzt. Für Joachim Goldberg, der die Erhebung auswertet, „scheint die Angst der Investoren davor, womöglich eine Rally zu verpassen, größer zu sein als diejenige vor erneuten Kursstürzen“.

    Diese Käufe sind eher eine Belastung für die weitere Dax-Entwicklung. Im Falle steigender Kurse dürften Börsianer spätestens im Bereich von 14.100 bis 14.150 Punkten Gewinne mitnehmen. Das größere Problem: Aufgrund der jüngsten Käufe ist die Nachfrage bei fallenden Kursen geringer geworden. Sollte der Dax also unter Druck geraten, gibt es deutlich weniger Unterstützung.

    Die charttechnische Lage

    Mit den aktuellen Kursverlusten steht beim Dax 40 wieder die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Zur Erinnerung: Nach dem Bruch der 15.000er-Marke, die dem deutschen Leitindex fast das gesamte Börsenjahr 2021 Halt bot, rückte anschließend der Bereich rund um 13.500 Zähler in den Fokus.

    Dieser Bereich war in den Jahren 2020 und 2018 hart umkämpft gewesen. Im Idealfall ist der heutige Kursrutsch ein sogenannter „Pullback“, der oft zu beobachten ist. Dabei fällt der Kurs nach dem Ausbruch quasi als Bestätigung auf das Ursprungsniveau zurück, um anschließend wieder weiter zu steigen.

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    Bereits am Montag rutschte der Dax bis auf 13.380 Punkte ab. Doch die Marke von 13.500 Punkten wurde nicht nachhaltig unterschritten, weil am Folgetag der Dax wieder darüber notierte. Sollte der Leitindex unter 13.380 Punkte fallen, dürfte anschließend der psychologisch wichtige Bereich von 13.000 Punkten und darunter das Jahrestief von 12.438 Zählern im Blickpunkt stehen.

    Für mehr als eine technische Aufwärtsreaktion ist bei den 40 deutschen Standardwerten aus charttechnischer Sicht unverändert mindestens eine Rückeroberung der 50-Tages-Linie notwendig, die derzeit bei 14.034 Punkten liegt. Besser wäre ein Spurt über den Anfang Januar etablierten Abwärtstrend von aktuell 14.401 Zählern.

    Desolate Bitcoin-Bilanz

    Auch beim Bitcoin geht der Einbruch weiter. Der Kurs rutschte um mehr als sechs Prozent auf 26.600 Dollar auf den tiefsten Stand seit knapp anderthalb Jahren. Im Vergleich zum Vorwochenschluss hat die Kryptowährung rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Seit dem Rekordhoch beträgt das Minus über 60 Prozent.

    Damit zeigt der Bitcoin weiterhin eine extrem hohe Korrelation zur Entwicklung der Tech-Aktien. Für den Kapitalmarktexperten Altmann ist „spätestens mit dem aktuellen Absturz klar, dass der Bitcoin eine Risikoanlage und kein sicherer Hafen ist“.

    Blick auf die Einzelwerte

    Siemens: Nach rund 170 Jahren stellt der Technologiekonzern die Geschäfte in Russland ein. Im abgelaufenen Quartal drücken die Sanktionen gegen Russland den Gewinn um 600 Millionen Euro. Das sorgt bei der Aktie für ein Minus von vier Prozent auf 113,90 Euro.

    Obwohl die Aktie in den vergangenen Wochen unter das wichtige Kursniveau um 125 Euro gerutscht ist, relativiert eine vergleichsweise günstige Gewinn- und Umsatzbewertung die weitere Verlustgefahr. Zwischen 90 und 110 Euro besteht eine breite Unterstützungszone, in der Rückschäge immer wieder aufgefangen werden könnten.

    Hapag Lloyd: Die Containerreederei Hapag-Lloyd rechnet nach einem starken Gewinnschub zu Jahresbeginn im zweiten Halbjahr mit einem Nachlassen der Engpässe in den Häfen. Die globalen Lieferketten stünden nach wie vor deutlich unter Druck – nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in China. Dennoch steigt die Aktie im Handelsverlauf um zwei Prozent.

    In einem insgesamt schwachen Börsenumfeld konnte die Aktie seit Jahresbeginn um knapp 50 Prozent zulegen. Für die vergangenen drei Monaten steht ein Plus von 60 Prozent bei der Wertentwicklung.

    Varta: Der schwäbische Batteriehersteller bekommt die steigenden Rohstoffpreise und Energiekosten sowie die Folgen des Ukrainekriegs zu spüren. Trotz der Probleme hält Varta an den Jahreszielen fest: Die Aktie gibt über neun Prozent nach und wird bei 73,02 Euro gehandelt.

    Ohnehin ist der Abwärtstrend bei der Aktie, die einst zu den Lieblingspapieren von Privatanlegern zählte, nicht zu übersehen. Das Papier hat seit Jahresanfang rund ein Drittel an Wert verloren. Der Bereich zwischen 90 und 100 Euro, der dem Anteilsschein lange Halt bot, wurde mittlerweile aufgegeben.

    Instone Real Estate: Nach Umsatz- und Gewinneinbußen zum Jahresauftakt hat der Vorstand des Immobilienentwicklers Instone die Jahresziele einkassiert und damit seine Aktien auf Talfahrt geschickt. Die Titel brachen am Donnerstag um bis zu 45 Prozent auf 7,90 Euro ein. Derzeit beläuft sich das Minus auf rund 29 Prozent. Der Konzern ging Februar 2018 zu einem Ausgabereis von 21,50 Euro pro Aktie an die Börse.

    Vorstandschef Kruno Crepulja hat am heutigen Donnerstag seine Ziele für 2022 zurückgenommen und wagte auch keine neue Prognose. Angesichts der Unsicherheiten sei ein verlässlicher Ausblick nicht möglich, erklärte er. Als einen Grund nannte der Manager die Folgen des Ukraine-Krieges. „Die Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine werden aus heutiger Sicht zu anhaltenden Lieferengpässen und steigenden Baukosten führen.“

    Diese Nachrichten gehen an der gesamten Immobilienbranche nicht spurlos vorüber, weil die Lieferengpässe und höheren Baukosten alle Unternehmen betreffen. Entsprechend rutschte die Dax-Aktien Vonovia um rund 3 Prozent ab, das Patrizia-Papier um mehr als vier Prozent. Sämtliche Immobilienaktien liegen im Minus.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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