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11.06.2021

18:08

Dax aktuell

Dax mit höchstem Schlusskurs seiner Geschichte – Warum jetzt schwierige Monate anstehen

Von: Jürgen Röder

Vor Corona neigte die Börse in den Sommermonaten häufig zur Schwäche. Sollte sich dieses Muster wiederholen, hätte der Dax größeres Abwärtspotenzial.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Düsseldorf Der Dax hat sich am Freitag wieder der Marke von 15.700 Punkten angenähert. Kurzzeitig notierte der deutsche Leitindex sogar darüber und war nur noch 29 Zähler von einem Rekordhoch entfernt. Letztendlich ging das Frankfurter Börsenbarometer aber mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 15.693 Stellen aus dem Handel – das ist höchste Schlusskurs seiner Geschichte.

Rekorde gab es auch bei anderen Indizes: Der MDax, in dem sich die mittelgroßen Unternehmen finden, übersprang erstmals in seiner Geschichte die Marke von 34.000 Punkten. Und der europäische Stoxx 600 markierte mit 458 Punkten zum fünften Mal in sechs Tagen ein Rekordhoch.

Auch für den Dax sind in den kommenden Handelstagen noch neue Rekordhochs möglich. Doch Anleger sollten lieber den Blick auf die Unterseite richten. Denn es steht ein saisonales Phänomen bevor: die Sommerkorrektur.

In der Vor-Corona-Zeit neigten die Aktienkurse in den Sommermonaten zur Schwäche. Zuletzt war das 2017 und 2019 der Fall, als der Dax jeweils rund zwölf Prozent nachgab. 2018 war das Phänomen nicht zu beobachten, weil dieses Börsenjahr überspitzt formuliert eine einzige Korrektur war. Ende 2018 betrug das Dax-Jahresminus mehr als 18 Prozent.

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    In den Jahren 2017 und 2019 verlief diese saisonale Korrektur beispielhaft. Der Start erfolgte in den Monaten Juni sowie Juli und spätestens Ende September waren die Kursverluste wieder aufgeholt, was das Schöne an dieser Phase ist. Die Erklärung für das Muster: In den Monaten Juni und Juli machen die Anlageprofis Urlaub und betrachten die niedrigen Kurse bei ihrer Rückkehr wieder als Einstiegsgelegenheit.

    Die Marke von 15.477 Punkten wird wichtig

    Börsenhistorie wiederholt sich selten, zeigt aber vielfach ähnliche Muster. Doch es spricht vieles dafür, dass es in diesem Börsenjahr wieder eine übliche Sommerkorrektur geben wird. Allein schon deshalb, weil viele Anleger nach einem Dax-Plus von mehr als 13 Prozent seit Jahresanfang auf hohen Buchgewinnen sitzen.

    Der Startschuss für diese Sommerkorrektur dürfte bei Kursen unterhalb von 15.477 Punkten erfolgen: Dort liegt das Korrekturtief des jüngsten Aufwärtstrends seit Anfang Juni. Gleichzeitig war die Marke von rund 15.500 Punkten die obere Begrenzung einer zweimonatigen Seitwärtsphase von Anfang April bis Ende.

    Sollte diese Korrektur so wie 2017 und 2019 nach einem Minus von zwölf Prozent beendet sein, würde diese Abwärtsbewegung in diesem Jahr, vom derzeitigen Rekordhoch berechnet, Dax-Notierungen von rund 13.800 Punkten bedeuten. Doch so exakt wiederholt sich Börsenhistorie sehr selten.

    Unter den Einzelwerten stachen am Freitag die Finanzwerte heraus, denen die fallenden Anleiherenditen zu schaffen machten. Im Dax waren die Titel der Deutschen Bank mit einem Abschlag von mehr als 1,5 Prozent der schwächste Wert.

    Dass die EZB bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef drängle, belaste die Titel zusätzlich, sagte ein Händler. Die EZB will von der Deutschen Bank möglichst zügig Klarheit haben über die Nachfolge von Aufsichtsratschef Paul Achleitner haben.

