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21.07.2021

17:56

Dax aktuell

Dax schließt 1,4 Prozent im Plus – spekulationsfreudige Privatanleger setzen auf neue Kursgewinne

Von: Jürgen Röder

Der Ausverkauf am Montag dürfte nicht der letzte in den Sommermonaten gewesen sein. Denn für eine mittelfristige Trendwende fehlt eine Bedingung.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch ein erstes Entspannungssignal gesendet: Der Dax schloss 1,4 Prozent im Plus bei 15.423 Punkten und damit über der wichtigen Marke von 15.300 Zählern. Dadurch sind die Chancen gestiegen, dass der deutsche Leitindex weiter in Richtung 15.800 Punkte steigt.

Der Bereich von 15.300 Punkten ist aus zwei Gründen relevant: Zum einen war er von Mitte Mai bis Ende vergangener Woche die untere Begrenzung der Seitwärtsphase. Zweimal ist der Dax Richtung 15.300 abgerutscht (15.309/15.304), beide Tests hatte er erfolgreich bestanden. Für technische Analysten ist das dann ein wichtiger Widerstand.

Zum anderen war der Rutsch unter diese Marke mit einem deutlich erhöhten Verkaufsvolumen begleitet. Anleger wollten offenbar das Risiko weiterer Kursverluste verringern. Es kam am Montag zu einem sogenannten Ausverkauf, ein deutliches Minus mit einem hohen Handelsvolumen.

Sollte der Dax aber nachhaltig wieder über 15.300 Punkte klettern, dürfte ein Teil der Verkäufer wieder in den Markt einsteigen. Wer möchte schon mögliche Gewinne verpassen?

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    Beim risikoreicheren Handel mit gehebelten Derivaten glaubt man eine Antwort auf die Frage „Einstiegschance oder Sommerkorrektur?“ zu kennen. Ein großer Teil der Privatanleger spekuliert auf weiter steigende Kurse. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart liegt derzeit bei plus neun und damit nur knapp unter dem gestrigen Zwölf-Monats-Hoch von plus zehn.

    Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein positiver Wert zeigt an, dass deutlich mehr Call- als Put-Produkte in den Depots der Privatanleger liegen.

    Der Verlauf des Euwax-Sentiments am gestrigen Dienstag lässt sogar eine detailliertere Schlussfolgerung zu: In der Zeit kurz nach der Handelseröffnung, als der Dax in der Nähe seines Tageshochs von 15.300 Punkten lag, wurden die meisten Calls verkauft. Ein kleiner Teil nahm Gewinne mit, der mit Abstand größere Teil hält aber an seiner Spekulation Richtung 15.800 Punkte fest.

    Das alles ist eine kurzfristige Betrachtung der kommenden Tage. Generell gilt: Saisonal sind erhöhte Schwankungen und Kursrücksetzer im Sommer keine Seltenheit. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in den kommenden Tagen stärkere Kursbewegungen gibt. Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners bezweifelt, „dass die Ruhe der vergangenen Wochen so schnell zurückehrt“.

    Zudem folgten beim Dax zum ersten Mal seit Beginn der Impfstoffrally Anfang November auf ein Minus von mindestens 0,9 Prozent (am vergangenen Donnerstag) zwei Verlusttage. Auch das spricht für eine neue Marktverfassung.

    Der Ausverkauf am vergangenen Montag dürfte vermutlich nicht der letzte in den Sommermonaten gewesen sein. Erfahrene Börsianer wissen: Für einen finalen Ausverkauf mit anschließender mittelfristiger Trendwende reichen ein hoher Tagesverlust und erhöhtes Handelsvolumen nicht aus.

    Es muss auch Panik unter den Anlegern geherrscht haben, was oft erst später gemessen werden kann. Die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment, deren Ergebnisse wieder am kommenden Montag veröffentlicht werden, ist ein treffsicherer Indikator dafür.

    Die seltsame Rally am Anleihemarkt

    Die Zinsen am Anleihemarkt sind im Sinkflug: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel am gestrigen Dienstag zeitweise auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 1,151 Prozent, aktuell liegt dieser Wert bei 1,290.

    Auch die zehnjährige Bundesanleihe ist am gestrigen Dienstag mit minus 0,440 Prozent auf den tiefsten Wert seit Februar 2021 gefallen. Derzeit sind es minus 0,395 Prozent.

