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22.11.2022

17:58

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Dax aktuell

Dax kehrt zurück in die Gewinnzone – Profis und Privatanleger geraten unter Zugzwang

Von: Jürgen Röder

Der Leitindex klettert unermüdlich weiter. Einige Investoren könnten nun gezwungen sein, ihre Wetten auf fallende Kurse aufzugeben. Das würde die Rally weiter befeuern.

Düsseldorf Der deutsche Leitindex Dax hat seine leichten Verluste zum Wochenauftakt wieder wettgemacht. Das Börsenbarometer schloss am Dienstag 0,3 Prozent im Plus bei 14.422 Punkten.

Im Vormittagshandel erreichte der Dax ein neues Verlaufshoch seiner nunmehr achtwöchigen Rally. Der höchste Stand in diesem Zeitraum liegt nun bei 14.485 Zählern. Allerdings fehlten in der Folge die Anschlusskäufe, sodass der Dax bei erneut niedrigem Handelsvolumen anschließend wieder zurückfiel.

Die jüngste Entwicklung aber dürfte viele Anleger unter Zugzwang setzen. Seit dem 28. September ist der Index in der Spitze um mehr als 2600 Punkte nach oben gestiegen, ein Plus von über 22 Prozent. Privatanleger stehen nun vor der Frage: „Soll ich meine Put-Produkte auf den deutschen Leitindex verkaufen, damit die Verluste nicht ausufern?“

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf minus 17 gefallen, der höchste Wert der vergangenen zwölf Monate. Minuswerte zeigen einen Überhang von Put-Produkten auf den Dax in den Depots an. Mit diesen Derivaten setzen Investoren auf fallende Notierungen oder sichern sich gegen Kursverluste ab.

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    Mit steigenden Kursen wie zuletzt werden die Verluste, die Inhaber dieser Produkte erleiden, immer größer. Sollten sie diese Derivate in den steigenden Gesamtmarkt hinein verkaufen, würde das die Rally weiter stärken.

    In einer ähnlichen Lage dürften auch die Profianleger stecken. Denn laut der Umfrage der Börse Frankfurt vom Mittwoch vergangener Woche haben die institutionellen Investoren ihre Put-Optionen trotz deutlich gestiegener Kurse nicht verkauft.

    Für den Kapitalmarktexperten Joachim Goldberg sprach nach Auswertung der Umfrage sogar einiges dafür, dass diese Shortseller ihre Positionen „per saldo vielfach nicht geschlossen, sondern sogar mancherorts erhöht“ haben. Vielleicht scheuten sich die Bären auch nur, ihre aufgelaufenen Verluste zu realisieren.

    Die Gründe mögen vielfältig sein, das Ergebnis ist aber eindeutig: Diese Profis stehen erheblich unter Druck, wenn die Kurse nicht wieder fallen sollten.

    Erfahrene Börsianer wissen: Steigende Kurse und ein hoher Anteil an Put-Derivaten in den Depots bergen immer die Chance eines „Short Squeeze“, eines fulminanten Kursanstiegs ohne nennenswerte Nachrichten.

    Shortseller leihen Aktien und verkaufen diese sofort in der Hoffnung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufspreis ist der Gewinn, wovon derzeit diese Profis nur träumen können. Im schlimmsten Fall müssen sie einem weiter steigenden Aktienmarkt hinterherlaufen.

    Dax legt stärker als US-Indizes zu

    Mit den Kursgewinnen am Dienstag hat der deutsche Leitindex seine erstaunliche Outperformance gegenüber den US-Indizes ausgebaut. Seit Monatsanfang ist der Dax um rund acht Prozent gestiegen. Der ebenfalls industrielastige Dow-Jones-Index schaffte in diesem Zeitraum nur ein Plus von drei Prozent, der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 nur einen Wertzuwachs von 2,5 Prozent.

    Auf Acht-Wochen-Sicht steht beim Dax ein Plus von 22 Prozent. Das deutet eher auf eine längere Konsolidierung oder gar eine Korrektur mit einem Minus von mindestens zehn Prozent hin. Doch bislang ist davon wenig zu erkennen. Lediglich 300 Punkte hat der Dax in der vergangenen Woche nachgegeben, um anschließend am Freitag mit 14.475 Punkten das damalige Verlaufshoch zu erreichen.

