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16.08.2022

15:39

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Dax aktuell

Dax schließt über wichtiger Marke – Energie-Aktie größter Gewinner

Von: Leonidas Exuzidis

Der Leitindex schafft es, sich oberhalb von 13.800 Punkten zu etablieren. Insgesamt herrscht jedoch weiter große Bewegungsarmut.

Düsseldorf Der Dax hat seine Klettertour am Dienstag fortgesetzt. Ungeachtet aller konjunkturellen und geopolitischen Risiken schloss der deutsche Leitindex am Dienstag 0,68 Prozent fester bei 13.910,12 Punkten. Er erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten.

Gegenwind kam am Dienstag von der Konjunktur. So blicken Börsenprofis wieder skeptischer auf die deutsche Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten, wie der am Mittag veröffentlichte ZEW-Index für den Monat August darlegt. Demnach fiel der Index um weitere 1,5 Punkte auf nun minus 55,3. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet.

„Die nach wie vor hohe Zunahme der Konsumentenpreise und die erwarteten zusätzlichen Kosten für Heizung und Strom belasten derzeit vor allem die Aussichten für die konsumnahen Wirtschaftsbereiche“, sagte ZEW-Experte Michael Schröder. Ähnlich äußerte sich Helaba-Fachmann Ulrich Wortberg. „Der Erwartungssaldo liegt auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise 2008.“

Besonders auffällig ist aktuell das niedrige Handelsvolumen. So wurden bis späten Dienstagnachmittag nur 25 Millionen Papiere gehandelt. Das ist ein extrem geringer Wert. Auch am Montag waren es bis Handelsschluss nur knapp 38 Millionen Papiere.

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    In der vergangenen Börsenwoche wechselten nie mehr als 60 Millionen Dax-Aktien den Besitzer. Im Schnitt lag das Handelsvolumen dem Datenanbieter Refinitiv zufolge im vergangenen Monat bei 64 Millionen Aktien, seit Jahresanfang bei 86 Millionen.

    Anleger bleiben derzeit also weiter an der Seitenlinie und verarbeiten die vergangene Kursrally. Innerhalb weniger Wochen hat der Dax etwa 1400 Punkte gewonnen. In der Folge haben sich die Anleger längere Zeit zurückgehalten. Einen ersten Dämpfer nach dieser Rally hat der Dax aber mittlerweile wieder wettgemacht.

    Für neue Kursgewinne spricht, dass sich die wesentlichen Risikofaktoren von konjunktureller Seite nicht verschlimmert haben. Dazu zählen etwa die Furcht vor einer Rezession in den wichtigsten Wirtschaftsräumen und die negativen Folgen der Zinswende. So konnte sich eine Art tragfähiger Boden am Aktienmarkt bilden.

    Auf der anderen Seite mangelt es an positiven Impulsen. Die Bilanzsaison ist vergleichsweise stark ausgefallen – gleichwohl bleiben viele Unternehmen mittelfristig zurückhaltend. Auch der Inflationsdruck scheint abzuflauen, wenngleich die Teuerungsraten auf sehr hohem Niveau verharren. Diese Kombination führt im Ergebnis zu anhaltender Bewegungsarmut im führenden Börsenindex.

    Immerhin hat sich auf der Unterseite ein Sicherheitsnetz gebildet: aus den Absicherungsgeschäften der privaten und professionellen Anleger. So zeigt etwa das Euwax-Sentiment an, dass sich Privatinvestoren extrem stark gegen Kursverluste absichern. Ähnlich ist das Verhalten der Profis.

    Sollten die Kurse nachgeben, lösen die Akteure ihre Positionen auf und stützen durch ihre Zukäufe den Markt. Falls sogar die sogenannten Short-Spekulationen aufgelöst werden, wenn die Kurse steigen sollten, würde das die Kursgewinne weiter antreiben.