    Die Gründe dafür sind vielfältig. Sichere Anlagen sind gefragt, und die Inflationssorgen werden geringer. Bei den US-Staatsanleihen dürfte es auch eine Rolle spielen, dass ein vorübergehender sicherer Anlagehafen mit 1,25 Prozent Rendite und einem Euro-Wechselkurs von 1,176 Dollar auch keine schlechte Wahl ist.

    Für Thomas Altmann von QC Partners steht aber fest: Aus technischer Sicht sollten Anlegerinnen und Anleger jetzt ausgerechnet beim sicheren Hafen der Bundesanleihen vorsichtiger werden. „Nach der imposanten Rally ist der Rentenmarkt überkauft“, erläutert er. „Ein Rücksetzer sollte da niemanden überraschen.“

    Blick auf die Einzelwerte

    SAP: Den Softwareriesen macht der schnellere Umstieg seiner Kunden in die Cloud zuversichtlicher. „Wir hatten ein weiteres fantastisches Quartal“, sagte Firmenchef Christian Klein am Mittwoch zu Journalisten. Der Walldorfer Dax-Konzern hob deshalb seinen Ausblick für das Gesamtjahr bereits zum zweiten Mal an. Die Aktie hingegen schloss 2,5 Prozent leichter.

    Software AG: Die Nummer zwei in Deutschland hinter SAP hat im zweiten Quartal einen Gewinnsprung verbucht. Das Management um Vorstandschef Sanjay Brahmawar sieht das Unternehmen daher auf Kurs zu seinen Zielen für 2021 und die Jahre bis 2023. Nach einem freundlichen Auftakt schlossen die Papiere aber 0,4 Prozent im Minus.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

    Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Krones: Nach einer Kaufempfehlung starteten die Aktien im SDax durch. Die Titel gewannen 5,9 Prozent auf 83,30 Euro. Das Analysehaus Stifel hat die Titel laut Börsianern auf „Buy“ von „Hold“ gesetzt, das Kursziel sehen die Analysten demnach bei 100 Euro.

    Luftfahrtwerte: Auf Erholungskurs gehen die Aktien vom Triebwerkshersteller MTU, die seit Monatsbeginn mehr als sechs Prozent verloren hatten. Die Papiere gehörten mit einem Plus von 4,3 Prozent zu den größten Tagesgewinnern. Im MDax zählten Fraport mit einem Plus von 2,1 Prozent und Airbus mit einem Wertzuwachs von 4,4 zu den Gewinnern. Diese Werte haben aufgrund der Delta-Variante zunächst nachgegeben, weil sie die Erholung des Reisesektors verzögert. Doch nun greifen offenbar Schnäppchenjäger zu.

    Sartorius: Der Labordienstleister und Pharmazulieferer Sartorius hat im ersten Halbjahr deutlich mehr verdient als im Vorjahr. So verdoppelte sich der Nettogewinn auf 259,4 Millionen Euro, der Umsatz stieg von gut einer Milliarde Euro auf rund 1,6 Milliarden Euro. Dennoch gab die Aktie im MDax 3,6 Prozent nach.

    Bitcoin klettert über die Marke von 30.000 Dollar

    Die Cyberdevise Bitcoin stieg um sieben Prozent auf knapp 32.000 Dollar, nachdem sie am Dienstag auf den tiefsten Stand seit einem Monat gefallen war. Die Analysten der Postbank rechnen jedoch damit, dass die Nervosität an den Kryptomärkten groß bleiben und auch zukünftig für starke Kursschwankungen sorgen dürfte. Vor allem Nachrichten über zunehmenden regulatorischen Druck auf Handelsplattformen für Kryptowährung haben den Digitalwährungen zuletzt immer wieder zugesetzt.

    Was die Dax-Charttechnik sagt

    Oberhalb der Schlüsselzone von 15.300 Punkten liegt noch eine Abwärtskurslücke vom vergangenen Montag. Solche Abwärtskurslücken entstehen, wenn der tiefste Stand eines Handelstags über der höchsten Notierung des Folgetags liegt. Das gilt umgekehrt bei Aufwärtskurslücken.

    Konkret: Am Freitag vergangener Woche lag das Tagestief bei 15.477 Zählern. Und der höchste Kurs am Montag lag bei 15.424 Zählern. Solange der Dax nicht 15.477 Punkte erreicht, bleibt diese Lücke offen.

    Für die technischen Analysten von HSBC Deutschland steht fest: „Ohne eine Rückeroberung dieser Marken bleibt das Dax-Chartbild indes angeschlagen, denn dann hat die Topformation der letzten Wochen mit einem Abschlagspotenzial von 500 Punkten sowie einem Kursziel von 14.800 Punkten unverändert Bestand“.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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