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19.08.2022

15:00

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Dax aktuell

Dax schließt mehr als ein Prozent tiefer – Herber Rücksetzer am Kryptomarkt

Von: Leonidas Exuzidis

Vor dem Wochenende bleibt die Risikobereitschaft der Anleger gering. Für die türkische Lira könnte es schon bald noch deutlicher nach unten gehen.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt treten Anleger zum Wochenschluss erneut den Rückzug an. Der Dax schließt am Freitagnachmittag 1,1 Prozent tiefer bei 13.544 Punkten. Am Donnerstag war der Leitindex noch um 0,5 Prozent auf knapp 13.700 Punkte gestiegen. Insgesamt steht ein Wochenverlust von 1,8 Prozent zu Buche.

Vor dem Wochenende rücken Zinssorgen wieder verstärkt in den Fokus. Zum einen sind die Erzeugerpreise in Deutschland im Juli mit 37,2 Prozent so stark gestiegen wie noch nie, wie das Statistische Bundesamt am Freitag berichtete. Sie sind ein wichtiger Frühindikator für die weitere Entwicklung der Inflation in einem Währungsraum.

Zum anderen sprach sich James Bullard, der Präsident der regionalen Fed St. Louis, für einen weiteren Zinsschritt um 75 Basispunkte bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank in November aus. Es wäre der dritte Schritt in diesem Umfang in Folge.

Zur Einordnung muss man aber sagen, dass Bullard einer der bekanntesten Anhänger einer restriktiven Geldpolitik ist. Insofern ist diese Forderung nicht überraschend, schließlich schwanken die Erwartungen an die Fed zwischen einer Erhöhung um 50 oder eben 75 Basispunkte.

Die Zinssorgen der Aktienanleger kommen dem Dollar erneut zugute. Der Dollar-Index, der den Kurs der Weltleitwährung zu anderen ins Verhältnis setzt, knüpfte an seinen Aufwärtstrend an und stieg auf den höchsten Stand seit vier Wochen. Zyklische Werte hingegen notieren mit Abschlägen. Im Dax verlieren die Deutsche Bank, Mercedes Benz, Porsche sowie BMW zwischen zwei und fünf Prozent.

Insgesamt ist die Risikobereitschaft der Marktakteure aktuell gering. Das findet Ausdruck in den nach wie vor sehr geringen Handelsumsätzen. In der laufenden Börsenwoche wurden durchschnittlich weniger als 50 Millionen Aktien pro Tag gehandelt. Dieser Wert liegt weit unter dem Durchschnitt.

Von der starken Risikoaversion am Markt können als sicher geltende Assets aber nicht profitieren. So verzichten Investoren auch auf den Kauf von Gold oder deutschen Staatsanleihen. Sie halten schlicht und ergreifend die Füße gänzlich still.

Dabei kann es trotzdem zu größeren Kursausschlägen kommen. In Phasen mit geringer Aktivität genügen nur wenige Akteure, um die Kurse auch mal stärker zu bewegen.

Am Freitag ist das Handelsvolumen höher. Zwar stehen kaum börsenrelevante Termine an, allerdings ist kleiner Verfallstag an den Börsen. An solchen Tagen laufen zur Mittagszeit Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus, sie werden dann abgerechnet. Die Profis an den Terminmärkten sind üblicherweise darum bemüht, die Kurse der Produkte, die sie innehaben, in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

Türkische Lira: Die nächste Abwertung?

In den Blickpunkt rückt einmal mehr die türkische Lira. Die Devise ist am Donnerstag gegenüber dem US-Dollar zum wiederholten Male auf ein Rekordtief gefallen. Ein Dollar kostete bis zu 18,1385 Lira. Auch am Freitag liegt die türkische Devise nur knapp über diesem Niveau.

Seit Jahresbeginn hat sie mehr als 35 Prozent verloren und nun erstmals die psychologisch wichtige Marke von 18 Lira pro Dollar unterschritten, auf die sie in den vergangenen Wochen zugelaufen war. Die Türkei wird von einer extrem hohen Inflation verfolgt. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei fast 80 Prozent.

Doch die Zentralbank reagiert darauf – allen voran aufgrund der Einflussnahme von Präsident Recep Tayyip Erdogan – mit Zinssenkungen anstelle von -erhöhungen. So auch am Donnerstag, als sie entgegen den allgemeinen Erwartungen den Leitzins auf 13 Prozentpunkte herabsetzte.

