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24.11.2020

17:56

Dax aktuell

Dax schließt auf höchstem Stand seit neun Monaten – Tui-Aktie legt zweistellig zu

Von: Jürgen Röder

Der laufende Paradigmenwechsel an den Börsen ließ Investoren am Dienstag zu Titeln der Flug- und Reisebranche greifen. Und es gibt gleich mehrere Anzeichen für weiter steigende Kurse.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt herrschte heute gute Laune: Der Dax schloss am Abend 1,3 Prozent im Plus bei 13.292 Punkten und erreichte damit den höchsten Schlusskurs seit neun Monaten. Unterstützung kam unter anderem von den US-Börsen, wo der Leitindex Dow Jones kurz vor Handelsschluss im Dax erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 30.000 Punkte kletterte.

Bereits am gestrigen Montag war der Dax schnell auf 13.312 Punkte geklettert, doch danach war dem Börsenbarometer die Puste ausgegangen. Es schloss bei 13.126 Zählern und damit mit einem hauchdünnen Minus von 0,1 Prozent.

Am heutigen Dienstag versuchte der deutsche Leitindex erneut, die Handelsspanne zwischen 13.005 und 13.277 Zählern zu verlassen. Der Schlussstand liegt oberhalb von 13.277 Punkten und ist somit ein starkes Signal für weiter steigende Kurse.

Auch die Anlegerstimmung sprach für höhere Notierungen. „Aus Sicht der Sentiment-Theorie haben wir eine hohe Selbstsicherheit und Kaufbereitschaft, sodass der Druck derzeit eher für steigende Kurse sorgen dürfte“, meinte Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment.

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    Der laufende Paradigmenwechsel an den Börsen – weg von Technologiewerten, hin zu Zyklikern – ließ Investoren am Dienstag zu Titeln der Flug- und Reisebranche greifen. Im Dax setzte sich MTU mit plus 5,8 Prozent an die Spitze. Continental-Aktien stiegen um 6,2 Prozent, die der Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen jeweils über drei Prozent.

    Tui legt zweistellig zu, auch Lufthansa gewinnt deutlich

    Ein ähnliches Bild in der Luftfahrt: Lufthansa-Aktien zogen im MDax bis zu sieben Prozent an, ebenso schlossen Airbus und Fraport deutlich in der Gewinnzone. Titel des Reisekonzerns Tui zogen an den Börsen in Frankfurt und London jeweils bis zu rund 14 Prozent an.

    Ein Blick auf die Kursentwicklung seit dem 9. November zeigt, wie sehr sich die Börsenwelt verändert hat, nachdem das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech gemeinsam mit Pfizer angekündigt hatte, die Zulassung für einen Corona-Impfstoff beantragen zu wollen. Der Dax tritt seit der Nachricht auf der Stelle, Reisewerte wie Lufthansa, Airbus und Fraport hingegen stiegen in diesem Zeitraum um rund zehn Prozent, das Tui-Papier sogar um 40 Prozent.

    Derweil vergrößert die Deutsche Börse den Leitindex. Künftig werden dem Dax 40 statt 30 Unternehmen angehören. Im Gegenzug schrumpft der Nebenwerteindex MDax wieder von 60 auf 50 Unternehmen. Die Größe des Kleinwerteindex SDax bleibt unverändert. 13 Kandidaten für diese zehn Plätze gibt es. Für neun MDax-Unternehmen scheint der Aufstieg sicher, Platz zehn ist umkämpft.

    Rund drei Monate hatten Investoren Zeit, um sich auf diese mutmaßliche Vergrößerung um zehn weitere Aktien einzustellen und einen Kauf zu prüfen. Denn die Emittenten von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) müssen nach der späteren Entscheidung, welches Unternehmen dann in den Dax 40 aufrückt, diese Papiere zwangsläufig in den ETF aufnehmen. Die Umstellung erfolgt erst im September 2021 – die Entscheidung, welches Unternehmen aufsteigt, dürfte allerdings deutlich früher fallen.

    Auch wenn die Kurse in den vergangenen drei Monaten natürlich nicht allein von einem möglichen Dax-Aufstieg geprägt worden sind, ist ein Blick auf die Wertentwicklung in dieser Zeit dennoch aufschlussreich. Denn der Kursverlauf zeigt: Vor allem der Chemikalienhändler Brenntag stand im Fokus. Mit einem Plus von mehr als 20 Prozent weist das Papier den größten Wertzuwachs aller Kandidaten auf. Ähnlich hohe Kurssteigerungen gab es bei den Titeln des Labortechnikers Sartorius, Siemens Energy sowie Puma.

