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09.09.2022

17:45

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Dax aktuell

Dax schließt über der wichtigen Marke von 13.000 Punkten – Erneut hohe Gewinne bei Bankaktien

Von: Jürgen Röder

Am Gasmarkt ist der Kursverfall der vergangenen Tage gebremst. Das darf angesichts der Diskussionen über einen Energiepreis-Deckel nicht verwundern.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt hat offenbar von der EZB-Zinserhöhung profitiert. Der Leitindex Dax beendete den Handel am Freitag 1,4 Prozent im Plus bei 13.088 Punkten. Das Tageshoch lag bei 13.121 Zählern. In den beiden vergangenen Handelstagen lag das Schlussniveau jeweils knapp oberhalb von 12.900 Zählern.

Für eine nachhaltigere Erholung war ein entschiedener Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten Bedingung. Das ist am heutigen Freitag gelungen. Das Börsenbarometer schaffte es zwar, am Donnerstag diese runde Marke unmittelbar nach Handelseröffnung zu überschreiten, rutschte aber bereits wenige Minuten später wieder ab.

Mit dem Tagesschlusskurs oberhalb der Marke hat der Dax „die Chance auf einen Boden, was angesichts der zahlreichen Belastungsfaktoren eine erstaunliche Entwicklung wäre“, urteilt Jochen Stanzl von CMC Markets. Der Markt könnte am Ende eben diese Wand des Zweifels emporklettern, einfach auch deshalb, weil die schlechten Nachrichten bereits bekannt sind. Das Signal dafür steht aber noch aus.

Ähnlich schätzt der technische Analyst Jörg Scherer von HSBC die Situation ein. „Ein Spurt über diese Schlüsselhürde würde den laufenden Stabilisierungsprozess abschließen und eine kurzfristige Bodenbildung entstehen lassen“, sagte der Experte vor Börseneröffnung.

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    Ein positives Zeichen ist die hohe Rückkaufneigung der Anleger. Am Montag und am Donnerstag dieser Woche rutschte der Leitindex während des Handels deutlich ab, gab damit aber ein Einstiegssignal für Schnäppchenjäger. Auf der Unterseite gilt es für den Dax, nicht unter die Marke von 12.600 Zählern zu fallen.

    Anleiherenditen erklimmen neue Höhen

    Die EZB hat die Leitzinsen im Euro-Raum am Donnerstag um gleich 75 Basispunkte erhöht. Große Auswirkungen zeigen sich nun am Anleihemarkt. Die Rendite einer zweijährigen Bundesanleihe, die besonders sensibel auf Zinsveränderungen reagiert, erreichte zeitweise mit 1,429 Prozent ein neues Elfjahreshoch. Am Abend liegt sie bei 1,319 Prozent.

    Auch die zehnjährige Bundesanleihe, der Benchmark-Bond für die Euro-Zone, klettert zeitweise bis auf 1,795 Prozent, dem höchsten Stand seit Anfang 2014. Am Abend liegt sie bei 1,6965 Prozent.

    Die hohen Werte liegen dem Kapitalmarktexperten Thomas Altmann vom Beratungshaus QC Partners besonders an den Zukunftsaussichten. „Die nicht geringe Wahrscheinlichkeit einer erneuten 75-Basispunkte-Anhebung bei der nächsten Zinssitzung führt insbesondere bei kurzen Anleihen zu einer Neubewertung.“

    Auch Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, ist „fest entschlossen“, die Inflation zu kontrollieren. Das bekräftigte er am Donnerstag in Washington auf einer Konferenz.

    Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen legten nach diesen Äußerungen ebenfalls zu und lagen zuletzt bei 3,293 Prozent. Damit hat sich dieser Wert seit dem Viermonatstief von 2,516 Prozent am 2. August deutlich erholt, liegt aber immer noch unter dem am 14. Juni erreichten Elfjahreshoch von 3,498 Prozent. Die zweijährigen Renditen stiegen zeitweise bis auf 3,491 Prozent, den höchsten Stand seit Oktober 2007.

