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13.06.2022

18:06

Dax aktuell

Dax rutscht um mehr als 330 Punkte ab – Experte: „Anleger erleben eine Neubewertung des Aktienmarktes“

Von: Jürgen Röder

Einen anderen Blick auf die Kursverluste liefert die Anlegerstimmung. Laut den aktuellen Sentiment-Daten ist bald eine Gegenbewegung zu erwarten.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt beginnt die neue Handelswoche so, wie die vorgehende endete: mit hohen Verlusten. Der Dax schließt am heutigen Montag mit einem Minus von 2,4 Prozent – und fällt um mehr als 330 Zähler auf 13.427 Punkte. Das Tagestief lag bei 13.386 Punkten.

Von Mittwoch bis Freitag der vergangenen Woche hatte sich die Abwärtsdynamik stets erhöht, das Börsenbarometer schloss an diesen drei Tagen jeweils auf einem Tagestief. Am Freitag hatte der Dax den Handel bei 13.762 Zählern beendet.

Für Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partner erleben Anleger „angesichts der immer weiter ansteigenden Zinserwartung gerade eine Neubewertung des Aktienmarktes“. Die steigenden Zinsen drücken unmittelbar auf die Unternehmensgewinne und werden zu einer immer größeren Konkurrenz für Aktien.

Auf der Unterseite rückt nun mit 13.380 Punkten das Tief des vergangenen Monats Mai in den Fokus. Von dem Mai-Tief aus hatte der Dax eine vierwöchige Rally gestartet, die in der Spitze Anfang Juni mit 14.709 Zählern endete.

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    Der Bereich rund um 13.500 Punkte hat eine hohe Relevanz für die weitere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt. Nachhaltige Notierungen unterhalb dieser Marke dürften anschließend wieder die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten und das Jahrestief von 12.834 Zählern ins Blickfeld geraten lassen.

    Einen anderen Blick auf diese Kursverluste liefert die Anlegerstimmung. Denn laut den aktuellen Daten der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment erfolgte nach dem Ausverkauf ein üblicher extrem heftiger Stimmungseinbruch.

    Was bedeutet: Sehr viele Anleger haben bereits verkauft. Seit Beginn der Umfrage im Herbst 2014 gab es nach solch einem Absturz in den folgenden zwei Wochen stets Gegenbewegungen mit einem Plus von zwei bis vier Prozent.

    Doch keine Börsenregel ohne Ausnahme: Im März 2020, mitten im Corona-Crash, folgte nach einem Dax-Absturz von zwölf Prozent eine Woche mit einem Minus von drei Prozent und dann nochmals ein Minus von 20 Prozent. Doch ist die aktuelle Situation mit dem Corona-Crash vergleichbar?

    Für den Sentimentexperten Stephan Heibel war es „häufig genug eine gute Idee, in Angst und Panik hinein zu kaufen“. Wenn eine Gegenbewegung erfolgt, könne man später immer noch beurteilen, ob die Angst berechtigt ist, und gegebenenfalls wieder aussteigen.

    Inflation und Zinsen bleiben Dauerbrenner

    Spätestens seit der vergangenen Handelswoche dürfte klar sein: Inflation und höhere Zinsen bleiben offenbar ein Dauerbrenner an den Börsen. Dabei stehen vor allem der ungebremst steigende Ölpreis und die höheren Renditen für Staatsanleihen im Fokus.

    Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fällt zwar am heutigen Montag unter die Marke von 120 Dollar, doch die Prognosen sind eher düster. Die Rohstoffanalysten von Goldman Sachs halten im weiteren Jahresverlauf 140 Dollar für wahrscheinlich, der Schweizer Rohstoffhändler Trafigura sogar 150 Dollar. Damit würde der Ölpreis sein Niveau vom Beginn des Ukrainekriegs noch in den Schatten stellen. Damals kletterte der Preis kurzzeitig auf 139 Dollar.

    Auch die Anleiherenditen bleiben auf einem hohen Niveau. Eine US-Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit rentiert bei 3,155 Prozent, das deutsche Pendant steigt am heutigen Montag weiter auf 1,55 Prozent nach. Wie sehr sich die Lage am Anleihemarkt verändert hat, zeigt vor allem ein Blick auf die Rendite der zweijährigen Staatsanleihen, die besonders intensiv auf Veränderungen in der Geldpolitik reagieren.

