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18.01.2022

17:50

Dax aktuell

Dax schließt ein Prozent im Minus – Anleihemarkt steht vor der Zinswende

Von: Jürgen Röder

PremiumDer Leitindex beendet seine Seitwärtsphase und fällt auf den tiefsten Stand des neuen Börsenjahres. Die Risiken weiterer Kursverluste sind groß.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Der Dax ist am Dienstag auf den tiefsten Stand des Jahres gefallen. Zwischenzeitlich notierte der deutsche Leitindex 1,7 Prozent im Minus bei 15.669 Punkten, ehe er seine Verluste eingrenzte. Letztendlich ging das Frankfurter Börsenbarometer ein Prozent leichter bei 15.773 Stellen aus dem Handel.

Damit bahnt sich am deutschen Aktienmarkt eine Richtungsentscheidung an. In den kommenden Handelstagen könnte der Dax weiter nach unten abrutschen.

Laut der Umfrage der Börse Frankfurt zeigen auf der Unterseite die heimischen Profis erst im Bereich von 15.600/15.650 Stellen wieder geringes Kaufinteresse. In dem Bereich liegt aktuell auch die von langfristigen Investoren viel beachtete 200-Tage-Linie mit 15.599 Stellen.

Die aktuelle Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment signalisiert sogar, dass nur ein panikartiger Ausverkauf den holprigen Jahresauftakt beenden dürfte. Holprig deswegen, weil der Leitindex erstaunlicherweise derzeit unter dem Niveau des Schlussstands des Jahres 2021 liegt. Die Frankfurter Benchmark beendete das vergangene Börsenjahr bei 15.885 Punkten. Üblicherweise steigen anschließend die Notierungen in den ersten Januar-Wochen, weil frische Investorengelder die Kurse beflügeln.

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    Nach Meinung des Sentimentexperten Stephan Heibel steht fest: „Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann wir mal wieder einen Ausverkauf erleben, der in Panik mündet.“ Er hatte bereits in seinem Ausblick für das Börsenjahr 2022 aufgrund einer Leserumfrage ein eher schwaches Halbjahr prognostiziert. Aus technischer Sicht würde der Dax eine große Abwärtswende vollziehen, wenn er auf Tagesschlusskursbasis deutlich unter 15.000 Stellen sinkt.

    Nach dem Kursrutsch zum Auftakt stabilisierten am Dienstag die erfreulichen Daten beim ZEW-Index die Kurse. Trotz der Omikron-Welle blicken Börsenprofis wieder überraschend optimistisch auf die Konjunktur in Deutschland. Das Barometer für die Einschätzung des Wirtschaftswachstums im kommenden halben Jahr stieg im Januar unerwartet deutlich um 21,8 auf 51,7 Punkte.

    Den Verlusten vom Dienstag ist eine Seitwärtsspanne in den vergangenen sieben Handelstagen vorausgegangen. In diesem Zeitraum schwankte der Dax zwischen 16.000 Stellen auf der Ober- und 15.800 Punkten auf der Unterseite. Die beiden „Ausbrüche“ nach oben in dieser Zeit bis auf 16.090 Stellen waren schnell beendet, ebenso der Rutsch am Montag vergangener Woche auf 15.724 Zähler.

    Diese geringe Spanne zeigte eine spürbare Unentschlossenheit unter den Anlegern. Kaum einer wollte eine noch mögliche Fortsetzung der Rally verpassen, doch dafür standen zu wenige auf der Käuferseite. Doch nun gilt die Börsenregel: Je länger eine solche Seitwärtsphase anhält, desto dynamischer erfolgt der Ausbruch. Weil nun die Anleger entschlossen handeln.

    Zinswende am Anleihemarkt steht bevor

    Am Anleihemarkt zeichnet sich eine historische Wende ab: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe könnte erstmals seit Mai 2019 wieder in den positiven Bereich steigen. Das Tageshoch vom Dienstag lag laut dem Finanzdatenanbieter Refinitiv bei minus 0,003 Prozent. Anfang Dezember lag dieser Wert noch bei bei knapp minus 0,4 Prozent.

    Nach Meinung von Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners hat sich die Zinserwartung deutlich verschärft. Für die Europäische Zentralbank liegt die neue Erwartung bei zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,1 Prozent in diesem Jahr. Für die US-Notenbank liegt die Konsensschätzung jetzt bei mindestens vier Zinsschritten von jeweils 0,25 Prozent. Das belasten Aktien- und Anleihekurse und lässt die Anleiherenditen steigen.

