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01.08.2022

17:53

Dax aktuell

Dax startet unverändert in den August – Erste Shortseller kaufen wohl nach dem Varta-Kurssturz ihre Aktien zurück

Von: Jürgen Röder

Am Montag legt der Leitindex eine Ruhephase ein. Es mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die Rally, die den Dax seit seinem Tiefpunkt von 12.390 Punkten angetrieben hat, noch weitergeht.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Zum Wochenauftakt hat der deutsche Leitindex eine Verschnaufpause eingelegt. Nach deutlichen Gewinnen zur Mittagszeit hat der Dax den Handel am Montag unverändert bei 13.480 Punkten beendet. Das Tageshoch mit 13.570 Punkten war die höchste Notierung seit sechs Wochen.

Bereits am vergangenen Freitag stieg der Leitindex um mehr als 200 Punkte. Der vergangene Börsenmonat war der erfolgreichste Juli seit sechs Jahren.

Es mehren sich aber die Anzeichen, dass die Rally, die den Dax seit seinem Tiefpunkt von 12.390 Punkten angetrieben hat, noch weitergeht. Denn in den vergangenen Wochen gab es wenige gute Nachrichten, die für Kauflaune hätten sorgen können. Was sich auf den ersten Blick widersprüchlich anhört, lässt sich anhand des Anlegerverhaltens erklären.

Positive Nachrichten in Sachen Inflation, Ukrainekrieg oder zu globalen Lieferkettenproblemen sorgen in den meisten Fällen dafür, dass langfristig orientierte Anleger wieder einsteigen. Dies sorgt für weiter steigende Kurse.

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    Warum ist der Dax in nur vier Wochen in der Spitze um mehr als 1100 Punkte nach oben geklettert? Weil neue Hiobsbotschaften fehlten, gab es kaum Verkäufer. Wirklich positive Überraschungen gab es auch wenige, dafür jedoch viele Meldungen, die nicht so schlimm waren wie befürchtet. Das reichte für eine Aufwärtsbewegung.

    Für den Sentimentexperten Stephan Heibel wäre es „nicht untypisch, wenn die Aktienmärkte sich fortan schrittweise weiter erholten, unterbrochen von diversen Verschnaufpausen, in denen die bekannten Probleme nochmals in den Vordergrund treten“.

    Eines der Probleme hat sich aktuell verschärft: Die schwachen chinesischen Einkaufsmanagerindizes bremsten anfänglich die Erholung am Aktienmarkt an diesem Montag aus.

    Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Juli gab mit 49 Punkten erneut überraschend in den Kontraktionsbereich nach. Dies war das vierte Ergebnis unter 50 in den vergangenen fünf Monaten.

    Werte über 50 zeigen eine wachsende, unter 50 eine schrumpfende Wirtschaft an. Die Konsensprognose des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg hatte 50,3 erwartet, der Juni-Wert lag bei 50,2.

    Der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Privatsektors fiel mit 50,4 nach bisher 51,7 ebenfalls deutlich schwächer als erwartet aus. Im Caixin werden kleinere private Unternehmen erfasst, sodass der schwache Wert nach Ansicht des Commerzbank-Devisenanalysten Charlie Lay die Belastungen verdeutlicht, mit denen die Wirtschaft gegenwärtig konfrontiert ist.

    Wenn sich die Wirtschaft in China abkühlt, treibt das der gesamten Welt Sorgenfalten auf die Stirn. Die Kombination aus der Zero-Covid-Strategie und der anhaltenden Immobilienkrise drückt im Reich der Mitte auf die Stimmung.

    Dax hat laut technischer Analyse weiteres Kurspotenzial

    In einer technischen Analyse hat das Überwinden der Marke von 13.400 Punkten am vergangenen Freitag den Aufwärtstrend bestätigt. Nach Meinung von Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, ergibt sich daraus ein weiteres Kurspotenzial von 1000 Zählern.

