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22.04.2022

17:55

Dax aktuell

Dax schließt mit größtem Tagesverlust seit sechs Wochen – Experte: Alle Papiere mit Zinsrisiken fliegen aus den Depots

Von: Jürgen Röder

Die Rede von US-Notenbanker Powell belastet die Märkte. Doch die Anlegerstimmung verheißt ein eher schnelles Ende dieser deutlichen Kursverluste.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Düsseldorf Nach den hohen Energiekosten und den anhaltenden Lieferkettenproblemen stand am Freitag ein drittes Problem im Vordergrund: Wird die US-Notenbank mit ihrem zunehmend aggressiven Straffungskurs die Wirtschaft abwürgen? Diese Punkte belasteten die Unternehmensgewinne deutlich.

Da auch am Anleihemarkt die Kurse abrutschen, die sich gegensätzlich zu den Renditen entwickeln, steht für den Kapitalmarktexperten Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners fest: „Alles, was in irgendeiner Weise Zinsrisiko hat, fliegt aus den Depots.“

Entsprechend verzeichnete der Dax an diesem Freitag den größten Tagesverlust seit sechs Wochen und ging 2,5 Prozent tiefer bei 14.143 Punkten aus dem Handel. Noch am gestrigen Donnerstag hatte der Leitindex bei 14.502 Punkten und damit knapp ein Prozent im Plus den Handel beendet.

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    Dabei war diese Ankündigung keine Überraschung, 50 Basispunkte mehr im Mai waren am Markt längst eingepreist. Neu ist: In den USA werden plötzlich vier doppelte Zinsschritte, also um jeweils 50 Basispunkte, hintereinander erwartet.

    Mittlerweile geht eine Mehrheit der Profis laut der Chicagoer Terminbörse CBOE von einem Zinssatz zwischen 3,0 und 3,25 Prozent aus. Noch am Dienstag dieser Woche lag dieser Wert zum Jahresende zwischen 2,5 und 2,75 Prozent. Kein Wunder, dass auch die Renditen für US-Staatsanleihen deutlich steigen.

    Grafik

    Am Freitag lag dieser Wert für eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit zwischenzeitlich wieder bei 2,967 Prozent und damit in der Nähe eines Mehr-Jahres-Hochs. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen, die besonders sensibel auf die Geldpolitik reagieren, lag notierte zwischenzeitlich bei 2,75 Prozent. Noch im September des vergangenen Jahres lag dieser Wert bei 0,212 Prozent.

    Anlegerstimmung signalisiert keinen Crash

    Anleger sollten dennoch nicht in Panik verfallen. Wenn die Sentimentanalysen Recht behalten, dürfte es keinen neuen Crash wie im Zeitraum zwischen Anfang Februar und Anfang März geben, als der Dax um mehr als 3000 Punkte abstürzte.

    Verhaltensökonom Joachim Goldberg hatte bereits am Mittwochabend nach Auswertung der Umfrage der Börse Frankfurt unter Profis und Privatanlegern Gewinnmitnahmen im Bereich zwischen 14.500 und 14.550 Punkten prognostiziert, die dort „zumindest temporär ein gewisses Hindernis darstellen dürften“. Zwar konnte der Dax am gestrigen Donnerstag sogar bis auf 14.598 Punkte steigen, doch dort erfolgte der Startschuss für Verkäufe.

    Insgesamt sieht Goldberg den Dax derzeit aber in einer leicht besseren Ausgangslage für weitere Kurssteigerungen in den kommenden Handelstagen, auch wenn „die Bäume nicht in den Himmel wachsen dürften“.

    Auch Sentimentexperte Stephan Heibel hatte nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment gesagt, dass extrem negative Meldungen für einen Ausverkauf sorgen könnten, doch der dürfte „nur von kurzer Dauer sein“.

    Ein Risiko für die Märke könnte der Ausgang der Frankreich-Wahl am Wochenende sein. Offenbar gehen alle Börsianer von einer zweiten Präsidentschaft von Emmanuel Macron aus. Ein Sieg von Marine Le Pen dürfte für die Märkte deutliche Kursverluste bedeuten.

    Blick auf Einzelwerte

    Handelsblatt Today : Netflix, Tesla und SAP im Aktiencheck: Lohnt sich der Einstieg?

    Handelsblatt Today

    Premium Netflix, Tesla und SAP im Aktiencheck: Lohnt sich der Einstieg?

    Bei Inflationssorgen, Ukrainekrieg und Lieferengpässen geht eine weitere Bilanzwoche voller Unsicherheiten zu Ende. Aktienanalyst Michael Jakob identifiziert Gewinner und Verlierer.

