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01.09.2022

17:54

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Dax aktuell

Dax rutscht erneut deutlich ab – Profis und Privatanleger erwarten weitere Verluste

Von: Leonidas Exuzidis

Die Erwartungen stark steigender Zinsen haben den Aktienmarkt fest im Griff. Im schwachen Börsenmonat September rückt das Jahrestief in den Fokus.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt bewegt sich zu Beginn des Börsenmonats September weiter im Minus: Am Donnerstag ist er auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juli gefallen. Nach wie vor halten die hohe Inflation und die damit verbundene Erwartung stark steigender Zinsen die Investoren von Käufen ab. Hinzu kommen die Turbulenzen an den Energiemärkten. Um 1,60 Prozent abwärts geht es mit dem Dax auf 12.630,23 Punkte.

Seit dem Ende der mehrwöchigen Erholungsrally ist das Frankfurter Börsenbarometer folglich etwa 1300 Punkte gefallen. Diese Bewegung hatte den Dax bis Mitte August ebenfalls sehr dynamisch um fast 1500 Punkte angetrieben. Der höchste Stand in dieser Phase datiert vom 17. August mit 13.948 Zählern.

Da es in der Folge sehr schnell sehr stark nach unten ging, sind zwischenzeitliche Gegenbewegungen wahrscheinlich. Doch das Gesamtbild bleibt stark eingetrübt. Jochen Stanzl von CMC Markets sagt: „Die Stimmung am Aktienmarkt ist ein weiteres Mal in diesem insgesamt trüben Börsenjahr auf einem Tiefpunkt angekommen.“

Und die jüngsten Inflationsdaten haben die Zinsängste an den Märkten auf breiter Basis weiter verstärkt. In Deutschland sind die Preise im August um 7,9 Prozent gestiegen. Der Preisdruck dürfte sich mit dem Auslaufen fiskalischer Maßnahmen wie Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt nun weiter erhöhen.

Im Euro-Raum hat die Teuerungsrate gar einen Rekordwert erreicht. Erstmals in der Geschichte der Währungsunion lag sie über der Marke von neun Prozent (9,1 Prozent). Auch die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise ausklammert, übertraf erneut die Erwartungen.

Das macht eine starke Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) immer wahrscheinlicher. In den vergangenen Tagen haben die Diskussionen um eine Anhebung der wichtigsten Zinssätze um gleich 0,75 Prozentpunkte Fahrt aufgenommen. Bis zur turnusmäßigen Sitzung des EZB-Rats am nächsten Donnerstag dürfte sich die Debatte vor allem wegen der „Falken“ verstärken, die eine strikte Geldpolitik befürworten.

Entsprechend haben sich auch die Erwartungen am Geldmarkt verschoben. Immer mehr Akteure erwarten einen Zinsschritt um 75 Basispunkte. Unter Berücksichtigung der dann folgenden EZB-Ratssitzung im Oktober gehen Investoren aktuell zunächst davon aus, dass auf einen 75-Punkte-Schritt sodann ein 50-Punkte-Schritt folgt.

Auch die großen Wall-Street-Banken passen ihre Prognosen konstant nach oben an. Die Volkswirte von Goldman Sachs, JP Morgan und der Bank of America erwarten zunächst eine Erhöhung um 75 Basispunkte, ebenso die Experten der Deutschen Bank.

Steigende Zinsen drücken die Kurse am Aktienmarkt nach unten. Hinzu kommt die Befürchtung vieler Marktteilnehmer und Ökonomen, dass eine zu starke Reaktion der Währungshüter die ohnehin fragile Konjunktur weiter schwächt und eine Rezession auslöst.

Grafik

Ein ähnliches Bild zeichnet sich an den US-Märkten. Nach der Rede von Jerome Powell am vergangenen Freitag – der US-Notenbankchef hatte auf dem wichtigsten Zentralbankertreffen in Jackson Hole ein aggressives Vorgehen gegen den Preisdruck versprochen – haben die Aktienkurse einerseits bereits stark nachgegeben.

