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05.12.2022

17:55

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Dax aktuell

Dax schließt im Minus – Bafin-Sonderprüfung lässt eine SDax-Aktie um rund 37 Prozent abstürzen

Von: Jürgen Röder

Die 2700-Punkte-Rally neigt sich ihrem Ende entgegen. Das unterschiedliche Verhalten von Profis und Privatanlegern dürfte aber deutliche Kursverluste verhindern.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt geht die Konsolidierung weiter. Der Dax schließt am Montag 0,6 Prozent niedriger bei 14.447 Zählern. 19 Handelstage sind es noch bis zum Jahresende. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Dax in den kommenden Tagen seitwärts tendieren wird. Es bedarf schon einer extrem positiven oder negativen Nachricht, um den Leitindex wieder in die eine oder andere Richtung zu schicken.

Die US-Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag waren vermutlich die fundamentale Nachricht für ein Ende der 2700-Punkte-Rally seit Ende September. Als Folge des starken Stellenzuwachses und auf die Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell am Mittwochabend dürfte es nun nur kleinere Zinsschritte in den USA geben, die aber für einen längeren Zeitraum.

Zieht man charttechnische Marken hinzu, hat der Dax im positiven Fall ein Potenzial bis 15.709 Zähler, dem Börsenhoch des Monats Juni. Jedoch sind Kurse oberhalb von 15.000 Zählern ohne Nachrichten wie ein Kriegsende in der Ukraine oder konkrete Hinweise auf eine Pause bei Zinserhöhungen unrealistisch.

Anleger sollten eher einen erneuten Test der Marke von 14.150 Punkten einplanen, was immer noch eine Mini-Konsolidierung von gut 400 Zählern wäre. Erst bei Kursen unterhalb von 14.000 Punkten würde sich die charttechnische Lage eintrüben. Für eine Seitwärtstendenz in den kommenden Handelstagen spricht vor allem das unterschiedliche Verhalten der institutionellen Investoren und der Privatanleger sowie der Rallyverlauf in den vergangenen Wochen.

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    Für die heimischen Anlageprofis ist vor allem die Zahl von 15.884 Punkten wichtig, der Dax-Schlussstand des vergangenen Börsenjahres. Seitdem ist der Dax um rund neun Prozent gefallen – entsprechend sind höhere Verluste als diese neun Prozent bei einem Aktienfonds keine gute Visitenkarte für dessen Fondsmanager. Zumal in negativen Börsenjahren die Fondsmanager über eine höhere Cashquote die Kursverluste anders als ein börsengehandelter Indexfonds verringern könnten.

    Erschwerend kommt das nahende Jahresende hinzu. Denn bei der Auswahl des Fonds zum Jahresanfang 2023 spielt die Perfomance 2022 schon eine erhebliche Rolle.

    Profis wollen Rally-Fortsetzung nicht verpassen

    Das Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex und die Sentimentumfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden Profis zeigt eine interessante Entwicklung: Ein Teil der institutionellen Investoren hat seine Short-Positionen verkauft, insgesamt setzen sie auf steigende Kurse. Das ist eine Belastung für die weitere Kursentwicklung, weil viele Akteure bereits Aktien gekauft haben.

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    Dass die Profis nach einer 2700-Punkte-Rally weiter auf steigende Kurse setzen, ist eine durchaus ungewöhnliche Situation. Erklären lässt es sich nur mit dem Verhalten während der Rally: Während des Anstiegs um 22 Prozent innerhalb von acht Wochen gab es eine breite Mehrheit an Pessimisten unter den Profianlegern, die nicht an eine Fortsetzung des Aufwärtstrends glaubten und auf fallende Kurse setzten.

    Das jedoch war nicht förderlich für die Rendite ihres Anlagevehikels. Und angesichts des nahen Jahresendes gehen die Profis nun lieber „long“, um im Falle einer Rallyfortsetzung nicht erneut falsch positioniert zu sein.

    Nach Einschätzung des Verhaltensökonomen Joachim Goldberg, der die Sentimentumfrage der Börse Frankfurt auswertet, haben die teils deutlich positiver gestimmten Privatanleger insgesamt mehr von der Dax-Rally im November profitiert als ihre zeitgleich mehrheitlich negativ gestimmten institutionellen Pendants. Das liegt auch daran, dass die Privatanleger nicht denselben Renditedruck haben wie die Profis.