Das widerspricht nicht nur jeder makroökonomischen Theorie, sondern treibt die Teuerung noch zusätzlich an. Schließlich führt eine schwache Währung dazu, dass der Import von Gütern aus dem Ausland relativ teuer wird.

Insofern erwarten die Analysten der Commerzbank, dass der nächste Inflationsschub schon bevorsteht – „solange eine angemessene Inflationsbekämpfung und ein entsprechender geldpolitischer Rahmen ausbleiben“. Die Inflationserwartungen seien „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Die Zentralbank sehen die Experten dabei nur in einer untergeordneten Rolle. Schließlich mache es kaum einen Unterschied, ob der Zins nun bei 14 oder 13 Prozent liege, solange eine unabhängige Gestaltung der Geldpolitik nicht möglich sei.

Doch der türkische Staat hat eine Reihe unkonventioneller und teurer Maßnahmen ergriffen, um dem Währungsverfall zu begegnen. So hat die Regierung etwa einen Wechselkurssicherungszins eingeführt. Wer Vermögen in Lira spart, erhält einen so hohen Zinssatz, dass dieser den Wechselkurs in Dollar sichert. So will die Politik verhindern, dass die Bürger noch mehr Lira-Vermögen in Dollar umtauschen. Doch der rapide Verfall beweist, dass keine der Maßnahmen Wirkung erzielt hat.

Bitcoin und Ether brechen ein

Ebenso die wichtigsten Kryptowährungen büßen am Freitag deutlich an Wert ein. Die wertvollste Kryptowährung Bitcoin fällt um bis zu neun Prozent bis auf 21.375 Dollar. Auf diesem Niveau hatte die Cyberdevise zuletzt Ende Juli gelegen.

Ursächlich sind auch hier die Zinsfantasien an den Märkten. Bitcoin und andere Digitalwährungen haben es als zinsloses Investment hat es in einem Marktumfeld steigender Zinsen schwer. Demzufolge steht der Krypto-Markt unter Druck.

Am Wochenende war Bitcoin erstmals seit Juni wieder über die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Dollar geklettert. Doch die Neigung der Investoren zu riskanteren Assets war offensichtlich nur von kurzer Dauer. In der Folge ging es zunächst langsam und dynamisch bergab.

Das zuletzt geringe Handelsvolumen während der aktuellen Urlaubszeit könnte zudem die Talfahrt begünstigt haben, sagt Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. „Die Bedingungen für weitere Abverkäufe gestalten sich offensichtlich derzeit ideal.“ Laut Emden bleiben die digitalen Währungen „nach wie vor Zielscheibe von spekulativen Adressen, welche auf einen rasanten Kursverfall gesetzt haben“.

Die zweitwichtigste Währung Ethereum verliert am Freitag über neun Prozent und sinkt unter die wichtige Marke von 1700 Dollar. Noch größer sind die Verluste bei Währungen aus der hinteren Reihe, etwa bei Ripple, Cardano und Solana. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarkts sinkt den Daten von Coinmarketcap zufolge auf 24-Stunden-Sicht um 8,25 Prozent.

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Einzelwerte im Fokus

Just Eat Takeaway.com: Der Verkauf der iFood-Anteile an den Technologie-Investor Prosus für 1,8 Milliarden Euro sorgt für einen massiven Kurssprung. Die Aktien von Europas größtem Essenslieferanten steigen in Amsterdam um etwa 25 Prozent auf 20,95 Euro.

Adyen: Nach den neuesten Ergebnissen des Zahlungsdienstleisters hat die Credit Suisse das Kursziel von 1750 auf 1950 Euro angehoben und die Einstufung auf „Outperform“ bestätigt. Anleger streichen am Freitag aber erstmal Gewinne ein. Die Aktie liegt im Amsterdam sieben Prozent tiefer bei 1617 Euro.

Hypoport: Metzler hat die Papiere des Finanzvermittlers auf „Sell“ von „Hold“ heruntergestuft. Das drückt die Papiere mit einem Minus von 13 Prozent ans Ende des SDax.

Borussia Dortmund: Der Bundesligist hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 35,1 Millionen Euro Verlust gemacht nach zuvor minus 72,8 Millionen. Der Umsatz stieg von 334 auf 351,6 Millionen Euro, das operative Ergebnis auf 80,8 Millionen Euro (39). Aufgrund der Pandemie fehlten dem Klub wichtige Zuschauereinnahmen. Im neuen Geschäftsjahr will der BVB aber wieder schwarze Zahlen schreiben. Zum Handelsschluss in Frankfurt verlor die Aktie etwa zwei Prozent.

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