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10.03.2022

18:06

Dax aktuell

Dax schließt mit deutlichen Verlusten – Risikoaufschläge der Euro-Südländer ziehen an

Von: Jürgen Röder, Andrea Cünnen

Die Situation hat sich beruhigt. Doch der Dax bleibt in einer sogenannten Bärenmarktrally: Der Abwärtstrend ist weiter intakt. Am Nachmittag sorgt die EZB für Bewegung an den Märkten.

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf, Frankfurt Nach dem Sprung um mehr als 1000 Punkte am Mittwoch haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt unmittelbar Gewinne mitgenommen. Der Dax schloss am Donnerstag 2,9 Prozent tiefer bei 13.442 Punkten. Insgesamt büßte der Index 406 Zähler ein.

Am frühen Nachmittag lag der Kurs mit 13.342 Punkten sogar noch etwas tiefer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor bekanntgegeben, ihre Anleihezukäufe schneller zu drosseln als geplant. Die Kommunikation der Notenbank sorgte auch für Bewegung am Anleihemarkt.

Enttäuscht reagierten Anleger auf das nahezu ergebnislose Treffen der Außenminister Russlands und der Ukraine in Antalya. Man habe beim Thema Waffenruhe keine gemeinsame Entscheidung erzielen können, hieß es. „Ohne ernst gemeinte Friedensverhandlungen steht eine Erholung auf wackeligen Beinen“, konstatierte auch Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Insgesamt hat sich am Markt die These bestätigt: Die Kursgewinne am Mittwoch waren nur eine Bärenmarktrally – eine Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend.

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    Zur Einordnung: Seit Jahresanfang ist der Dax von 16.285 Punkten bis auf 12.438 Zähler abgerutscht. Erst bei einem Stand von rund 14.360 Zählern hätten sich diese Verluste halbiert. Laut technischer Analyse wäre das eine „normale Gegenbewegung“, die aber nichts an dem intakten Abwärtstrend ändern würde.

    Erst mit nachhaltigen Notierungen über 14.800 Punkten wäre diese Bärenmarktrally vorbei, die „maximale Gegenbewegung“ überwunden und der Leitindex würde in eine neue positive Börsenphase wechseln. Nach Meinung von Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel müsste der Dax dafür sogar die Marke von knapp 15.000 Zählern erreichen.

    Langfristige Investoren achten zudem auf die 200-Tage-Linie, die für einen langfristigen Aufwärtstrend erst überwunden werden muss. Diese Durchschnittslinie notiert derzeit bei 15.528 Punkten und fällt täglich um rund sieben Zähler.

    Insgesamt hat sich die Situation beim deutschen Leitindex aber deutlich beruhigt. Und solange das Börsenbarometer oberhalb von rund 13.110 Punkten notiert, dürfte sich daran wenig ändern. Laut Utschneider könnte sich nun ein Boden im Bereich bei 13.095 bis 13.025 Punkten bilden.

    Die Sitzung am Mittwoch liegt laut Wikipedia mit einem Plus von 7,9 Prozent oder 1016 Punkten auf Rang sieben bei den Tagen mit den höchsten Kursgewinnen. Es führt unangefochten der 13. Oktober 2008 mit einem Wertzuwachs von 11,40 Prozent. Damals wurde über die Ankündigung eines umfangreichen Rettungspakets während der Finanzkrise spekuliert. Das unterstreicht die Börsenregel, dass hohe Gewinne nicht erzielt werden, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, sondern im Vorfeld  („buy the rumor, sell the news“).

    Heimische Profis hatten auf steigende Kurse gesetzt

    Die Umfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig orientierten institutionellen Investoren und Privatanlegern zeigt einen interessanten Trend auf. Während die Privatanleger den Kursturbulenzen seit Mittwoch der vergangenen Woche nur zugeschaut haben, war bei den Profis die Angst, eine Rally zu verpassen, größer als die Furcht vor weiteren Kursverlusten.

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    Sie sind bereits vor dem Mittwoch in den Markt eingestiegen und wurden dann mit einem Plus von mehr als 1000 Dax-Punkten belohnt. Für den Verhaltensökonomen Joachim Goldberg, der die Erhebung auswertet, war dieser Kursanstieg „hausgemacht“. Ein wichtiger Hinweis: Die Erhebung fand am Dienstag dieser Woche statt, die Rally am Mittwoch konnte nicht berücksichtigt werden.

    Das Verhalten der Profis war für den Markt aber eher belastend. Weil viele einheimische Profis bereits investiert sind, ist die Zahl der potenziellen neuen Käufer deutlich geschrumpft. Angesichts der noch unklaren geopolitischen Lage rund um den Krieg in der Ukraine dürften nach Meinung von Goldberg nur wenige internationale Vermögensverwalter in den europäischen Markt einsteigen. „Wollen wir hoffen, dass im Falle eines erneuten Dax-Rückschlags die verbliebene mögliche Nachfrage der Investoren ausreicht, um Schlimmeres zu verhindern“, meint er.

    Euro profitiert kurzzeitig von EZB-Entscheidungen

    Der Euro hat am Donnerstag von den Entscheidungen der EZB kurzzeitig profitiert. Zuletzt fiel er wieder unter die Marke von 1,10 Dollar. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1009 US-Dollar. Das war rund ein Cent weniger als noch im frühen Handel.