    Erst mit Kursen unterhalb von 14.150 Zählern, dem Verlaufstief der vergangenen Woche, würde sich das charttechnische Bild kurzfristig verschlechtern. Nach Meinung von Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, ergibt sich unterhalb dieses Levels ein weiteres kalkulatorisches Abschlagspotenzial von rund 300 Punkten.

    Bitcoin fällt auf neues Zwei-Jahres-Tief

    Im Gegensatz zu den Aktienmärkten befindet sich der Bitcoin-Kurs weiterhin auf Talfahrt. Die Kryptowährung erreichte mit 15.599 Dollar den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Im weiteren Verlauf stabilisierte sich der Kurs den Daten der Website Coinmarketcap zufolge wieder über 16.000 Dollar. Bislang ist kein finaler Ausverkauf erfolgt („Sell off“), ein Indikator für eine bevorstehende Trendwende.

    Auch die Charttechnik gibt wenig Hoffnung. Martin Utschneider, technischer Analyst bei der Privatbank Donner & Reuschel, hatte bereits vor längerer Zeit auf die Bedeutung der Unterstützungsmarke bei rund 17.500 Dollar hingewiesen. Die ist mittlerweile deutlich unterschritten. Nun liegen die nächsten technischen Haltepunkte erst bei 12.500 und bei 10.000 Dollar. Anleger sollten nicht ausschließen, dass ein möglicher finaler Ausverkauf den Bitcoin für kurze Zeit auf eine vierstellige Notierung fallen lässt.

    Blick auf Einzelwerte

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    TAG Immobilien: Der Konzern hat überraschend die Dividende für 2022 gestrichen und damit seine Anleger vergrault. Die Papiere brachen fast zwölf Prozent ein und schlossen unter der Marke von sechs Euro.

    „Entsetzlich! Ein Unternehmen könnte kein negativeres Signal senden“, kommentierten die Analysten von Alpha Wertpapierhandel. Die Experten von Berenberg strichen das Kursziel zusammen auf 11,50 Euro von zuvor 17,50 Euro. Der Vorstand des MDax-Konzerns teilte mit, das Unternehmen setze zur Stärkung der Rücklagen die Dividendenzahlung aus.

    Thyssen-Krupp: Die Titel reagieren mit Abschlägen auf einen Anteilsverkauf des aktivistischen Investors Cevian. Die Aktien des Industriekonzerns gaben um 4,3 Prozent nach auf 5,17 Euro. Cevian platziert nach Angaben des Refinitiv-Dienstes IFR eine Beteiligung von 3,8 Prozent. Damit ist der Investor nur noch mit weniger als einem Prozent an dem MDax-Konzern beteiligt.

    Das schwedische Unternehmen biete rund 23,4 Millionen Anteile zum Preis von 5,15 Euro je Schein zum Verkauf an, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montagabend nach Börsenschluss und berief sich dabei auf entsprechende Dokumente. Dabei sollen nur institutionelle Investoren die Möglichkeit zum Kauf angeboten bekommen.

    Vor fast exakt einem Jahr hatte Cevian bereits seine Beteiligung an Thyssen-Krupp nahezu halbiert. Damals standen rund 43 Millionen Scheine zum Verkauf. Dabei hatte Cevian betont, trotz des Verkaufs einer von Thyssen-Krupps größten Investoren bleiben und das Management in seinem Kurs weiter unterstützen zu wollen.

    Uniper: Bei der Gaspreisbremse sollen Bürger und Unternehmen rückwirkend auch für Januar und Februar 2023 entlastet werden. Die Nachricht sorgte für einen Kurssprung bei der Uniper-Aktie, die zwischenzetlich um mehr als 18 Prozent auf 8,11 Euro nach oben kletterte, in der Folge aber wieder auf das Ursprungsniveau zurückfiel.

    AO World: Die Titel gewannen 17 Prozent. Dank der Fußball-Weltmeisterschaft stellte der britische Online-Elektronikhändler für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn am oberen Ende der angepeilten Spanne von umgerechnet 23 bis 35 Millionen Euro in Aussicht. Sollte die englische Nationalmannschaft die Endrunde erreichen, könne mit einem zusätzlichen Anstieg der TV-Verkäufe gerechnet werden.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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