    Die Kurse der europäischen Staatsanleihen zogen zum Wochenschluss an, im Gegenzug sanken die Renditen. Die Verzinsung der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf ein Sieben-Wochen-Tief von minus 0,275 Prozent nach minus 0,248 Prozent im Schlussgeschäft vom Donnerstag.

    Blick auf die Einzelwerte

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Curevac: Die Titel des Tübinger Biotechunternehmens fielen um 6,4 Prozent. Einem Händler zufolge werden die Aktien weiter durch die verzögerte Zulassung des Corona-Impfstoffs von Curevac belastet. Seit Dienstag haben die Anteilscheine bereits mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Das Gesundheitsministerium wird den Impfstoff von Curevac erst wieder in die Planung für die Impfkampagne aufnehmen, wenn eine Zulassung erfolgt ist. In diesem Quartal habe man die Lieferung von 1,4 Millionen Impfdosen gestrichen.

    Morphosys: Nach einer Herunterstufung warfen Anleger das Papier aus ihren Depots. Die Titel des Biotechunternehmens verloren 4,4 Prozent und gehören damit zu den schwächsten MDax-Werten. Die Analysten von JP Morgan hatten die Titel auf „neutral“ von „overweight“ heruntergenommen.

    K+S: Ein positiver Analystenkommentar verleiht der Aktie kräftig Rückenwind. Die Papiere des Kasseler Salz- und Düngemittelherstellers stiegen um knapp sieben Prozent auf 12,06 Euro und waren der stärkste MDax-Wert. Laut einem Händler hat der Broker Stifel eine Kaufempfehlung für die Aktien ausgesprochen.

    Windeln.de: Nach einem Minus von knapp 36 Prozent am gestrigen Donnerstag fiel das Papier am heutigen Freitag zur Eröffnung zunächst weitere 15 Prozent ab und wurde bei 2,25 Euro gehandelt. Im weiteren Handelsverlauf kletterte der Kurs wieder auf 3,30 Euro, ein Plus rund 20 Prozent und schloss mit einem Gewinn von 2,2 Prozent bei 2,82 Euro.

    Die wilde Achterbahnfahrt hält damit an. Am Mittwoch hatten die Papiere zeitweise noch rund sieben Euro gekostet, Ende vergangener Woche weniger als einen Euro – die Titel waren also ein Pennystock. Innerhalb von einer Woche stiegen die Papiere von 86 Cent auf in der Spitze 7,04 Euro – ein Plus von zeitweise mehr als 700 Prozent, um dann wieder einzubrechen.

    Das war wohl eine erfolgreiche „Pump-and-Dump-Aktion“. Dabei kaufen sogenannte Daytrader marktenge Aktien zu einem günstigen Preis, die sie anschließend durch lancierte Nachrichten oder koordinierte Käufe gezielt nach oben treiben, um dann die entsprechenden Aktien mit Gewinnen abzustoßen.

    Was die Dax-Charttechnik sagt

    Seit dem Ausbruch aus der gut zweimonatigen Seitwärtsphase mit 14.800 Punkten auf der Unter- und 15.500 Zählern auf der Oberseite hat sich das charttechnische Bild gewandelt. Aus dem ehemaligen Widerstand 15.500 ist nun eine Unterstützungsmarke geworden. Dazu passt das Korrekturtief seit diesem Ausbruch, das mit 15.477 Zählern am vergangenen Donnerstag erreicht wurde. Dieser Bereich bietet sich für tradingorientierte Anleger als Stop-Loss-Marke an.

    Solange der Dax oberhalb dieser Marke bleibt, ist der Rallymodus intakt und gilt das Kursziel von 16.200 Punkten. Zur Berechnung wird die ehemalige Seitwärtsspanne von 700 Punkten zur Oberseite addiert. Auf dem Weg dahin sind für die technischen Analysten der Bank HSBC die Marken 15.764 und 15.925 Punkte die nächsten Etappenziele.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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