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27.01.2023

17:41

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

„Böse Erinnerungen an Finanzkrise.“

Dax aktuell

Dax schließt kaum verändert – Gezerre in der EZB bewegt den Euro-Kurs

Von: Leonidas Exuzidis

In der kommenden Woche stehen wichtige geldpolitische Entscheidungen an. Das verspricht neue Spannung für den Aktien- und den Devisenmarkt.

Düsseldorf Eine extrem impulsarme Woche am deutschen Aktienmarkt neigt sich dem Ende zu. Der Leitindex Dax knüpft am Freitag an seinen Seitwärtstrend an und liegt zum Handelsschluss nur 0,1 Prozent höher bei 15.150 Zählern.

In der nun endenden Handelswoche ist der Dax auf bis zu 15.186 Punkte gestiegen und bis auf 14.970 Zähler gefallen. Eine solch geringe Handelsspanne von knapp über 200 Zählern ist auf Wochensicht sehr ungewöhnlich. Das zeigt: Anlegerinnen und Anleger halten sich zurück und suchen nach neuer Orientierung.

Diese dürfte die Geldpolitik geben. Am Mittwoch steht der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed an, am nächsten Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über das Zinsniveau im Euro-Raum. Es gilt als ausgemacht, dass die Euro-Währungshüter die Zinsen um weitere 50 Basispunkte anheben werden.

Seit dem vergangenen Sommer hat die EZB vier Mal die Zinsen angehoben. Aktuell liegt der Leitzins im Euro-Raum bei 2,5 Prozent, der Zins, den Banken für überschüssiges Kapital erhalten, das sie bei der Notenbank parken, bei zwei Prozent.

Der Entscheid an sich dürfte die Kurse an den Kapitalmärkten kaum bewegen – zu deutlich waren die Äußerungen im Vorfeld der Sitzung. Der Blick geht vielmehr auf die Signale, die die EZB für die folgenden Zinsentscheide liefert.

Notenbankchefin Christine Lagarde betont bislang unbeeindruckt von allen Spekulationen ihre Worte aus dem Dezember: Die Zinsen müssten stetig und signifikant steigen, um die anhaltend hohe Inflation zu bekämpfen. „Wir erwarten falkenhafte Aussagen von Lagarde“, erklären die Analysten der Großbank ING. Als Falken werden Anhänger einer straffen Geldpolitik bezeichnet.

Einer Bloomberg-Umfrage zufolge erwarten Ökonomen nach dem 50er-Schritt im Februar eine erneute Erhöhung in diesem Umfang im März sowie eine Anhebung um 25 Basispunkte im Mai. Dann, so ihre Prognose, bleibt das Zinsniveau für etwa ein Jahr auf diesem Niveau.

An den Märkten hingegen finden gegenwärtig die Worte der Tauben besonderes Gehör, also die der Befürworter einer weicheren Strategie. Diese Aussagen aber stehen den Äußerungen der Währungshüter gänzlich entgegen – was wiederum ein schlechtes Zeichen ist für die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. Die Diskrepanz bezüglich der Erwartungen könnte in der neuen Börsenwoche für deutliche Bewegungen an den Märkten sorgen.

Geldpolitik richtungsweisend für den Euro-Kurs

Die Spekulationen über das Tempo im Zinserhöhungszyklus sind besonders relevant für den Euro-Kurs. Die Gemeinschaftswährung erreichte am Donnerstag mit zeitweise 1,0929 Dollar pro Euro das höchste Niveau seit neun Monaten. Am Freitagnachmittag liegt der Kurs bei 1,0844 Dollar. Dass Lagarde und ein Teil ihrer Kolleginnen und Kollegen den Tauben so vehement entgegentreten, hat den Wert der Gemeinschaftswährung zuletzt gestützt.

Der Euro profitiert parallel dazu von Spekulationen um ein gedrosseltes Tempo in den USA. Dort begann der Zinserhöhungsprozess bereits im Mai, dann folgten fünf weitere Schritte auf eine Spanne von zuletzt 4,25 bis 4,5 Prozent. Inzwischen wird an den Märkten bereits über den Zeitpunkt erster Zinssenkungen der Fed spekuliert.

Zwar ist der konkrete Vergleich der Zinsniveaus nur bedingt sinnvoll – die US-Volkswirtschaft hat eine ganz andere Struktur, und die Zinsen lagen vor der Nullzinsphase dort wesentlich höher als im Euro-Raum. Der Schritt hätte aber einen bedeutenden symbolischen Effekt.

Hinzu kommt die gesunkene Rezessionsangst in Europa. Anders gesagt: Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass die Rezession vielleicht sogar ganz ausbleibt. Konjunkturindikatoren wie der zuletzt veröffentlichte Einkaufsmanagerindex oder der jüngste Ifo-Index lassen darauf zumindest hoffen.

Das hätte wiederum höhere Inflationsrisiken zur Folge, urteilen die Experten der Commerzbank. Im Umkehrschluss könnte es dazu führen, dass die EZB ihren Zinserhöhungsprozess länger fortführen muss als derzeit signalisiert und vom Markt erwartet. „Entsprechend wäre dies ein positiver Faktor für den Euro“, so die Analysten.

Die genannten Faktoren beeinflussen den Devisenmarkt über eine längere Phase. Insofern dürfte ein Großteil der Entwicklung bereits im aktuellen Kursniveau eingepreist sein. Mit Blick auf die anstehenden Notenbankentscheide sehen die Commerzbank-Experten dennoch die Chance, dass der Euro noch weiter zulegt.

Was die Charttechnik sagt

Aus charttechnischer Sicht bleiben die Vorzeichen unverändert: Der Aufwärtstrend ist intakt, außerdem hat der Dax diverse Haltepunkte um den Bereich von 15.000 Punkten und knapp darunter.

Auch liegt der Leitindex deutlich über allen relevanten Durchschnittslinien. Die 38-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend ist mit 14.480 Punkten ebenso noch weit entfernt. Sollte der Leitindex über das Verlaufshoch seit Anfang Januar steigen, also über 15.270 Punkte, sind die Voraussetzungen gut, dass weitere Schritte nach oben folgen.

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Blick auf Einzelwerte

Adidas: Die Titel von Adidas verteuerten sich um 2,1 Prozent, nachdem das Analysehaus Warburg Research sie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft hatte.

Airbus: Die Anteilsscheine gehörten mit einem Kursverlust von 3,5 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Das Analysehaus Jefferies stufte die Papiere von „Buy“ auf „Hold“ ab.

Sartorius: Nach dem Kursplus am Vortag nehmen Anleger Gewinne mit. Die Titel des Laborausrüsters fallen um mehr als drei Prozent auf 419 Euro. Am Donnerstag waren Sartorius-Aktien bis auf 441,50 Euro geklettert.

Schaeffler: Die Analysten der Deutschen Bank haben ihr Coverage des Zulieferers wieder aufgenommen. Sie empfehlen die Aktie zum Kauf und setzen das Kursziel bei acht Euro fest. Die Schaeffler-Titel steigen am Freitag um 2,3 Prozent auf 6,60 Euro.

Heidelberger Druckmaschinen: Die Papiere stehen mit einem Plus von bis zu 13,4 Prozent auf 1,88 Euro an der SDax-Spitze und sind so teuer wie seit Juni 2022 nicht mehr. Einem Händler zufolge sorgte ein positiver Analystenkommentar für Auftrieb.

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