    SAP: Der Softwarekonzern konnte die Anleger mit seinen Quartalszahlen nicht überzeugen. Die Aktie fiel zweitweise um mehr als fünf Prozent, ging am Ende dann mit einem Minus von 2,1 Prozent aus dem Handel. Während der Softwareriese seine Umsätze dank der gestiegenen Nachfrage nach seinem Cloud-Angebot in die Höhe schraubte, fiel das Betriebsergebnis wegen höherer Ausgaben im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, für Investitionen in Forschung und Entwicklung und das Marketing.

    Der Kursverlust belastet auch den Dax, weil SAP mit einem Börsenwert von 116 Milliarden Euro der zweitschwerste Dax-Wert ist. Nur Linde ist mit 153 Milliarden schwerer.

    Im Kursbereich um 95 Euro liegt für SAP-Aktien eine zentrale Unterstützungszone. Sollten die Notierungen sich hier nicht nachhaltig stabilisieren, droht der Aktie eine mehrjährige Abwärtswende.

    Für den Dax wäre das eine weitere Hypothek. Von ihrer einstigen Favoritenrolle für Anleger ist die SAP-Aktie im Jahr des 50-jährigen Unternehmensbestehens meilenweit entfernt.

    Teamviewer: Die Kursverluste bei SAP ziehen laut Börsianern auch Teamviewer nach unten. Die Aktien des Softwarehauses verloren in der Spitze knapp sechs Prozent auf 12,09 Euro und markierten damit den tiefsten Stand seit Mitte März. Das Papier ging 3,1 Prozent tiefer aus dem Handel.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

    Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Rheinmetall: Die Aktien kletterten im Nebenwerteindex MDax um bis zu 3,3 Prozent auf einen Rekordwert von 225 Euro. Ein Börsianer verweist auf eine Kurszielerhöhung der UBS. Die Analysten der Schweizer Großbank sehen die Papiere des Düsseldorfer Rüstungskonzerns demnach nun bei 251 Euro.

    Seit Jahresbeginn haben die Titel von Rheinmetall bereits um 160 Prozent zugelegt. Am Ende der Handelswoche lag das Plus des Papiers noch bei 0,2 Prozent.

    Adler Group: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat in einer Sonderuntersuchung nicht alle Vorwürfe des britischen Leerverkäufers Fraser Perring gegen den Immobilien-Investor Adler Group widerlegen können. Vom Vorwurf systematischer betrügerischer Transaktionen sieht sich die Adler Group aber nach eigenen Angaben durch den Bericht entlastet.

    Die Nachricht kam an der Börse zunächst gut an. Der Kurs der Adler-Aktie stieg zeitweise um 14,5 Prozent auf 13,29 Euro. Allerdings hat das Papier seit Juni des vergangenen Jahres rund die Hälfte an Wert verloren. Damals wurde das Papier zwischenzeitlich bei 27,74 Euro gehandelt. Zum Handelsschluss notierte die Aktie noch 1,3 Prozent im Plus.

    Am Freitag wurden zwei Aktien mit einem Dividendenabschlag gehandelt: Covestro und Schaeffler.

    Covestro zahlte 3,40 Euro, der Schlusskurs am gestrigen Donnerstag lag bei 46,37 Euro. Die Dividendenzahlung ist auch der Hauptgrund, warum die Aktie deutlich niedriger notierte: Sie ging mit einem Minus von 10,4 Prozent aus dem Handel.

    Schaeffler zahlt 0,50 Euro, Schlusskurs am Donnerstag war 6,00 Euro. Das Papier beendete den Handel mit einem Minus von elf Prozent.

    Die technische Dax-Analyse

    Mittelfristig gilt: Der Abwärtstrend beim Dax seit Anfang des Jahres ist intakt. Erst nachhaltige Notierungen über 15.000 Punkten dürften etwas an dieser Ausgangslage ändern. An dieser Marke ist der Leitindex am 29. März mit seinem Tageshoch von 14.952 Punkten nur knapp gescheitert. Bislang sind die Kursgewinne also nur eine sogenannte Bärenmarktrally.

    Kurzfristig gilt: Von Anfang bis Ende März hat der Dax eine 2500-Punkte-Rally hingelegt. Und diese Gewinne verarbeitet der Leitindex derzeit. Der tiefste Punkt dieser kurzfristigen Abwärtsbewegung seit Ende März liegt bei 13.887 Zählern. Technische Analysten nennen das eine Minimalkorrektur, die nach solch einer dynamischen Rally üblich ist.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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