    Sie wiederum haben nun jedoch Sorge, dass sie ihre Gewinne wieder abgeben müssen. Anlass dafür ist der turbulente Börsenmonat September, während dem der Dax auf sein Jahrestief von 11.862 Punkten fiel. Entsprechend haben viele Privatanleger Put-Produkte in ihren Depots liegen, um ihre Gewinne abzusichern.

    Deutliche Kursgewinne in China

    Dieses Verhalten ist eine Stütze für den Dax. Denn wenn die Privatanleger die Put-Produkte verkaufen, wird der Dax-Index wieder gekauft. Das funktioniert wie ein Leerverkauf.

    Beim Leerverkauf leihen sich Shortseller zunächst Aktien und verkaufen diese sofort in der Hoffnung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufspreis ist der Gewinn.

    Im vergangenen Börsenmonat November gab es keinen nennenswerten Rücksetzer, nur Mini-Konsolidierungen von maximal 400 Punkten. Damit bot sich keine günstige Einstiegschance für diejenigen, die den Trend bislang verpasst hatten. Auch der Kursrutsch um 200 Zähler nach den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag hatte sich 30 Minuten später bereits halbiert. Also viel zu schnell für kaufwillige Anleger, um einzusteigen.

    Freundliche Stimmung herrscht hingegen an den Börsen in Shanghai, Shenzhen und Hongkong, die Gewinne von bis zu 4,3 Prozent erzielten. Damit hat sich der Hang Seng China Enterprise Index an der Hongkonger Börse von seinem Verlaufstief am 31. Oktober bereits um 35 Prozent erholt.

    Die weiteren Covidlockerungen überstrahlen heute auch den enttäuschend schwachen Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Es überwiegt die Hoffnung, dass sich der für die chinesische Wirtschaft immer wichtiger werdende Dienstleistungssektor mir der Lockerung der Covid-Schutzmaßnahmen erholen wird.

    Geringe Reaktion auf den Ölpreisdeckel

    Die Bewegungen am Ölmarkt sind überschaubar. Die Preise für das Nordsee-Öl Brent und die US-Sorte WTI legen bis zum Abend jeweils um knapp ein Prozent zu auf knapp 85 beziehungsweise rund 79 Dollar pro Barrel (159 Liter).

    Zum Wochenstart trat ein weitgehendes Embargo der Europäischen Union auf russisches Erdöl in Kraft. Zudem will die EU mit anderen großen Ländern eine Preisobergrenze für russisches Erdöl bei 60 Dollar durchsetzen. Beides soll Russland finanziell treffen und ist eine Reaktion auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Russland hat angekündigt, den Preisdeckel nicht zu akzeptieren und an kein Land zu liefern, das sich an die Obergrenze hält.

    Unterdessen hat am Wochenende der von Saudi-Arabien und Russland angeführte Ölverbund Opec plus beschlossen, seine Förderung zunächst unverändert zu belassen. Seit Anfang November fördern die rund 20 Staaten deutlich weniger Erdöl, daran soll festgehalten werden. Die Entscheidung war am Markt erwartet worden.

    Blick auf die Einzelwerte

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    Flatexdegiro: Vier Wochen vor Jahresende senkt der Onlinebroker Flatexdegiro erneut seine Umsatz- und Ergebnisziele für 2022. Das SDax-Unternehmen gab am Wochenende außerdem einen Umbau von Vorstand und Risikomanagement bekannt, weil die Finanzaufsicht Bafin bei einer Sonderprüfung Mängel in Geschäftspraktiken und Unternehmensführung festgestellt habe.

    Finanzvorstand Muhamad Chahrour gibt seinen Posten an den Konzernmanager Benon Janos ab und wird zum Stellvertreter von Vorstandschef Frank Niehage befördert. Aufgrund neuer Kapitalanforderungen werde Flatexdegiro den Jahresüberschuss einbehalten. Die Gewinnwarnung lässt die Aktie bis zum Handelsschluss um 36,7 Prozent abstürzen. Das Papier hatte sich bereits vor dieser Entwicklung seit Jahresanfang mehr als halbiert.

    Vitesco: Die Titel des Antriebstechnikherstellers legen nach einer Kaufempfehlung der Bank JP Morgan um 5,2 Prozent zu.

    Bayer: Die Bank of America hat ihre Kaufempfehlung zum Pharmakonzern zurückgenommen. Die Bayer-Aktie fällt am Montag bis zum Handelsschluss um 3,2 Prozent und ist damit größter Tagesverlierer im Dax.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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