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02.09.2021

18:23

Dax aktuell

Dax schließt kaum verändert – Zooplus profitiert von Übernahmekampf

Von: Leonidas Exuzidis

Investoren sind bereit, sich wieder stärker zu engagieren. Derzeit aber fehlt ihnen der Kompass. Eine ungewöhnliche Entwicklung ist derweil in den USA zu sehen.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Düsseldorf Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am Donnerstag an der Seitenlinie geblieben: Der deutsche Leitindex Dax schloss bei 15.841 Punkten – 0,1 Prozent im Plus. Mehr Bewegung gab es bei den Nebenwerten: Der MDax der mittelgroßen Werte stellte eine neue Bestmarke bei 36.429 Punkten auf. Dieses Niveau konnte er aber nicht halten. Er beendete den Handelstag 0,3 Prozent im Plus bei 36.276 Punkten.

Der Handelsverlauf unterstreicht: Anleger bleiben zurückhaltend. In den vergangenen drei Wochen bewegte sich der Dax, von einer kurzzeitigen Ausnahme nach unten abgesehen, stets im Bereich zwischen 15.700 und 16.000 Punkten. „Der Dax ist weiterhin im Schlafwagen unterwegs“, bilanziert Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Das geht einher mit einem geringen Handelsvolumen an vielen Tagen.

Anleger warten also vorerst ab, welche Richtung der Markt einschlägt, bevor sie investieren. Sollte der Leitindex die genannte Handelsspanne nachhaltig verlassen, könnte daraus eine größere Kursbewegung resultieren. Die spannende Frage bleibt, in welche Richtung sich der Markt bewegt – und wann der Index aus ebendieser Spanne ausbricht.

Martin Utschneider, technischer Analyst bei Donner & Reuschel, sieht den Dax daher derzeit in einer Phase der „kurzfristigen charttechnischen Konsolidierung“. Der Experte erwartet eine seitwärts gerichtete Bewegung, bleibt aber auf mittlere Sicht optimistisch und hält an seinem Kursziel von 16.200 Punkten fest.

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    Auch die institutionellen Investoren warten darauf, dass sich in dieser Hinsicht ein klareres Bild ergibt. Im Lager der Profis hat sich angesichts der überschaubaren Kursbewegungen in der vergangenen Woche wenig getan. Das zeigt die Umfrage der Börse Frankfurt, die der Verhaltensökonom Joachim Goldberg auswertet.

    In der Woche zuvor hatte ein kurzzeitiger Dax-Rückgang von 1,7 Prozent noch dazu geführt, dass „bearish“ eingestellte Investoren ins Lager der Bullen gewechselt sind. Mit größeren Engagements halten sie sich nun vorerst zurück.

    Goldberg erwartet weiter höheres Verkaufsinteresse, wenn der Dax seine aktuelle Rekordmarke übersteigt und im Bereich von 16.150 bis 16.200 Zählern angekommen ist. Rücksetzer, die den Dax an die Marke von 15.600 Punkten bringen, dürften hingegen schnell ausgeglichen werden. Angesichts dieser „asymmetrischen Verteilung von Angebot und Nachfrage“ rechnet Goldberg weiter mit nur geringen Bewegungen.

    Die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment legt nahe, dass private Investoren ebenfalls auf ein klares Signal nach oben oder unten hoffen. Gut möglich, dass ein Teil der Anleger auf dem falschen Fuß erwischt wird – ihre Reaktion könnte dann eine größere Bewegung herbeiführen. Rücksetzer wurden zuletzt genutzt, um Aktien nachzukaufen. Diesmal könnte es ähnlich sein.

    Die Bereitschaft, sich wieder stärker zu engagieren, ist also vorhanden. Nun braucht es einen ersten Auslöser, damit auch die Spätphase der Sommerpause endgültig beendet ist und die Ruhephase an den Börsen abgelöst wird.

    Einmal mehr richtet sich der Fokus auf die Geldpolitik: In der kommenden Woche diskutiert der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die weitere Ausrichtung. Schon am Freitag steht der offizielle US-Arbeitsmarktbericht an. „Da die US-Notenbank Fed zunehmend auf den Arbeitsmarkt statt die Inflation schaut, kommen wir zu einem Punkt, an dem wegen der nahenden Drosselung der Wertpapierkäufe die Arbeitsmarktberichte wichtiger und wichtiger werden“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

    Kreditfinanzierte Aktienkäufe in den USA sinken

    In den USA ist in diesen Tagen eine ungewöhnliche Bewegung zu beobachten: Erstmals seit März 2020 ist das Volumen kreditfinanzierter Aktienkäufe im Vergleich zum Vormonat gesunken. Das zeigen neue Daten der Aufsichtsbehörde Finra.

    Grafik

    Per Kredit finanzierte Käufe haben in den vergangenen Monaten dazu beigetragen, dass die Aktienkurse in den USA deutlich gestiegen sind. Nicht zuletzt viele Privatanleger nutzen dieses Instrument, um ihre Investments zu hebeln. Die sogenannte Margin Debt umfasst den Teil eines Investments, den Anleger nicht selbst bezahlen, sondern Broker vorfinanzieren. Als Sicherheit dient dabei der Marktwert des Depots.

    Seit Ausbruch der Coronakrise ist die Margin Debt in den USA um 84 Prozent gestiegen auf bis zu 882 Milliarden Dollar. Auf Monatssicht ging es kontinuierlich nach oben. Im Juli allerdings könnte eine Trendumkehr eingesetzt haben. Dazu muss man sagen: Die Daten werden stets zeitverzögert im Folgemonat veröffentlicht und umfassen auch lediglich die von den Brokern gemeldeten Volumina.