    „Es ist wichtig, sich an die Lektion zu erinnern, die wir alle vor Jahren gelernt haben, nämlich dass man die Fed nicht bekämpfen sollte“, sagte Oliver Pursche, Senior Vice President bei Wealthspire Advisors in New York. „Und die Fed sagt uns, dass sie sich auf die Inflation fokussiert.“

    Euro notiert über der Parität zum Dollar

    Die europäische Gemeinschaftswährung hat nach dem Zinsentscheid der EZB wieder die Parität zum US-Dollar überschritten und notiert bei 1,0038 Dollar, ein Plus von 0,4 Prozent. Doch für die Commerzbank-Devisenanalystin You-Na Park-Heger „könnte sich Bewegung nach oben bei Euro/Dollar als kurzes Intermezzo erweisen“.

    Der Euro könnte weiter unter Abwertungsdruck geraten, wenn sich die Energiekrise in der Euro-Zone weiter verschärft und sich die Anzeichen für eine Rezession vergrößern. Zudem ist offen, ob die EZB angesichts der Probleme einzelner Länder die hohe Inflation erfolgreich bekämpfen kann.

    Gaspreis wieder über der Marke von 200 Euro

    Am Gasmarkt ist der Kursverfall gebremst, was angesichts der Diskussionen über einen Energiepreis-Deckel nicht verwundern darf. Denn das Einfrieren der Preise auf einem niedrigen Niveau, wie das Großbritannien beschlossen hat, dürfte den Verbrauch erhöhen.

    Entsprechend ist der für den europäischen Gashandel richtungweisende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in Amsterdam für den Monat Oktober bereits am Donnerstagnachmittag über die Marke von 200 Euro je Megawattstunde geklettert. Am Freitag lag der Preis mit 207 Euro rund sechs Prozent unter dem Vortagesschluss.

    Gegenüber dem höchsten Kurs am Montag dieser Woche mit 284 Euro ist das ein Minus von 22 Prozent, gegenüber dem Rekordhoch von 346 Euro am 26. August von mehr als 46 Prozent. Am Donnerstag lag der Preis mit 194 Euro erstmals seit Anfang August unter der runden Marke von 200 Euro.

    Bei den meisten anderen Rohstoffen griffen Investoren dagegen beherzt zu. So verteuerten sich Kupfer und Eisenerz um 2,2 Prozent auf 7980 Dollar je Tonne beziehungsweise um 3,7 Prozent auf 720,50 Yuan (104 Dollar) je Tonne. Gold legte 1,2 Prozent auf 1728 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. Sie alle profitierten Börsianern zufolge vor allem von der Abwertung der Weltleitwährung, die Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver macht. Gewinnmitnahmen drückten den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt und der am Mittwoch ein 20-Jahres-Hoch erreicht hatte, ein Prozent ins Minus.

    Industriemetalle profitieren zusätzlich von der verlangsamten Inflation in China, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Das gibt der chinesischen Notenbank Spielraum, die schwächelnde Wirtschaft im Reich der Mitte stärker zu unterstützen.“

    Blick auf die Einzelwerte

    EnBW: Auf Berg- und Talfahrt gingen die Papiere von EnBW, nachdem die Gasimport-Tochter VNG Staatshilfe beantragt hatte. Wegen ausbleibender russischer Lieferungen muss das Unternehmen ähnlich wie Konkurrent Uniper Erdgas kurzfristig anderweitig und zu höheren Preisen beschaffen. Wirtschaftsminister Robert Habeck stellte in Brüssel eine zeitnahe staatliche Unterstützung für VNG in Aussicht. Die Aktien von EnBW notierten zeitweise sechs Prozent im Plus, nachdem sie am Vormittag um 10,3 Prozent eingebrochen waren. Die Titel gingen mit einem Plus von etwa einem Prozent aus dem Handel.

    Bankaktien: Der Index für die Banken der Euro-Zone baute seine jüngsten Gewinne aus und legte 3,3 Prozent zu. Durch steigende Zinsen winken den Geldhäusern höhere Überschüsse aus dem klassischen Kreditgeschäft. Die Aktien der Commerzbank stiegen um 4,1 Prozent, die der Deutschen Bank um 3,3 Prozent.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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