    Von den vier Hoffnungskandidaten (Knorr-Bremse, Scout 24, Hellofresh und Puma), die voraussichtlich noch um einen Aufstiegsplatz kämpfen, fällt ein Wert besonders auf: Der Aktienkurs des Vergleichsportals Scout 24 ist in den vergangenen drei Monaten um rund 20 Prozent gefallen. Das dürfte, wie oben dargelegt, damit zusammenhängen, dass Investoren aktuell eher bei zyklischen Papieren statt bei Tech-Werten zugreifen.

    Meiste Dax-Aufsteigerkandidaten auf der Verkaufsliste

    Gleichzeitig bedeutet das aber auch: Die Marktkapitalisierung von Scout 24, die bei der späteren Indexumstellung das allein entscheidende Kriterium werden soll, ist um diese 20 Prozent gefallen. Der Börsenwert beträgt nur noch 6,9 Milliarden Euro, der mit Abstand niedrigste Wert der vier Kandidaten. Auch der Börsenwert des Kochboxen-Versenders Hellofresh erscheint mit 8,6 Milliarden Euro zu gering für einen Dax-Aufstieg.

    Würde man nur den Kursverlauf der vergangenen drei Monate als Indiz für einen Platz im Dax 40 nehmen, hätte die Puma-Aktie mit Abstand die besten Chancen. Doch der Sportartikel-Händler hat einen Nachteil: Seine Marktkapitalisierung liegt bei 12,76 Milliarden Euro und damit deutlich unter dem Börsenwert von Knorr-Bremse. Der Hersteller von Bremssystemen wird mit 17,5 Milliarden Euro bewertet.

    Am heutigen Handelstag standen die meisten Dax-Aufsteigerkandidaten trotz eines freundlichen Marktumfeldes auf der Verkaufsliste: allen voran die Aktie von Hellofresh, die 7,4 Prozent an Wert verlor. Der Zalando-Titel gaben 4,2 Prozent nach und Puma rund zwei Prozent.

    Anleger sollten diesen Kursen der möglichen Aufsteiger allerdings nicht einfach hinterherrennen. Denn die Auswertung des Vermögensverwalters HQ Trust zeigt eine ganz einfache Börsenlogik: Die Kurse der Aufsteiger steigen vor allem im Vorfeld des Wechsels. In den zwölf Monaten vor dem Wechsel entwickeln sich die Notierungen im Schnitt um 25 Prozent besser als der Dax selbst.

    Nach der Dax-Aufnahme beginnt laut HQ Trust eine recht deutliche Underperformance der Aufsteiger: Auf Jahressicht liegen die Titel im Schnitt rund 14 Prozentpunkte hinter dem Index. „Nur in acht von 25 Fällen konnten die Neulinge im Index im ersten Jahr ein besseres Ergebnis als der Dax erzielen“, erläutert HQ-Trust-Manager Marcus Müller.

    Blick auf Einzelwerte

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    KWS Saat: Der Saatguthersteller hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres mit höheren Kosten und einer gesunkenen Nachfrage gekämpft. Der Umsatz fiel unter anderem wegen eines Einbruchs im Geschäft mit Gemüsesaaten um 3,6 Prozent auf rund 184 Millionen Euro. KWS Saat bestätigte den Jahresausblick, der von Finanzchefin Eva Kienle im Oktober als eine „sehr konservative Prognose“ bezeichnet wurde. Die Aktie verlor 0,6 Prozent.

    HHLA: Der Containerumschlag in Deutschlands größtem Seehafen erholt sich nur langsam vom Corona-Schock. Bis Ende September wurden 6,3 Millionen Stahlboxen über die Kaikanten der Hansestadt gehoben, ein Rückgang um knapp zehn Prozent. Zur Jahresmitte lag das Minus noch bei 12,4 Prozent. Inzwischen hat der für Hamburg besonders wichtige Chinahandel wieder Fahrt aufgenommen, lag beim Containerumschlag nach drei Quartalen aber noch im Minus. Dennoch bescherte das der Aktie ein Plus von drei Prozent.

