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07.09.2022

18:03

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Dax aktuell

Dax lag sechs Stunden teilweise deutlich im Minus – und dreht doch noch ins Plus

Von: Jürgen Röder

Die schwache Entwicklung bei Aktien geht mit steigenden Renditen bei Staatsanleihen einher. Vermutlich dürften die Anleiherenditen bald auf neue Zehnjahreshochs klettern.

Düsseldorf Die meiste Zeit des Tages lag der deutsche Leitindex am Mittwoch im Minus. Doch nach einer freundlichen Eröffnung der US-Börsen drehte der Dax doch noch ins Plus und schloss 0,35 Prozent höher bei 12.915 Punkten. Verbessert hat sich die Ausgangslage für das Börsenbarometer aber nicht. Dafür sind Kurse oberhalb der Marke von 13.000 notwendig.

Damit bleibt beim Dax das Verlaufstief aus der Vorwoche bei gut 12.600 Punkten im Fokus. Dieser Bereich wurde erneut am Montag dieser Woche erfolgreich getestet.

Im besten Fall bildet der deutsche Index in diesem Bereich einen tragfähigen Boden aus. Im negativen Fall rutscht der Leitindex in Richtung Jahrestief ab, das bei 12.390 Punkten liegt.

Für Martin Utschneider, technischer Analyst bei der Privatbank Donner & Reuschel, müssen sich „Anleger und Investoren weiterhin abwärts ausrichten“. Auch das Tageshoch am gestrigen Dienstag von 12.928 Punkten hat seiner Meinung nach den Abwärtstrend bestätigt. In dem Bereich liegt die fallende Trendline seit Mitte August.

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    Nach Meinung des Börsenexperten Anton Riedl müsste der Dax für eine echte Trendwende den gesamten Kursbereich zwischen 13.600 und 14.000 Punkten dynamisch und getrieben von breit angelegten Käufen überwinden. „Das dürfte angesichts der verschärften Geldpolitik und der anstehenden Notenbank-Entscheidungen im September kaum möglich sein“, lautet sein Fazit.

    Wenig Erbauliches für wieder steigende Kurse kommt von den Shortsellern. Der berühmte Ray Dalio, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, setzt seit Mitte Juli mittels sogenannter Leerverkäufe auf fallende Kurse.

    Zwar reduzierte er im August während der Erholungsrally an den Märkten seine Wetten, erhöhte diese Anfang des Monats aber wieder. Allein im Dax wettet er aktuell wieder bei acht Unternehmen auf fallende Aktienkurse, wie aus Daten des Bundesanzeigers vom Montag hervorgeht.

    Versorgeraktien steigen deutlich an

    Aktien von Versorgern sind nach einem Bericht zu Preis-Obergrenzen für Strom in Europa am Mittwoch rasant gestiegen. Die Aktien der Energiekonzerne RWE, Verbund und Engie weiteten ihre Kursgewinne deutlich aus und zogen den europäischen Sektorindex in der Spitze um vier Prozent ins Plus. RWE führte die Dax-Gewinner mit einem Plus von bis zu 7,2 Prozent an, Verbund waren in Wien mit 13,3 Prozent an der Spitze, Engie gewannen in Paris bis zu 4,8 Prozent.

    Marktteilnehmer verwiesen auf einen Bericht, wonach Brüssel möglicherweise eine Preisobergrenze von 200 Euro je Megawattstunde einziehen will für Strom, der nicht mittels Gas erzeugt wird. Erzeuger erneuerbarer Energien würden dadurch begünstigt, sagte ein Händler. Bei Jefferies hieß es, sollte sich die genannte Obergrenze bewahrheiten, wäre es ein besser als erwartet ausgefallenes Ergebnis für die Versorger.

    Anleiherenditen auf einem Dreimonatshoch

    Die schwache Entwicklung am Aktienmarkt geht mit wieder steigenden Renditen bei Staatsanleihen einher. Der Wert für eine zehnjährige Bundesanleihe lag zwischenzeitlich bei 1,636 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Ende Juni dieses Jahres. Die zweijährige Bundesanleihe, die stärker auf die Zinserwartungen reagiert, liegt mit 1,1 Prozent nur knapp unterhalb ihres Zehnjahreshochs von 1,2 Prozent.