Auf der anderen Seite stärken die Zinserwartungen in den USA den US-Dollar. Der Dollar-Index, der den Wert der Weltleitwährung im Vergleich zu anderen Devisen misst, stieg am Donnerstag bis auf 109,8 Punkte und liegt damit auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Der Euro fiel hingegen wieder unter die Parität zum Dollar.

Profis und Privatanleger bleiben zurückhaltend

Vorsicht ist aktuell das oberste Gebot im Lager der institutionellen Investoren. Die aktuellen Verluste sind für sie noch nicht genug – sie setzen darauf, dass der Dax weiter fällt. Gleiches gilt für die Gruppe der Privatanleger. Das legt die jüngste Sentimenterhebung der Börse Frankfurt nahe.

Es falle auf, „dass sich die Bären mit Gewinnmitnahmen unter dem Strich weiterhin zurückhalten“, sagt Joachim Goldberg, der die Umfrage auswertet. „Und das, obwohl bei den meisten das ihrer Stimmung zugrunde liegende Engagement mittlerweile profitabel gewesen sein dürfte.“

Beide Anlegergruppen hatten sich zuletzt verstärkt abgesichert oder auf fallende Kurse gesetzt. Doch anstatt diese Positionen nun vermehrt aufzulösen, bleiben sie in Wartestellung. Es sei wahrscheinlich, „dass das Gros der Pessimisten noch mehr Ungemach für die Finanzmärkte erwartet“, sagt Verhaltensökonom Goldberg.

Charttechnik: Blick nach unten

Der Dax ist mit dem Versuch, die Marke von 13.000 Punkten zurückzuerobern, vorerst gescheitert. Dass der Börsenmonat September in der historischen Betrachtung der schwächste des Jahres ist, verschärft die Sorgen.

Angesichts der jüngsten Entwicklung sollte der Blick vorerst ohnehin auf die Unterseite gehen. Zunächst relevant ist das Tief aus dem Monat August bei 12.758 Zählern, das der Dax sofort zu Handelsbeginn unterschritten hat.

Die wichtigste Unterstützung bilden die Tiefs aus dem Monat Juli mit 12.434 und 12.391 Punkten. Letzteres ist gleichzeitig der tiefste Stand des Jahres. Aus charttechnischer Sicht ist es wichtig, dass der Dax dieses Niveau nicht unterschreitet.

Sentimentexperte Joachim Goldberg erwartet, dass die Anleger genau diese Marken im Blick haben. Sollten sie die erwähnten Absicherungen und Wetten dann teils auflösen, würde das den Dax ein wenig stützen. Einen Wendepunkt sieht Goldberg aber nicht.

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Blick auf die Einzelwerte:

Lufthansa: Der Airline steht die nächste Arbeitsniederlegung bevor. Der 24-stündige Streik am Freitag durchkreuzt die Reisepläne Tausender Passagiere. 800 Flüge sind bereits abgesagt. Die Aktie büßt 3,2 Prozent ein.

Gea: Nach einer Herunterstufung zählen die Aktien mit einem Minus von 6,3 Prozent zu den schwächsten Werten im MDax. Die Analysten von JP Morgan haben die Titel des Anlagenbauers auf „Underweight“ von „Neutral“ heruntergenommen.

Zalando: Spekulationen auf den Einstieg von Alibabas Online-Shopping-Plattform Lazada in den europäischen Markt machen Zalando zu schaffen. Die Aktien von Europas größtem Online-Modehändler fallen um bis zu 4,2 Prozent. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge habe Lazada-Chef James Dong gesagt, das Unternehmen bereite sich darauf vor, in Europa an den Start zu gehen.

Pernod Ricard: Der französische Spirituosenkonzern hat bei seinen Kunden Preiserhöhungen durchsetzen können und so seinen Gewinn deutlich gesteigert. Bei einem Umsatzplus um 17 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro stieg der Gewinn um 19 Prozent auf rund drei Milliarden Euro, wie der Konzern mit den Marken Mumm-Sekt, Absolut-Wodka und Martell-Cognac am Donnerstag mitteilte. Die Aktie liegt nach anfänglichen Verlusten an der Pariser Börse im Plus.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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