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    Auch die Charttechnik liefert optimistische Anhaltspunkte auf der Unterseite. Von der 100-Tage-Linie knapp über 13.700 Punkten, die den mittelfristigen Trend anzeigt, hat sich der Dax zuletzt absetzen können. Die 200-Tage-Linie, das Signal für den langfristigen Trend, liegt bei 14.500 Punkten und somit außer Reichweite in der laufenden Börsenwoche.

    Ölpreise geben weiter nach

    Am Ölmarkt stehen die Preise für Brent und WTI weiter unter Druck. Nach den deutlichen Verlusten am Vortag verbilligen sich die Preise für die Nordseesorte respektive für die US-Sorte WTI am Dienstag erneut um bis zu einen Dollar. Brent und WTI kosten nun etwa so viel wie vor Ausbruch des Ukrainekriegs.

    Zum Wochenauftakt hatten die konjunkturellen Warnsignale aus China den Ölmarkt belastet, ebenso US-Indikatoren aus der zweiten Reihe. Die schwächelnde Nachfrage wird durch das hohe Preisniveau zusätzlich gedrückt, sagen Experten.

    Parallel dazu könnte demnächst das Angebot erweitert werden, sollte das Atomabkommen mit dem Iran wiederbelebt und im Gegenzug Sanktionen gegen das Land gelockert werden. Libyen wiederum hat bereits begonnen, mehr Öl zu fördern.

    Einzelwerte im Fokus

    Delivery Hero: Der Essenslieferdienst rechnet für das dritte Quartal mit einem Anstieg des Bruttowarenwerts um sieben Prozent im Vergleich zum Zeitraum von April bis Juni. Die bereits im Juli veröffentlichten Zahlen fürs zweite Quartal und den eingetrübten Ausblick bestätigte der Konzern. Die Analysten der US-Bank JP Morgan werteten den Ausblick für das dritte Quartal sowie die Aussagen zur Rentabilität positiv. Die Analysten von Jefferies bewerten die Aktie in einem Zwischenbericht weiterhin mit „Kaufen“ und bestätigen das extrem optimistische Kursziel von 95 Euro.

    All das scheint an der Börse aber extrem gut anzukommen: Die Aktien steigen im MDax zeitweise auf den höchsten Stand seit sechs Monaten. Am späten Nachmittag liegen sie fünf Prozent höher bei 52,50 Euro.

    Home24: Der Online-Möbelhändler hat seine Umsatzerwartungen deutlich zurückgeschraubt. Im laufenden Jahr könnten die Erlöse um bis zu sieben Prozent einbrechen und im besten Fall noch um drei Prozent zulegen, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Bisher hatte Home24 ein Plus zwischen zwei und 17 Prozent in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal fielen die Erlöse um neun Prozent auf knapp 152 Millionen Euro, während die bereinigte Ebitda-Marge dank Einsparungen um ein Prozent kletterte. Nach anfänglichen Verlusten drehte die Aktie deutlich ins Plus. Zuletzt lag sie 8,5 Prozent höher.

    Rheinmetall: Rüstungswerte rücken bei Anlegers auf die Kaufliste. Die im MDax geführte Rheinmetall-Aktie und Hensoldt im SDax gewinnen bis zu fünf Prozent.

    Philips: Führungswechsel beim Medizintechnikkonzern aus den Niederlanden: Roy Jakobs tritt Mitte Oktober die Nachfolge von Frans van Houten als Präsident und Unternehmenschef an. Philips-Titel legen an der Börse in Amsterdam fast drei Prozent zu.

    BHP: Der Bergbauriese punktet bei Anlegern mit einem überraschend starken Ergebnis und einer Rekorddividende. Die Aktien des nach Marktwert größten Bergbaukonzerns zogen an der Börse in London in der Spitze um fünf Prozent an. Die gestiegenen Preise für Kohle und Kupfer brachten BHP den höchsten Gewinn seit elf Jahren ein.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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