    Ein ähnliches Bild gibt es in den USA. Dort notiert die zehnjährige Staatsanleihe mit 3,36 Prozent ebenfalls auf dem höchsten Stand seit Mitte Juni 2022.

    Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die beiden weltweit wichtigsten Anleihebarometer über ihre Renditespitzen vom Juni klettern, die ein neues Zehnjahreshoch markierte. In diesem Umfeld wird es immer wahrscheinlicher, dass die europäische Notenbank EZB am morgigen Donnerstag und die amerikanische Fed Ende September deutliche Zinserhöhungen beschließen.

    Gaspreis fällt den zweiten Tag in Folge

    Am Gasmarkt geht es den zweiten Tag in Folge abwärts. Der Preis des Oktober-Terminkontrakts TTF notiert aktuell bei 213 Euro je Megawattstunde, ein Minus von zehn Prozent. Der TTF-Kontrakt wird häufig als Richtschnur für das europäische Preisniveau verwendet.

    Damit liegt der Preis deutlich unter dem Hoch vom Montag dieser Woche, als er zwischenzeitlich um 35 Prozent auf bis zu 284 Euro je Megawattstunde schnellte. Angesichts gut gefüllter Lager in Europa schwindet die Furcht vor Gas-Engpässen im Winter, was auch die Spekulanten aus dem Markt getrieben haben dürfte.

    Die Ölpreise notieren aktuell wieder unter dem Niveau vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine. Der Preis für die Rohölsorte Brent aus der Nordsee rutschte um rund 1,6 Prozent auf ein Siebenmonatstief von 91,30 Dollar.

    „Trotz einiger besser als erwarteter US-Dienstleistungsdaten sieht das globale Wachstum überhaupt nicht gut aus, und das ist ein Problem für die Rohölpreise“, sagt Analyst Edward Moya vom Broker Oanda. Deswegen sei es nicht verwunderlich, dass der Preis trotz der zu Wochenbeginn angekündigten Kürzung der Fördermengen durch die Opec plus falle.

    Blick auf die Einzelwerte

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    SAP: Das langfristige Kursbild bei dem Dax-Schwergewicht ist sehr brisant. Bei dem SAP-Papier steht derzeit die wichtige Unterstützungszone um 95 Euro im Fokus, die auch während des Coronacrashs Mitte März nicht unterschritten wurde. Am heutigen Mittwoch wird die Aktie bei 85,48 Euro gehandelt, nahezu unverändert zum Vortag. Sollte sich die Aktie nicht bald wieder über 95 Euro erholen, droht bei SAP der gesamte Aufwärtstrend der vergangenen 20 Jahre zu kippen.

    Siemens Energy: Nach Begebung einer Pflichtwandelanleihe zur Finanzierung der angekündigten Komplettübernahme von Siemens Gamesa fallen die Aktien von Siemens Energy um 3,5 Prozent. „Die neue Finanzierung für Gamesa kommt nicht überraschend, der Verwässerungseffekt ist dennoch negativ für den Kurs“, sagte ein Händler.

    Henkel: Im Leitindex Dax 40 verlieren am Mittwoch die Papiere des Konsumgüterherstellers 0,4 Prozent. Warburg Research strich die Kaufempfehlung. Die Aussichten für die Klebstoff-Sparte verdüsterten sich, hieß es.

    Uniper: Für den angeschlagenen Versorger geht die Talfahrt in der Gaskrise weiter mit einem Rekordtief. Zuletzt verbuchten die Titel am MDax-Ende ein Minus von 4,7 Prozent. Das neue Rekordtief liegt bei 4,19 Euro, was einem Minus von 10,9 Prozent entsprach.

    SGL Carbon: Nach oben um über zwölf Prozent ging es zudem für die Aktien des Kohlenstoffspezialisten nach einer Anhebung des Ausblicks. Die Titel werden ab 19. September wieder im Kleinwerteindex SDax notiert sein.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax

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