    Die Rendite für eine zweijährige US-Staatsanleihe liegt mittlerweile bei 3,25 Prozent, der höchste Stand seit 2007. Noch Anfang dieses Jahres lag dieser Wert bei 0,77 Prozent. Zweijährige Bundesanleihen rentieren mit 1,07 Prozent derzeit so hoch wie zuletzt 2011. Das war das einzige Jahr, in dem die Europäische Zentralbank (EZB) im Nachgang der Finanzkrise zweimal an der Zinsschraube drehte. Sollten der Ölpreis und die Renditen weiter nach oben klettern, wäre es eine weitere Belastung für die Aktienkurse.

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    Schlechte Signale kommen auch vom Devisenmarkt. Seit EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag Zinserhöhungen angekündigt hat, ist der Euro gegenüber dem Dollar um fast zwei Prozent gefallen. Normalerweise führen steigende Zinsen dazu, dass eine Währung ebenfalls zulegt, weil sie mehr Rendite bietet.

    Doch die europäische Gemeinschaftswährung ist mit zeitweise 1,0474 Dollar auf den niedrigsten Stand seit knapp einem Monat abgerutscht. Für die Aktienmärkte ist das kein gutes Zeichen, weil trotz steigender Zinsen Kapital abfließt. Laut einem Bericht der „Financial Times“ (FT) ist für die USA eine Rezession derzeit das Konsensszenario. Dass zeigt mittlerweile auch der US-Anleihemarkt. Dort werfen zweijährige Staatsanleihen mit 3,25 Prozent so viel ab wie zuletzt vor 14-1/2 Jahren und mehr als ihre zehnjährigen Pendants. Diese rentieren bei 3,155 Prozent.

    Zuletzt war dieses Phänomen, inverse Zinskurve genannt, vor etwa zwei Monaten aufgetreten. Es gilt als Signal für eine nahende Rezession. Investoren befürchten, dass die US-Notenbank Fed mit drastischen Zinserhöhungen die Konjunktur abwürgt. Vermutlich erwartet der Markt allmählich auch eine Rezession für den Euro-Raum.

    Anleger verkaufen türkische Anleihen

    Die anhaltende Wirtschaftskrise in der Türkei schürt die Furcht vor einem staatlichen Zahlungsausfall. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets türkischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuert sich um 12.000 Dollar auf ein Rekordhoch von 837.000 Dollar, teilt der Datenanbieter Markit mit. Damit haben sich diese Credit Default Swaps (CDS) binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Für den Zahlungsausfall einer vergleichbaren Bundesanleihe beträgt die Summe insgesamt nur 12.400 Euro.

    Gleichzeitig werfen Investoren Anleihen des Landes aus ihren Depots. Dies treibt die Rendite der 2034 auslaufenden Dollar-Bonds auf ein Rekordhoch von 10,3 Prozent.

    Bitcoin fällt unter 25.000-Dollar-Marke

    Der Bitcoin ist erstmals seit Dezember 2020 wieder unter die Marke von 25.000 Dollar gefallen. Die älteste Cyberdevise rutschte bis auf 23.633 Dollar ab. Für Ethereum ging es noch deutlicher bergab. Die Kryptowährung notierte mit 1302 Dollar zeitweise rund 22 Prozent niedriger. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2021. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte die Ankündigung der Krypto-Lending-Plattform Celsius Networks, sie pausiere alle Auszahlungen und Überweisungen zwischen Konten „aufgrund der extremen Marktbedingungen“.

    Blick auf die Einzelwerte

    Stahlwerte: Aktien aus dem Stahlsektor gaben stärker nach als der Gesamtmarkt. Die Titel von Thyssen-Krupp, Salzgitter und Klöckner&Co. verlieren zwischen fünf und fast neun Prozent Prozent. Händler verwiesen neben den allgemeinen Konjunktursorgen auf die Gefahr von Streiks in der Stahlindustrie.

    BASF: Vorstandschef Martin Brudermüller warnt vor drastischen Konsequenzen eines Gas-Embargos für den Chemiekonzern. „Sollten wir kein Gas mehr zugeteilt bekommen, blieben uns für das Herunterfahren des Standorts Ludwigshafen ein paar Stunden“, sagte der Manager der „Süddeutschen Zeitung“. „Dann stünde der riesige Standort zum ersten Mal in seiner Geschichte still.“ Die BASF-Aktie verliert 1,2 Prozent.

    Biontech: Die US-Arzneimittelbehörde FDA bestätigt die Sicherheit und Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs für Kinder im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren. Die Wirksamkeit des Vakzins liege in der Altersgruppe einer ersten Analyse zufolge bei 80,3 Prozent. Die in den USA beheimatete Aktie gibt auf der deutschen Handelsplattform Xetra um mehr als vier Prozent nach.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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