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16.03.2022

17:57

Dax aktuell

Dax schließt deutlich im Plus – Gespräche zwischen Ukraine und Russland geben Auftrieb

Von: Andreas Neuhaus

PremiumDer deutsche Leitindex steigt über den zuletzt hartnäckigen Widerstand von 14.000 Punkten. Was die Gründe sind und welche Marken jetzt wichtig werden.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Ukrainekrieg hat am Mittwoch den deutschen Aktienmarkt angetrieben: Der Leitindex Dax stieg um 3,8 Prozent auf 14.441 Zähler. In der Spitze legte der Leitindex sogar um 4,6 Prozent auf 14.553 Punkte zu. Am Dienstag hatte das Frankfurter Börsenbarometer noch nahezu unverändert bei 13.917 Punkten geschlossen.

Zu den größten Gewinnern gehörten der Onlinehändler Zalando, die Essenslieferdienste Delivery Hero und Hellofresh. Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect vermutete Schnäppchenjäger dahinter. Auch Autowerte wie Continental, Mercedes und Porsche legten zu.

Erneut waren es Nachrichten über Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, die die Kurse am breiten Markt deutlich steigen ließen. So berichtete die Zeitung „FT“, dass beide Seiten „signifikante Fortschritte“ erzielt hätten. Demnach sähe ein 15-Punkte-Entwurf vor, dass die Ukraine im Gegenzug für Sicherheitsgarantien auf Nato-Beitrittsambitionen verzichte.

Schon in der Vergangenheit hatte der deutsche Aktienmarkt mit deutlichen Gewinnen auf solche Äußerungen reagiert: Seit dem Dienstag der vergangenen Woche hat der Dax in der Spitze mehr als 1600 Punkte oder zwölf Prozent zugelegt.

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    Unterstützend wirkte am Mittwoch zudem der wieder tiefere Ölpreis. Rückenwind kam auch aus China: Dort stiegen die Kurse deutlich, nachdem die Regierung in Peking weitere wirtschaftliche Anreize angekündigt hatte.

    Neben der Entwicklung im Ukrainekrieg werden Anlegerinnen und Anleger nach Börsenschluss in die USA schauen, wo die US-Notenbank um 19 Uhr deutscher Zeit ihren Zinsentscheid verkündet. Als ausgemacht gilt eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte (25 Basispunkte). Dabei wird es wohl bleiben. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 50 Basispunkte veranschlagt der Markt mit gerade einmal 3,7 Prozent“, sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Broker CMC Markets.

    Wichtig ist zudem der neue Dot Plot. Dieser zeigt, mit wie vielen Zinserhöhungen die Notenbanker in diesem Jahr und auch in den kommenden Jahren rechnen. „Aktuell liegt die Konsenserwartung für dieses Jahr bei sieben Zinsschritten und damit bei einer Zinserhöhung auf jeder Zinssitzung“, sagte Thomas Altmann, Portfolio-Manager vom Vermögensverwalter QC Partners. Von daher könnten die Notenbanker fast nur positiv überraschen.

    Warum die Marke von 14.000 Punkte wichtig ist

    An der Marke von 14.000 Punkten arbeitet sich der Dax seit einer Woche ab. Stets setzten rund um dieses Niveau Gewinnmitnahmen ein, sodass es dem Frankfurter Börsenbarometer nie gelang, die 14.000 Punkte nachhaltig zu knacken. Nachhaltig bedeutet zum Tagesschluss und am darauffolgenden Handelstag.

    Die 14.000er-Marke ist dadurch zu einem Widerstand geworden. Dass solche Widerstände erst nach mehreren Anläufen überwunden werden, ist nicht ungewöhnlich. Gelingt dies, gilt es aber als positives Signal und wirkt trendbestätigend.

    Allerdings warten auf den Dax noch weitere Hürden, bevor er seinen langfristigen Abwärtstrend beendet hätte. Nächster Anlaufpunkt ist die noch offene Abwärtslücke aus dem Februar zwischen 14.568 und 14.586 Punkten. Abwärtslücken entstehen, wenn der höchste Kurs des Handelstags unter dem niedrigsten des Vortags liegt. Werden diese Lücken nicht geschlossen, gilt das als Zeichen von Schwäche und für weiter fallende Kurse.

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    Offene Lücken entwickeln sich aus charttechnischer Sicht zu einem Widerstand. Im konkreten Fall müsste der Dax also bis auf 14.586 Punkte steigen, um diesen Widerstand zu durchbrechen. Das wäre ein weiteres Signal für eine Stabilisierung. „Für eine spürbare Entlastung müssten es aber die 14.980 Punkte sein“, erklärt Martin Utschneider, Leiter Technische Analyse bei Donner & Reuschel.

    Ölpreis stabilisiert sich

    Die Ölpreise steigen am Mittwoch wieder etwas, nachdem sie an den Tagen zuvor deutlich gefallen waren. Der Preis für US-Öl WTI stieg am Abend um 0,3 Prozent auf 96,77 Dollar pro Barrel. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee gab seine Gewinne dagegen ab und verlor 0,5 Prozent auf 99,42 Dollar pro Barrel.