    Blick auf andere Assetklassen

    Der Goldpreis steht weiter kräftig unter Druck. Der Preis fällt auf 1811 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), den tiefsten Stand seit vier Monaten. Innerhalb von zwei Tagen ist der Preis um mehr als 50 Dollar gefallen.

    Das gelbe Edelmetall ist der eindeutige Verlierer in Sachen Corona-Impfstoff. Je mehr Meldungen über Impfstoffe veröffentlicht werden, desto mehr steigt der Risikoappetit der Anleger, hinzu kommen robuste Konjunkturdaten. Vor allem Anleger sind ausgestiegen und haben Gold-ETFs verkauft, die das Edelmetall als Sicherheit physisch hinterlegen. Am Montag wurden rund elf Tonnen Gold verkauft, die diese börsengehandelten Indexfonds gelagert hatten.

    Die Rohstoffanalysten der Commerzbank erwarten eine Stabilisierung des Preises im Bereich von 1800 Dollar. Den Experten zufolge sollten Anleger nicht außer Acht lassen, dass sich an dem langfristig positiven Umfeld für Gold nichts geändert hat.

    Das sind vor allem drei Punkte: Erstens werde die wegen der Coronakrise kräftig gestiegene Verschuldung nicht plötzlich über Nacht verschwinden. Zweitens sei auch nicht davon auszugehen, dass Regierungen und Zentralbanken ihre Unterstützung für die Wirtschaft vorschnell zurückfahren werden. Und drittens: Mit der vom künftigen US-Präsidenten Biden vermutlich zur Finanzministerin auserwählten Janet Yellen, die von 2014 bis 2018 Fed-Chefin war, dürften neue Stimulierungsmaßnahmen eher wahrscheinlicher werden.

    „Gold sollte daher nach der aktuellen Durststrecke wieder steigen, auch wenn dieser Anstieg vermutlich noch etwas auf sich warten lassen und von einem niedrigeren Niveau beginnen dürfte“, meint Rohstoffanalyst Carsten Fritsch.

    Bitcoin überspringt das erste Mal seit fast drei Jahren die 19.000er-Marke. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise steigt am Dienstag um bis zu 3,7 Prozent auf 19.111,49 Dollar.

    Bei der türkischen Lira hingegen geht es nach unten. Die Rally der türkischen Währung könnte ein jähes Ende finden. Die Lira stieg Anfang November zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent, weil Staatspräsident Erdogan eine andere Wirtschafts- und Geldpolitik versprach.

    Doch nach einem Minus von mehr als zwei Prozent am gestrigen Montag verliert die Währung gegenüber dem Euro am heutigen Dienstag weitere zwei Prozent. Derzeit kostet ein Euro 9,53 Lira. „Nach dieser Kursbewegung (am Montag) ist nun nicht mehr klar, ob der Trend der Lira weiter nach oben deutet“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose.

    Der Grund: Erdogans neuerliche Anmerkungen, dass hohe Zinsen eine bittere Medizin darstellen und früher oder später wieder gesenkt werden müssen, veranlassen den Markt daher, über die aktuellen Zinserhöhungen hinauszusehen.

    „Ein umfassender Kampf gegen die Inflation, also nicht nur die Absicht, irgendwie eine einstellige Inflation zu erreichen, erfordert wesentlich mehr Geduld und Entschlossenheit und geht mit hohen wirtschaftlichen Kosten einher“, meint der Experte. Erdogans Bemerkungen lassen die Zuversicht schwinden, dass er bereit ist, einen solchen Prozess zu durchlaufen.

    Was die Charttechnik sagt

    Das etwas größere Dax-Bild zeigt: Seit Juli bewegt sich der Dax in einer Seitwärtsspanne zwischen 12.200 auf der Unter- und 13.400 Punkten auf der Oberseite. Nur Ende Oktober rutschte der Leitindex innerhalb weniger Tage ab auf bis zu 11.450 Zähler, um anschließend wieder in die alte Spanne zurückzukehren.

    Wichtig ist zudem das Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte das Barometer die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 13.795 Punkten ins Visier.

    Auf der Unterseite bieten sich als strategische Stop-Loss-Marken einige Aufwärtskurslücken als Unterstützungen an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt.

    Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Aufwärtsbewegung seit Ende Oktober, als der Dax bei 11.450 Punkte stand.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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