Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2022

17:51

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Dax aktuell

Dax schließt erneut im Minus – Die Sommer-Rally ist beendet

Von: Jürgen Röder

Die gute Stimmung zum Monatsanfang ist verflogen. Nun sollten Anlegerinnen und Anleger ihren Blick wieder nach unten richten. Welche Marken dabei wichtig sind.

Düsseldorf Die Situation am deutschen Aktienmarkt hat sich verschlechtert. Der Dax schließt am Dienstag mit 0,27 Prozent tiefer bei 13.194 Punkten, obwohl eine Stunde vor Handelsschluss noch ein Plus von 0,2 Prozent zu Buche stand. Das Tagestief liegt bei 13.156 Punkten.

Bereits am Montag hatte das Börsenbarometer 2,3 Prozent im Minus bei 13.230 Zählern geschlossen, ein Verlust von rund 314 Punkten. Damit ist die Sommer-Rally, die den Dax von 12.390 auf 13.947 Punkte hievte, jäh beendet. Der deutsche Leitindex notierte mit dem Tagestief bereits fast 800 Punkte unter dem Hoch vom vergangenen Dienstag.

Für den technischen Analysten Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel „müssen sich die Anleger nach einer anfänglichen August-Euphorie nun wieder neutral bis abwärts ausrichten“. Seiner Ansicht nach liegt der Fokus nun auf dem Unterstützungsbereich von 13.113 bis 13.008 Zählern. Dort dürfte sich auch die weitere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt entscheiden.

Um die Bedeutung der Marke von 13.000 Punkten zu erkennen, reicht auch ein Blick auf den mehrmonatigen Chart: An dieser runden Marke prallte der deutsche Leitindex in den Monaten Juni und Juli mehrmals ab. In diesem Zeitraum war die 13.000er-Marke sowohl eine längere Unterstützung als auch anschließend ein wichtiger Widerstand.

Bei einem Ausbruch nach unten ergibt sich nach Meinung von Utschneider ein kurzfristiges Kursziel bei 12.655 Punkten. Knapp darunter liegen wohl die letzten Marken, die aus charttechnischer Sicht einen Absturz verhindern können. Zum einen das Mehr-Monat-Tief von April mit 12.438 Zählern und zum anderen das Jahrestief mit 12.390 Punkten.

Einkaufsmanagerindizes stabilisieren den Markt

Die Einkaufmanagerindizes hatten trotz schwacher Daten einen positiven Einfluss. Denn zum einen haben Analysten noch einen stärkeren Rückgang erwartet, und zum anderen haben Lieferengpässe und Kostendruck nachgelassen.

Allerdings ist die deutsche Wirtschaft im August wegen der hohen Inflation und steigender Zinsen so stark geschrumpft wie seit den Anfängen der Coronapandemie vor über zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Service-Sektor zusammen – sank um 0,5 auf 47,6 Punkte. Das ist niedrigste Stand seit Juni 2020.

Damit liegt das an den Finanzmärkten viel beachtete Barometer merklich unter der Marke von 50, ab der es ein Wachstum signalisiert. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten sogar mit einem etwas stärkeren Rückgang auf 47,4 Stellen gerechnet.

S&P-Ökonom Phil Smith zufolge zeichnen die Daten „ein düsteres Bild von der deutschen Wirtschaft. So wurde die anhaltende Schwäche der Industrie durch die Abkühlung im Servicesektor verstärkt“, sagte der Experte. „Da die Gefahr einer Energiekrise jedoch nach wie vor groß ist, bleiben die Aussichten von Unsicherheit geprägt“, warnte der Ökonom vor zu großem Optimismus.

Der Euro ist seit Montag gegenüber dem Dollar um 1,3 Prozent gefallen und notiert aktuell bei 0,9909 Dollar und damit auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Offenbar richtet sich die europäische Gemeinschaftswährung unter der Parität zum Dollar ein.

Dieser Kapitalabfluss lässt vermuten, dass vor allem ausländische Anleger europäische Aktien verkauft haben. Zumal die beiden heimischen Sentimentanalysen der Börse Frankfurt und der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment keine hohe Verkaufsbereitschaft erkennen ließen.

Erneut war ein Verfallstag wie am vergangenen Freitag Ausgangspunkt von größeren Kursbewegungen. An solchen Tagen laufen zur Mittagszeit Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus, sie werden dann abgerechnet. Seit dem Freitagmittag hat der deutsche Leitindex bereits knapp 500 Punkte nachgegeben.

Gaspreis bleibt auf hohem Niveau

Der Gaspreis in Europa bleibt derweil auf einem hohen Niveau. Bereits am Montag schoss er in der Spitze um 18 Prozent bis auf 292,50 Euro pro Megawattstunde nach oben. Derzeit liegt der Preis für den September-Kontrakt bei 268 Euro und drei Prozent tiefer gegenüber dem gestrigen Schlusskurs.

Es handelt sich dabei um den Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas, der als richtungweisend für den europäischen Erdgasmarkt gilt. Die Bundesbank hält es wegen der ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt für wahrscheinlich, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Winterhalbjahr sinkt.

Deutlich verändert haben sich mittlerweile die Erwartungen an die künftigen Zinserhöhungen der US-Notenbank bei der kommenden Sitzung am 21. September. Mittlerweile rechnen 56 Prozent der Anlageprofis laut dem Fed-Watch-Tool der Chicagoer Terminbörse mit einer Erhöhung um 75 Basispunkte. Vor einer Woche waren es noch 41 Prozent. Entsprechend ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe zwischenzeitlich wieder über die Marke von drei Prozent geklettert und liegt derzeit bei 2,98 Prozent.

Blick auf Einzelwerte

Im Dax erholten sich vor allem die Aktien jener konjunktursensibler Branchen, die am Vortag stark unter Druck geraten waren. So gewannen mit Covestro und BASF zwei Unternehmen aus dem Chemiesektor 2,3 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent. Zudem griffen die Anleger wieder bei Automobilwerten zu. Die Papier von BMW, Porsche und VW liegen zwischen 1,8 und 2,8 Prozent im Plus.

Lufthansa: Aussagen des größten Aktionärs Klaus-Michael Kühne haben nur geringen Einfluss auf die Aktien der Fluggesellschaft. Kühne hatte eine Aufstockung seiner Beteiligung ausgeschlossen. Die Anteilsscheine der Lufthansa notieren etwa ein Prozent tiefer.

TAG Immobilien: Höhere Mieten und sinkende Leerstände füllen dem Konzern die Kassen und erfreuen Anleger. Nach Bekanntgabe eines gestiegenen operativen Ergebnisses aus dem Vermietungsgeschäft (FFO 1) ziehen die Aktien der Immobilienfirma 2,5 Prozent an.

Dermapharm: Der bayerische Arzneimittelhersteller hat steigenden Energie- und Rohstoffkosten getrotzt und im ersten Halbjahr zugelegt. Der Vorstand rechnet mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung und bekräftigte daher seine Jahresziele. Die Aktie gibt aber 4,8 Prozent nach.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×