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20.06.2022

17:40

Dax aktuell

Dax schließt 1,1 Prozent im Plus – wie nachhaltig ist die Stabilisierung?

Von: Andrea Cünnen

Der Leitindex legt den zweiten Tag in Folge zu – Investoren fürchten dennoch eine Rezession. Am Montag sind die Handelsumsätze zudem gering. Das weckt Zweifel an der Dax-Erholung.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Frankfurt Der Dax steigt den zweiten Tag in Folge. Zum Handelsschluss lag der deutsche Leitindex 1,1 Prozent im Plus, bei 13.266 Zählern. Analysten zweifeln aber an einer nachhaltigen Erholung des Leitindex.

Die seit Tagen zurückgehenden Gaslieferungen aus Russland verstärken schließlich die Sorgen vor einer Rezession. Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck will die deutsche Gasversorgung nun mit neuen Notfallmaßnahmen sichern.

Eine Gasrationierung, insbesondere in der Industrie, ist nach Ansicht von Rolf Schaeffer, Stratege bei der Landesbank Baden-Württemberg, „nun eine realistische Gefahr“. Der Druck auf die Konjunktur in Deutschland nehme weiter zu. Das ist gefährlich für die Börsen. So spiegeln die Börsen laut Christoph Witzke, Fondsmanager bei Deka Investment, noch keinen „deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung“ wider.

Ein Problem ist auch, dass die weiter steigenden Gaspreise das Inflationsproblem in Deutschland verschärfen. Im Mai stieg die Teuerungsrate im Euro-Raum um 8,1 und in Deutschland um 7,9 Prozent. Vor allem die deutschen Hersteller erhöhen ihre Preise im Rekordtempo.

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    Die Erzeugerpreise verteuerten sich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um im Schnitt um 33,6 Prozent und damit so deutlich wie noch nie. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montagmorgen mit. Seit Dezember verzeichnen die Erzeugerpreise jeden Monat neue Rekordanstiege und schmälern damit die Gewinne der Unternehmen.

    Hinzu kommt die Unsicherheit mit Blick auf die politische Situation in Frankreich, wo das Lager von Präsident Emmanuel Macron die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung klar verloren hat. Damit wird es für Macron, der unter anderem für eine stärkere Integration Europas steht, künftig schwieriger, seine Vorhaben umzusetzen. Der französische Leitindex CAC 40 gewann dennoch rund 0,5 Prozent.

    Ansonsten erlebten die Märkte am Montag jedoch nur wenig Impulse. Weder bei den Renditen an den Anleihemärkten noch auf der Währungsseite gab es starke Ausschläge. Noch wichtiger: In den USA wird heute nicht gehandelt. Dort wird der auf den Sonntag gefallene Feiertag Juneteenth nachgeholt, an dem Amerikaner der Befreiung der afroamerikanischen Bevölkerung aus der Sklaverei gedenken.

    Von daher sind die Handelsumsätze relativ gering, da Marktteilnehmer und Vorgaben aus den USA fehlen. Bis zum Handelsschluss wurden im Dax auf der Handelsplattform Xetra rund 35 Millionen Aktien gehandelt, im Schnitt lag das tägliche Handelsvolumen in den vergangen drei Monaten bei knapp 80 Millionen Aktien.

    Allenfalls eine Bärenmarktrally

    Auch aus markttechnischer Sicht ist der Dax weiter sehr angeschlagen. Seit seinem Allzeithoch im vergangenen November hat der Index mehr als 19 Prozent verloren und steht damit knapp vor dem Kippen in einen Bärenmarkt.

    Von einem Bärenmarkt sprechen Börsianer, wenn ein Aktienindex mindestens 20 Prozent unter seinen Höchststand gefallen ist. In solchen Börsenphasen zeigt der übergeordnete Trend meist nach unten, auch wenn sich die Kurse zwischenzeitlich erholen können. Anleger sind dann pessimistisch und interpretieren Nachrichten im Zweifel negativ – es folgen meist weitere Kursverluste. Dabei gibt es immer wieder zwischenzeitliche Gegenbewegungen, sogenannte Bärenmarktrallys. Die Aufwärtsbewegungen sind jedoch nicht nachhaltig.

    Auch kurzfristig sind charttechnisch orientierte Analysten eher skeptisch. So erkennen die Experten von HSBC im Bereich um die 13.000 Punkte „allenfalls zaghafte Stabilisierungstendenzen“. Ihr Hauptaugenmerk sollten Anlegerinnen und Anleger laut HSBC auf den bei 13.202 Punkten beginnenden Erholungstrend seit dem Tief vom März 2020 legen. Bei einem endgültigen Fall unter diese Marke sollten Anleger eine Belastungsprobe des bisherigen Jahrestiefs von Anfang März bei 12.439 Punkten einkalkulieren.

    Bitcoin kämpft mit Marke um 20.000 Dollar

    Noch viel dramatischer als an den Aktienmärkten sind die Verluste an den Kryptomärkten. Der Bitcoin als älteste und wichtigste Kryptowährung hat allein in den vergangenen neun Handelstagen in der Spitze mehr als 30 Prozent verloren. Am Samstag war der Bitcoin erstmals seit Mitte Dezember unter die Marke von 18.000 Dollar gefallen. Am Sonntag und Montag erholt er sich etwas und pendelt um die Marke von 20.000 Dollar.

    Dennoch bleibt die Situation nach Einschätzung von Timo Emden von Emden Research angespannt: „Die Anleger fürchten, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein könnte.“

    Blick auf die Einzelwerte

    Beiersdorf und Delivery Hero: Der Kosmetikkonzern Beiersdorf notiert seit Montag wieder im Dax und gehörte mit einem Plus von über vier Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Der Online-Essenslieferdienst Delivery Hero musste seinen Platz im Dax räumen und notiert fortan im MDax. Dort drehte er nach schwächerem Handelsstart ins Plus und gewinnt rund vier Prozent.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

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    Hellofresh: Anders als Delivery Hero ist der Kochboxenversender Hellofresh profitabel. Die Aktie hat in diesem Jahr jedoch ebenfalls massiv gelitten. Am Montag zählte sie mit einem Aufschlag von rund vier Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Händler gehen davon aus, dass aktive Fondsmanager Hellofresh als Lieferdienst jetzt höher in ihren Portfolios gewichten.

    Heidelberg Cement, Covestro und Brenntag: Die Sorgen vor einer Rezession setzen Chemie- und Bauwerten besonders zu. Im Dax verloren die Aktien von Covestro, dem Chemikalienhändler Brenntag und dem Baukonzern Heidelberg Cement zwischen zweieinhalb und 0,5 Prozent.

    Valneva: Der US-Pharmakonzern Pfizer beteiligt sich mit 8,1 Prozent an dem französisch-österreichischen Impfstoffhersteller. Die Valneva-Aktie sprang um 27,4 Prozent nach oben. Damit lag sie aber noch unter dem Stand vom 10. Juni. Damals hatte die EU erklärt, den Vorabvertrag für den Totimpfstoff von Valneva gegen das Corona-Virus möglicherweise zu kündigen.

    Varta: Die Aktie des Batterieherstellers profitierte von einer Kaufempfehlung der US-Bank Goldman Sachs. Das Papier gewann mehr als ein Prozent, liegt seit Jahresanfang aber immer noch rund 20 Prozent im Minus.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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