    Die EZB steuert trotz neuer Risiken für die Konjunktur auf ein Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zu. Sie fährt ihre milliardenschweren Anleihekäufe früher zurück als geplant und stellt deren Ende im Sommer in Aussicht. Die Aussagen beflügelten den Euro zunächst und trieben ihn bis auf 1,1121 Dollar. Angesichts der neuen Unsicherheiten für die Konjunktur durch den Ukrainekrieg hatten etliche Volkswirte eigentlich damit gerechnet, dass die EZB abwarten würde.

    Der Euro gab seine Gewinne jedoch rasch wieder ab und geriet unter Druck. Schließlich hat es EZB-Präsidentin Christine Lagarde offengelassen, wann die Notenbank ihre Zinsen anhebt. Die Notenbank wolle sich angesichts der hohen Unsicherheit möglichst viele Optionen offenhalten.

    Bewegung bei Anleiherenditen

    Die Aussicht auf weniger Unterstützung durch die Notenbank brachte vor allem die Anleihen der Euro-Südländer unter Druck. Im Gegenzug zu den fallenden Kursen stiegen die Renditen und die Renditeaufschläge im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen kräftig.

    Die Risikoprämie zehnjähriger italienischer Staatsbonds erhöhte sich um mehr als 0,2 Prozentpunkte. So deutlich waren die Risikoprämien zuletzt im April 2020 gestiegen. Bei zehnjährigen spanischen und portugiesischen Bonds erhöhte sich der Renditeabstand um jeweils 0,12 Prozentpunkte.

    Die Renditen lagen indes mit knapp 1,9 Prozent in Italien, knapp 1,3 Prozent in Spanien und 1,2 Prozent in Portugal noch leicht unter den Ständen von Anfang des Monats. Die Schwankungen der Anleihen der Länder, die vergleichsweise hoch verschuldet sind und deshalb als riskanter gelten, nehmen aber zu.

    Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe, die als Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum gilt, stieg um 0,05 Prozentpunkte auf 0,26 Prozent. Im Zuge des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine war die Rendite Anfang des Monats zwischenzeitlich wieder ins Minus gerutscht.

    Sandrine Perret, Volkswirtin und Anleihestrategin bei Vontobel, bezeichnete das Vorgehen der EZB als „negativ“, gerade für die Euro-Randländer. Wolfgang Bauer, Anleihefondsmanager bei M&G Investments, sieht das ähnlich: „Wenn die EZB den Abbau der Anleihekäufe beschleunigt, könnten sich die Anleger bald in einem neuen Marktumfeld wiederfinden, in dem die Zentralbanken kein Sicherheitsnetz mehr bieten.“

    Dies gilt indes nicht nur für die Anleihe-, sondern auch für die Aktienmärkte. Die Geldflut der Notenbanken war bislang auch für Aktien eine große Stütze.

    Ölpreise steigen wieder

    Nach der jüngsten Talfahrt haben sich die Ölpreise am Donnerstag wieder stabilisiert. Die Nordseesorte Brent verteuert sich in der Spitze um knapp vier Prozent auf 115,35 Dollar je Fass. Das US-Öl WTI kostet mit 111,76 Dollar je Barrel zeitweise 2,8 Prozent mehr.

    Zum Abend war ein Großteil der Gewinne wieder dahin. Am Mittwoch hatten Spekulationen auf eine Ausweitung der Ölförderung der Vereinigten Arabischen Emirate Hoffnungen auf eine Entspannung des Angebotsengpasses geschürt.

    Bei den Einzelwerten gerieten unter anderem Autoaktien unter Druck. BMW rutschte trotz eines höheren Gewinns im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 72 Euro ab. Die Anleger hätten bereits mit einem guten Ergebnis gerechnet, begründete ein Händler den Kursrutsch. Im Leitindex verloren VW und Continental mehr als vier Prozent, Mercedes-Benz wiederum etwas weniger.

    Blick auf die Einzelwerte

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    Hannover Rück: Die Papiere bauten ihre Verluste aus und schlossen 5,7 Prozent tiefer. Der Rückversicherer will nach einem Gewinnsprung im zweiten Coronajahr die Dividende kräftig auf insgesamt 5,75 Euro je Aktie anheben. Die darin enthaltene Sonderdividende falle aber niedriger als erhofft aus, monierte das Analysehaus Jefferies.

    K+S: Der Salz- und Düngemittelhersteller bekräftigt trotz des Kriegs in der Ukraine und der damit verbundenen Unsicherheit für die Agrarmärkte seine Jahresziele. Zudem zieht K+S nach dem Verkauf seines amerikanischen Salzgeschäfts auch eine Trennung von seinen übrigen Salzaktivitäten in Betracht. Das bescherte der Aktie ein Plus von fast elf Prozent.

    Hugo Boss: Der Modekonzern will die Coronapandemie endgültig abhaken und peilt dieses Jahr einen Rekordumsatz sowie Gewinnsteigerungen an. Die Aktionäre sollen für 2021 eine auf 0,70 (Vorjahr: 0,04) Euro je Aktie angehobene Dividende erhalten. Die Aktie fiel aber um mehr als sieben Prozent. Analyst Thomas Chauvet von der Citigroup bemängelte den niedriger als vom Markt erwarteten Dividendenvorschlag.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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