    Sieben Handelstage hatte sich der deutsche Leitindex an dieser Marke „abgearbeitet“, bis endlich der Sprung darüber gelang. Entsprechend ist nun dieser Bereich die erste Unterstützungsmarke.

    Am Freitag kam es noch zu einer Aufwärtskurslücke, quasi einer Neubewertung des Marktes. Diese Aufwärtskurslücke ist entstanden, weil der tiefste Kurs am Freitag mit 13.341 Zählern deutlich über der höchsten Notierung am Donnerstag mit 13.289 Punkten lag.

    Um die jüngste Steilvorlage nicht zu gefährden, sollten die deutschen Standardwerte diese Kurslücke nicht mehr schließen, meint Scherer. „Deshalb bietet sich die Marke von 13.289 Punkten als Absicherung auf der Unterseite an“.

    Blick auf Einzelwerte

    Varta: Das Unternehmen macht sich in diesem Jahr auf einen Gewinneinbruch und stagnierende Umsätze gefasst. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll um bis zu 29 Prozent schrumpfen. Die Aktie rutschte in der Spitze um mehr als 13 Prozent ab. Am Abend stand ein Minus von 3,5 Prozent.

    Über diesen Kurseinbruch dürften sich Hedgefonds freuen, die in den vergangenen Wochen massiv auf fallende Kurse bei dem Batteriehersteller gesetzt hatten. Bei Varta war die Short-Quote mit über 25 Prozent extrem hoch und lag nur unwesentlich unter dem Wert von 25,87 Prozent, den das Analysehaus S3 für den Immobilienkonzern Adler Group auswies, als er in die Krise schlitterte.

    Der Umsatz am heutigen Mittwoch ist mit 500.000 gehandelten Stücken bis 16.30 Uhr sehr hoch. Am vergangenen Freitag lag dieser Wert insgesamt bei 223.331 Papieren, üblich sind Werte unterhalb von 100.000 Aktien pro Handelstag. Auch Verkäufe mit 14.825 und 11.239 Aktien, die jeweils zu einem Kurs abgerechnet werden, sind für solch eine Aktie ungewöhnlich hoch.

    Das hohe Handelsvolumen lässt vermuten, dass einige Short-Seller zum Wochenauftakt Kasse machen. Denn Hedgefonds nutzen sogenannte Leerverkäufe für ihre Short-Wetten.

    Damit können sie entweder direkt auf fallende Kurse wetten oder sich gegen Kursrisiken absichern. Dafür leihen sich die Hedgefonds Aktien gegen eine Gebühr und verkaufen diese sofort in der Erwartung, dass sie die Aktien vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.

    Seit Jahresanfang ist die Aktie um über 40 Prozent gefallen. Zuletzt geriet sie unter Druck, als bekannt wurde, dass der österreichische Investor Michael Tojner in den fallenden Markt hinein Varta-Aktien im Wert von 22,5 Millionen Euro verkauft hatte.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Covestro: Die US-Bank JP Morgan hat das Kursziel für Covestro von 48 auf 40 Euro gesenkt und die Einstufung auf „neutral“ belassen. Nach der abermaligen Gewinnwarnung des Kunststoffkonzerns liege die Mitte der Zielspanne für das operative Ergebnis (Ebitda) nun 16 Prozent unter der Konsensschätzung und vier Prozent unter seiner jüngst gesenkten Prognose. Die Aktie notierte zum Handelsbeginn fünf Prozent im Minus. Sie beendete den Handel 0,5 Prozent tiefer. Die vorläufigen Quartalsergebnisse von Covestro seien aber besser als erwartet, gab Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank zu bedenken.

    Stabilus: Das Unternehmen hat nach einem bereits starken zweiten Quartal sein Umsatz- und Ergebniswachstum im dritten Quartal weiter beschleunigt. Die Aktien des Autozulieferers stiegen um 2,4 Prozent.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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