    Auch in den USA treiben Spekulationen auf eine mögliche geldpolitische Überraschung der US-Notenbank die Renditen von US-Staatsanleihen weiter an. Die richtungweisenden zehnjährigen US-Treasuries rentieren mit plus 1,855 Prozent. Die Fed tritt nächste Woche zusammen, nachdem sie zuvor in recht aggressiven Äußerungen die Bereitschaft der Zentralbank unterstrichen hat, angesichts der hartnäckig hohen Inflation zu handeln.

    Für den Chefanlagestrategen für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Osteuropa von Blackrock, Martin Lück, „gibt es keine echte Entkopplung beider Märkte“. Der Erfahrung nach weite sich der Transatlantikspread – also die Renditedifferenz zwischen Staatsanleihen der USA und Deutschlands – nicht weiter aus als auf zwei Prozentpunkte.

    Dass der deutsche Leitindex einen weiteren Zinsanstieg in diesem Tempo ohne größere Schwankungen verkraftet, ist wenig wahrscheinlich. Denn mit den steigenden Zinsen steigen auch die Kapitalkosten, gleichzeitig sinken Margen und Gewinne für viele Unternehmen. „Deshalb sind die teuren Aktienbewertungen im Umfeld steigender Zinsen immer schwerer zu rechtfertigen“, meint Altmann.

    Bislang hat der Dax den Zinsanstieg erstaunlich gut weggesteckt, weil er von Value-Werten dominiert wird – im Gegensatz zu den US-Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 mit ihren vielen Technologiewerten. Diese Wachstumswerte sind oft höher verschuldet und sind dadurch von den steigenden Zinsen stärker betroffen.

    Der Zinsanstieg am Dienstag führte zu den üblichen Reaktionen am deutschen Aktienmarkt. Viele Technologiewerte lagen mehr als zwei Prozent im Minus. Im Dax rutschten Infineon um zwei Prozent ab. Im MDax waren Bechtle einem Abschlag von 3,9 Prozent besonders schwach. Die Titel der Compugroup verloren nach einem Ausblick auf 2022 3,5 Prozent.

    Blick auf die Einzelwerte

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Siemens: Die Aktien konnten die anfänglichen Gewinne nach dem Verkauf der Straßenverkehrstechnik-Tochter nicht halten und gaben 2,3 Prozent nach. Der italienische Infrastrukturkonzern Atlantia, der von der Milliardärsfamilie Benetton beherrscht wird, übernimmt Yunex Traffic für 950 Millionen Euro.

    Auto1: Der Online-Autohändler hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Fahrzeugen zu einem neuen Besitzer verholfen. Insgesamt seien 617.235 Autos verkauft worden und damit 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktie kletterte anfangs um 5,2 Prozent nach oben, schlossen aber 3,9 Prozent im Minus.

    Hugo Boss: Der Modekonzern hat im Weihnachtsquartal weiter aufgeholt und so seine bereits angehobenen Jahresziele übertroffen. Die Aktie legte nach einem wechselhaften Handel 1,1 Prozent zu.

    Delivery Hero: Europaweit gerieten angesichts der erwarteten Zinserhöhungen die Aktien der auf Wachstum getrimmten Technologiekonzerne abermals stark unter Druck. Delivery Hero sackte trotz eines optimistischen Analystenkommentars um 1,4 Prozent ab.

    Valneva: Schwindende Hoffnung auf eine baldige Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs schickt die Aktien der Pharmafirma auf Talfahrt. Sie rutschen in Paris um sieben Prozent ab. Die Gesundheitsbehörde EMA wartet nach eigenen Angaben auf zusätzliche Daten, um über eine Zulassung des Vakzins entscheiden zu könne

    Ölpreis steigt auf ein Mehrjahreshoch

    Der Ölpreis ist am Dienstag in Fernost auf den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren geklettert. Futures der Nordsee-Sorte Brent legten zunächst auf 87,55 Dollar je Barrel (159 Liter) zu, so teuer wie zuletzt Ende Oktober 2014. Im weiteren Verlauf lag der Preis dann bei 86,85 Dollar, ein Plus von 0,4 Prozent. Laut Sentimentanalyse dürfte allerdings der Anstieg bald enden, weil die Anleger keine weiteren Kursgewinne für Öl mehr erwarten.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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