    Damit notieren die Ölpreise nur wenig höher als vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Nach der Invasion waren sie stark gestiegen und hatten den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 erreicht. Ein Fass Brent hatte in der Spitze fast 139 Dollar gekostet, ein Fass WTI wurde mit mehr als 130 Dollar gehandelt. Russland ist eines der größten Förderländer der Welt.

    „Nach dem zweitägigen Ausverkauf an den Ölmärkten warten die Händler auf weitere Hinweise aus den Waffenstillstandsgesprächen“, sagte Tina Teng, Analystin beim Onlinebroker CMC Markets mit Blick auf die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Da sich die hohe Inflation letztlich auf das Wirtschaftswachstum auswirken und die Nachfrage schwächen werde, könnten die Rohölpreise aber erneut unter Druck geraten.

    Erleichterungsrally bei China-Aktien

    Nach drei Handelstagen mit deutlichen Verlusten ging es für China-Aktien am Mittwoch wieder aufwärts. Der Index „Hang Seng Enterprises“, der die wichtigsten in Hongkong gelisteten chinesischen Werte abbildet, stieg um bis zu 13 Prozent. Das ist der größte Intraday-Gewinn seit der Finanzkrise 2008. Für Tech-Aktien wie Alibaba und Tencent ging es zum Teil sogar um mehr als 20 Prozent aufwärts.

    Ausgelöst wurde die Rally durch einen Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, die sich auf eine Sitzung mit Vizepremier Liu He beruft. Demnach will China den Aktienmarkt stabil halten, die Pleite von Unternehmen aus dem Hypothekensektor verhindern und heimischen Technologieunternehmen mit einem Listing in Übersee helfen. Damit wurden etliche der jüngsten Belastungsfaktoren adressiert.

    Russland droht die Staatspleite

    In Kürze könnte ein Zahlungsausfall Russlands drohen. Am Mittwoch sind Zinsen auf zwei russische Dollar-Staatsanleihen mit einem Volumen von insgesamt 117 Millionen Dollar fällig. Wegen der westlichen Sanktionen als Reaktion auf den Einmarsch in die Ukraine ist weiterhin unklar, ob Russland die Zahlungen leistet und ob dies in Dollar oder Rubel geschieht.

    „Die Fähigkeit oder Unfähigkeit, unsere Verpflichtungen in Fremdwährungsäquivalent zu erfüllen, hängt nicht von uns ab“, sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow am Mittwoch in einem Interview mit RT Arabic. Die internationalen Bargeldreserven von Russland in Fremdwährungen sind im Zuge westlicher Sanktionen eingefroren worden.

    Sollte Russland die zwei Dollar-Anleihen in der stark abgewerteten heimischen Währung Rubel bedienen, würde das die Ratingagentur Fitch nach eigenen Angaben nach dem Ablauf einer 30-tägigen Gnadenfrist als Staatspleite werten.

    Mehrere Ratingagenturen hatten ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit Russlands zuletzt tief in den Ramschbereich gedrückt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält gravierende Folgen für das weltweite Finanzsystem im Fall einer Staatspleite Russlands jedoch für wenig wahrscheinlich.

    Blick auf die Einzelwerte

    Im MDax profitierten die Aktien des Medizintechnikkonzerns Carl Zeiss Meditec-von einer Kaufempfehlung der Schweizer UBS mit über neun Prozent Aufschlag. Im SDax bescherten überraschend starke Jahreszahlen dem IT-Dienstleister Nagarro ein Kursplus von acht Prozent.

    BWM: Der Autobauer rechnet mit deutlichen Belastungen durch den Ukrainekrieg. In diesem Jahr geht der Konzern wegen der Auswirkungen auf die eigene Produktion bei der Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern im Autogeschäft von sieben bis neun Prozent aus, wie die Münchener am Mittwoch mitteilten. Zuvor waren es acht bis zehn Prozent gewesen. Die Aktie stieg um gut vier Prozent.

    Eon: Die Aktie des Energiekonzerns profitierte als einer der wenigen Titel nicht von der guten Stimmung und gab leicht nach. Eon hat im Geschäftsjahr 2021 seinen Gewinn gesteigert. Das bereinigte Ebitda sei um eine Milliarde Euro auf 7,9 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Dividende steigt von 47 auf 49 Cent je Aktie. Zu den Risiken zählt Eon seine Beteiligung an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1.

    Grafik

    Morphosys: Positive Nachrichten aus den USA haben die Titel der Biotechfirma angetrieben. Die Aktien stiegen um etwa drei Prozent, nachdem der Verband der US-Krebszentren NCCN das Krebsmittel Monjuvi unter bestimmten Voraussetzungen bei B-Zell-Lymphomen als bevorzugte Therapie eingestuft hat. Am Mittwochabend legt Morphosys seine Jahreszahlen vor.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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