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04.05.2022

18:08

Dax aktuell

Dax schließt vor US-Zinsentscheid mit Verlusten – Leitindex steht vor neuem Bewegungsimpuls

Von: Jürgen Röder

Das wichtigste Thema bleibt die Sitzung der US-Notenbank. Warum der Zinsentscheid eher für steigende als für fallende Notierungen sorgen dürfte.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Düsseldorf Am Tag des Zinsentscheids der Fed haben Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig agiert. In einem lange impulslosen Handel fiel der Dax jedoch erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 14.000 Punkten. Der Leitindex schloss 0,5 Prozent schwächer bei 13.971 Punkten.

Dabei pendelte das Börsenbarometer lange Zeit bei geringen Umsätzen um das Vortagesniveau. Erst am Nachmittag baute der Dax seine Verluste kontinuierlich aus. Der Schlussstand ist gleichzeitig der tiefste Stand des Handels.

Insgesamt lässt der Verlauf der vergangenen Handelstage die Schlussfolgerung zu, dass der Dax vor einem neuen Bewegungsimpuls steht. Zum einen war die Handelsspanne im Dienstags- und Mittwochshandel mit 160 und knapp 100 Punkten sehr gering.

Zum anderen zeigte sich an sieben der vergangenen acht Handelstage, wie nervös Anleger derzeit sind. In dieser Phase kam es zwar vor, dass der Dax deutlich schwankte. Allerdings lagen der Eröffnungs- und der Schlusskurs jeder Sitzung jeweils eng beieinander. Also griffen Anleger bei schwächeren Kursen zu und verkauften in den steigenden Markt hinein.

Solche Pattsituationen über mehrere Tage hinweg werden in vielen Fällen mit dynamischen Kursbewegungen aufgelöst. Es könnte also sein, dass der Leitindex vor einem kräftigen Bewegungsimpuls steht.

Anlass für deutliche Verluste oder Gewinne am Markt könnte die US-Notenbank sein. Die Fed dürfte am Mittwochabend nach Börsenschluss die Zinsen voraussichtlich so kräftig anheben wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Nach entsprechenden Signalen von Fed-Chef Jerome Powell rechnen Investoren an den Finanzmärkten mit einer Erhöhung um einen halben Prozentpunkt. Damit würde das Zinsniveau auf die neue Spanne von 0,75 bis 1 Prozent steigen.

Entscheidend für den weiteren Verlauf an den Aktienmärkten sind nach der Pressekonferenz des Notenbankchefs die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen, die sich in den vergangenen Wochen deutlich verändert haben. Derzeit glauben fast alle Profis an eine Erhöhung im folgenden Monat Juni auf 1,5 bis 1,75 Prozent. Vor vier Wochen hatten lediglich 18 Prozent dieses Szenario für wahrscheinlich gehalten.

US-Zinssatz Ende 2022 zwischen 3,00 und 3,25 Prozent?

Mehr als 50 Prozent der Terminmarktprofis sind überzeugt, dass der US-Zinssatz zum Jahresende zwischen 3,00 und 3,25 Prozent liegen wird. Anfang April waren lediglich 6,5 Prozent dieser Ansicht. Daher dürfte wohl jegliche positive Veränderung dieser Erwartungen zumindest die Aktienkurse jenseits des Atlantiks beflügeln.

Bereits vor der Zinserhöhung hat Jim Cramer zu selektiven Käufen geraten. Der ehemalige Hedgefonds-Manager und Moderator der Sendung „Mad Money“ des US-Fernsehsenders CNBC meinte: „Dies ist mein achter Straffungszyklus, und ich weiß aus Erfahrung, dass es zu spät ist, zu kaufen, wenn man wartet, bis die Federal Reserve fertig ist und die Inflation beendet hat.“

Laut Cramer gibt es einige Branchen, „die sich erholen müssen, wenn wir jemals eine nachhaltige Erholung und einen Ausweg aus dieser miserablen Phase finden wollen“. Er nannte Immobilien-, Finanz-, E-Commerce- und Halbleiterchip-Unternehmen als Beispiele für Aktien, die trotz ihrer „fabelhaften“ Fundamentaldaten schwer angeschlagen sind. Wer diese Turbulenzen nicht ertragen kann, sollte US-Staatsanleihen kaufen, die rund drei Prozent Rendite bringen.

Laut einer Analyse der Bank of America haben deren Anleger in der vergangenen Woche 5,5 Milliarden Dollar in die US-Aktienmärkte investiert, der größte Zufluss seit Dezember 2020. Vor allem bei Einzelaktien waren die BofA-Kunden aktiv. Aktien-ETFs hingegen verzeichneten nur geringe Zuflüsse.

Gekauft haben hauptsächlich institutionelle Kunden, aber auch Hedgefonds und Privatkunden nutzten die Gunst der Stunde, so die Strategen. Dabei kauften die Anleger insbesondere bei Aktien aus dem Technologie- und Gesundheitssektor zu.

Pessimistische Privatanleger

Die extrem negative Anlegerstimmung signalisiert zudem, dass das Überraschungspotenzial der US-Notenbanksitzung eher auf der Oberseite liegt. Sollte der Zinsentscheid eine Wirkung haben, dann dürften die Kurse eher steigen als fallen. Bei solch einer negativen Stimmung sind Anlegerinnen und Anleger mehrheitlich nicht investiert. Ein erneuter Ausverkauf erscheint unwahrscheinlich, weil nur noch wenige verkaufen können.

Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, hat sich die Erwartung der Privatanleger an die künftige Dax-Entwicklung genauer angeschaut. Diese ist mit einem Wert von minus 24 so pessimistisch wie selten zuvor. In den vergangenen 16 Jahren, in denen Animusx Anleger befragte, gab es nur zwei Zeitpunkte, zu denen die Erwartung noch pessimistischer war: einmal im Mai 2020 und dann nochmals im Juni 2020, beide Male mitten in der Coronapandemie.

Grafik

Damals stieg der Dax anschließend in den folgenden sechs Monaten um rund 14 Prozent. Umgerechnet auf den heutigen Kursstand wären das Notierungen knapp unter der 16.000-Punkte-Marke.

Um an solche derzeit noch unrealistisch erscheinenden Notierungen zu denken, muss der deutsche Leitindex zunächst den Abwärtstrend seit Anfang Januar nachhaltig überwinden. Zweimal ist das Börsenbarometer an diesem Vorhaben gescheitert. Die fallende Linie beginnt mit dem Jahreshoch am 5. Januar mit 16.285 Punkten und liegt derzeit bei 14.239 Punkten.

Es dürfte weiter ein schwieriges Unterfangen sein, diese Linie zu überwinden. Ein erstes Indiz wären Kurse oberhalb der 50-Tage-Linie, die aktuell bei 14.132 Zählern liegt und den mittelfristigen Trend anzeigt.

Auf der Unterseite gilt laut technischer Analyse der Bereich von 13.800 bis 13.500 Punkten als wichtige Unterstützung. Dort liegt auch das Tief des vergangenen Börsenmonats mit 13.566 Punkten. Nachhaltige Kurse unter 13.500 Zählern sind prädestiniert für eine neue Ausverkaufswelle.

Geplantes Öl-Embargo treibt die Preise nach oben

Die Europäische Union schlägt ein „vollständiges Einfuhrverbot für sämtliches russisches Öl“ vor. Diese Nachricht lässt den Ölpreis weiter steigen. Rohöl der Sorte Brent verteuert sich um bis zu 3,5 Prozent auf 108,40 Dollar pro Barrel. Der Preis für US-Öl WTI steigt um bis zu 3,7 Prozent auf 106,28 Dollar pro Barrel. Die EU-Kommission will mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten sämtliche Importe von russischem Rohöl stoppen.

Essenslieferanten und Fahrdienstvermittler auf Talfahrt

Eine Reihe von Negativ-Nachrichten bescherte Essenslieferanten und Fahrdienst-Vermittlern schwere Verluste. So warnte Lyft vor steigenden Kosten, um Fahrer zu dem Unternehmen zurück zu locken. Die Aktie brach daraufhin zeitweise um 35 Prozent ein, so stark wie nie. Es sei interessant zu sehen, ob der Rivale Uber Fahrern ebenfalls größere Anreize bieten müsse, schrieb der Analyst Tom White vom Research-Haus D.A. Davidson.

Uber zufolge besteht dazu aber kein Anlass. Außerdem stellte das Unternehmen, das ebenso wie Lyft auch Restaurant-Mahlzeiten und Lebensmittel ausliefert, für das laufende Quartal ein Ergebnis über Markterwartungen in Aussicht. Die Titel gaben dennoch fast zehn Prozent nach. Auch die reinen US-Essenslieferanten DoorDash und Grab konnten sich dem Sog nicht entziehen und rutschten um bis zu zehn Prozent ab.

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In Europa gerieten die Konkurrenten Delivery Hero, Hellofresh, Deliveroo und die „Lieferando“-Mutter Just Eat Takeaway unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere verbilligten ebenfalls um bis zu zehn Prozent. Bei Just Eat Takeaway schlug außerdem eine Führungskrise unmittelbar vor der Hauptversammlung auf die Stimmung.

Blick auf Einzelwerte

Fresenius: Dem Medizin- und Krankenhauskonzern Fresenius machen die Schwierigkeiten seiner Tochter Fresenius Medical Care (FMC) weiterhin zu schaffen. Im ersten Quartal brach der Gewinn des Dialyseanbieters um fast 40 Prozent ein, erneut wegen hoher Kosten und der Übersterblichkeit seiner Patienten. Dadurch wurde auch der Jahresauftakt der Mutter überschattet. Die Aktie von Fresenius stieg um 3,1 Prozent nach, das FMC-Papier büßte vier Prozent ein.

VW: Der Konzern gibt sich zuversichtlich, in diesem Jahr die gravierendsten Folgen aus dem Ukrainekrieg und dem anhaltenden Chipmangel abfedern zu können. Der Wolfsburger Autohersteller bestätigt deshalb seine aktuelle Jahresprognose für Umsatz und operative Rendite, was der Aktie aber ein Minus von 1,1 Prozent bescherte.

Teamviewer: Das Softwarehaus erntet die Früchte des im vergangenen Jahr eingeleiteten Sparkurses. Die Aktie gewann acht Prozent. „Wir haben in allen Kostenbereichen stark durchgegriffen“, sagte der scheidende Finanzchef Stefan Gaiser. Teure Sponsoringverträge im Fußball und der Formel 1 haben die Marge des Göppinger Softwarehauses zum Jahresstart belastet. Das inzwischen eingestellte Russland-Geschäft spielt bei Teamviewer eine untergeordnete Rolle.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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