    Im Falle einer nachhaltigen Trendumkehr würde ein wichtiger Treiber der Kursrally an den Märkten fehlen. Der aktuelle Wert liegt zwar noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Die Entwicklung in den nächsten Monaten sollte dennoch genau beobachtet werden. Die durch Kredite finanzierte Hebelwirkung solcher Investments erfreut die Investoren, solange die Kurse steigen. Im Falle sinkender Kurse aber drohen wiederum noch größere Verluste – es besteht die Gefahr eines sogenannten Margin Calls.

    Auch der Blick in die Historie zeigt: Ist die Margin Debt nach einem längeren Anstieg gefallen, ging dies auch mit sinkenden Aktienkursen einher. Hinzu kommt, dass der marktbreite US-Index S&P 500 sechs Monate in Folge Kursgewinne verzeichnet. Er liegt mehr als 20 Prozent über seinem Durchschnitt der vergangenen 24 Monate. Berechnungen von Experten der Helaba legen dar, dass diese Situation in der Vergangenheit teils deutliche Kursrückgänge ausgelöst hat.

    Kryptowährungen sind gefragt

    Der Bitcoin stieg kurzzeitig wieder über die Marke von 50.000 Dollar und notiert aktuell nahe an dieser Grenze bei 49.580 Dollar. „Anleger, welche auf fallende Kurse gesetzt haben, dürften sich nun gezwungen sehen, ihre Leerverkaufspositionen glattzustellen“, sagte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

    Sollte der Bitcoin auch die Marke von 52.000 nachhaltig überwinden, sei der Weg in Richtung 60.000 frei, prognostiziert Emden. Die Chancen hierfür stünden nicht schlecht, da langfristig orientierte Anleger zum Jahresende hin verstärkt Positionen aufbauen könnten.

    Insgesamt ist die Stimmung im Krypto-Sektor derzeit positiv. Ethereum setzt seine Rally fort. Die zweitwertvollste Währung gewinnt 4,9 Prozent auf rund 3766 Dollar. Auf Wochensicht hat die Digitalwährung mehr als ein Fünftel an Wert zugelegt. Cardano, mittlerweile Nummer Drei im Markt, gewinnt 3,7 Prozent und stieg zwischenzeitlich sogar erstmals über drei Dollar.

    Einzelwerte im Fokus

    Henkel: Die Papiere gaben am Donnerstag 1,2 Prozent nach, nachdem die Investmentbank JP Morgan die Kaufempfehlung gestrichen hatte. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die Umsatzdynamik nachlassen, hieß es zur Begründung.

    Evotec: Das Biotechunternehmen teilte mit, aus einer Kooperation mit dem Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb Zahlungen von bis zu 250 Millionen US-Dollar erhalten zu können, falls bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die Aktie stieg um 0,2 Prozent.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Zooplus: In der Hoffnung auf einen Bieterwettstreit um Zooplus stiegen Anleger bei dem Online-Tierbedarfshändler ein. Die Aktien kletterte um acht Prozent auf 424,30 Euro. Zwischenzeitlich markierten sie sogar ein neues Rekordhoch bei 428,40 Euro. Börsianern zufolge denkt der Finanzinvestor EQT darüber nach, die von seinem Rivalen Hellman & Friedman offerierten 390 Euro je Zooplus-Aktie zu überbieten. EQT wollte sich dazu nicht äußern.

    Eckert & Ziegler: Die Aktien der Medizintechnikfirma fielen zunächst um 8,5 Prozent auf ein Fünfwochentief von 112,50 Euro. Offensichtlich hielten es einige Anleger aus charttechnischer Sicht für angebracht, Gewinne mitzunehmen, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn haben die im SDax geführten Aktien rund 175 Prozent zugelegt. Zum Dax-Schluss lag die Aktie jedoch wieder 1,9 Prozent im Plus.

    Flatexdegiro: Der angekündigte Aktiensplit des Brokerhauses im Verhältnis 1:4 wird wirksam. Der Preis der Aktie wird entsprechend durch vier geteilt, ohne den Wert des gesamten Aktienkapitals zu beeinflussen.

    Was die Dax-Charttechnik sagt

    Rund um die Marke von 15.800 Punkten gab es in den vergangenen Monaten insgesamt drei Rekordhochs. Nachdem der Dax seine neue Bestmarke markiert hat, dient dieser Bereich als Unterstützungsmarke.

    Zu sehen war dies unter anderem im Mittwochshandel: Der Leitindex war kurzzeitig unter besagte Marke gefallen, ehe es in kurzer Zeit wieder darüber ging. Bei 15.687 Punkten liegt aktuell die 50-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend vorgibt.

    Die charttechnische Schlüsselmarke auf der Unterseite definieren die Analysten der Helaba allerdings bei 15.622 Punkten. Dort liegt das Tief von Mitte August, von dem sich der Dax aber sehr schnell erholt hat.

    Anstehende größere Kursbewegungen signalisiert weiterhin ein aus technischer Sicht relevanter Volatilitätsmaßstab, der in der Fachwelt als „Bollinger Bands“ bezeichnet wird. Dieser hat sich zuletzt stark eingeengt, was als entsprechender Indikator gilt – allerdings ist auch hier unklar, in welche Richtung es geht. Sollte der Dax unter 15.622 Zähler fallen, könnte diese Bewegung ausgelöst werden.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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