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02.12.2021

17:42

Dax aktuell

Dax verlor mehr als 200 Punkte – Türkische Notenbank scheiterte mit ihrem Versuch, die Lira zu stützen

Von: Jürgen Röder

Die Umfrage der Börse Frankfurt unter Profis und Privatanlegern stützt die These: Die derzeitige Börsenphase ist eine Konsolidierung im Aufwärtstrend.

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag die Gewinne des Vortags verarbeitet und zu einem großen Teil wieder rückgängig gemacht. Der Dax schloss bei 15.263 Zählern, ein Minus von 1,4 Prozent, mehr als 200 Stellen weniger als am Vortag. Am Mittwoch hatte die Frankfurter Benchmark den Handel 2,5 Prozent im Plus bei 15.473 Punkten beendet.

Trotz der Abschläge pendelte der Index jedoch weiterhin in seiner bisherigen Wochenspanne zwischen 15.540 Punkten auf der Ober- und 15.015 Punkten auf der Unterseite. Ein Ausbruch aus dieser Handelsspanne wäre kurzfristig wegweisend für die neue Richtung am Aktienmarkt gewesen.

Der Kursrutsch, der am Freitag vergangener Woche begann, verlief bislang konstruktiv. Bei negativen Nachrichten – wie von der neuen Omikron-Variante oder einer möglicherweise früheren Zinserhöhung in den USA – wurde verkauft. Gab es keine negativen Nachrichten, wurde wieder gekauft – so wie am Mittwoch.

Solch ein Verhalten spricht gegen eine Korrektur am Aktienmarkt, die bei einem Rückgang von mindestens zehn Prozent erreicht wäre. Konkreter formuliert: Möglicherweise fällt der Dax in den kommenden Tagen wieder in Richtung 15.000 Punkte oder sogar leicht darunter. Aber ein nachhaltiger Kursrutsch unter die wegweisende Marke von rund 14.800 Punkten wird mehr und mehr unwahrscheinlich.

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    Im Bereich von 14.800 Zählern liegt die untere Begrenzung der sechsmonatigen Seitwärtsphase von Anfang April bis Anfang November. Ein nachhaltiger Kursrutsch darunter dürfte laut technischer Analyse weitere deutliche Verluste nach sich ziehen.

    Auch die Umfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden institutionellen Investoren und Privatanlegern stützt die These, dass die derzeitige Börsenphase nur eine Konsolidierung im Aufwärtstrend ist – auch wenn diese mit einem Minus von 8,5 Prozent die größte und zugleich die schnellste in diesem Börsenjahr ist.

    Viele Anlageprofis haben ihre Short-Spekulationen in den vergangenen Tagen mit Gewinn verkauft und sind mit neuen Long-Engagements auf die Bullenseite gewechselt, was laut Sentimentanalyse ein negatives Zeichen ist. Denn die neuen Bullen fallen zum einen als Käufer aus und nehmen zum anderen möglicherweise bald Gewinne mit.

    Doch nach Ansicht des Verhaltensökonomen Joachim Goldberg, der die Umfrage auswertet, reicht diese Anzahl an neuen Bullen nicht aus, um sich im Fall von weiteren langfristigen Kapitalströmen in die Aktienmärkte auszubremsen. Seiner Meinung nach stehen die Chancen gut, dass die Kurse wieder steigen, wenn sich die Volatilität am Markt wieder etwas beruhigt hat.

    Nur wenige Privatanleger haben ihre Aktien verkauft

    Interessanterweise haben nur einige Privatanleger Short-Produkte gekauft, insgesamt hat diese Anlegergruppe laut der Frankfurter Erhebung trotz des Kursrutsches aber nur wenig Aktien verkauft. Für den Sentimentexperten Joachim Goldberg waren das Gewinne, die zwar mental längst vereinnahmt, aber real nicht mitgenommen wurden. Stattdessen sind diese Buchgewinne weggeschmolzen und fühlen sich nun für manch einen mental wie ein Verlust an, den man nicht realisieren möchte.

    Das aktuelle Ergebnis um der Sentimentumfrage American Association of Individual Investors (AAII) spricht auch eher gegen einen weiteren Kursrutsch: 26,7 Prozent Bullen stehen inzwischen 42,4 Prozent gegenüber – unter den US-Privatanlegern gab es also einen deutlichen Überhang an Skeptikern, was als positiv zu werten ist, weil noch genügend Käufer bereitstehen.

    Für Optimisten hat bereits der Handelstag am Mittwoch ein erstes frühes Kaufsignal generiert: Der Dax schloss oberhalb der 200-Tage-Linie, die vor allem von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notierte zum Börsenschluss bei 15.263 Zählern.

    Blick auf die Einzelwerte

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    Im Zuge der in drei Wochen anstehenden Veränderungen in den großen europäischen Indizes müssen drei deutsche Unternehmen den breit gefassten Stoxx Europe 600 verlassen. Das Software-Unternehmen Teamviewer, die Immobiliengesellschaft Grand City Properties sowie der Online-Händler für Haustiefbedarf Zooplus. Sie werden von Montag, 20. Dezember an, nicht mehr in dem Index notiert sein.

    Der Abstieg von Teamviewer folgte auf den starken Kursverfall der vergangenen Monate, nachdem das Unternehmen seine hochgesteckten Wachstumsambitionen deutlich zusammengestutzt hatte. Am Donnerstag sank der Kurs nochmals um mehr als fünf Prozent. Grand City verbilligten sich um einen halben Prozent. Die Zooplus-Aktie, die von der Börse genommen werden soll, gab 0,4 Prozent nach.

    Am Aktienmarkt gerieten Chipwerte ins Hintertreffen. Aktien der Chiphersteller Infineon Technologies und ASML fielen um bis zu fünf Prozent. Einem Medienbericht zufolge teilte Apple seinen Teilelieferanten mit, dass sich die Nachfrage nach dem iPhone 13 verlangsamt habe.

    Thyssen-Krupp: Konzernchefin Martina Merz will bei dem Konzern wieder für stabile Gewinne sorgen. Die Zeit der Nullrunden für die Aktionäre soll enden. Die Rückkehr zu verlässlichen Dividendenzahlungen sei „klar als Ziel definiert“. Die Nachricht ließ die Aktionäre kalt, die Aktie fiel um 2,5 Prozent.

    Dürr: Die Aktien stiegen nach einer Hochstufung um 8,2 Prozent und stehen an der MDax-Spitze. Die Deutsche Bank setzte die Bewertung der Titel des Autozulieferers und Anlagenbauers auf „Buy“ von „Hold“ herauf und hob das Kursziel auf 60 von zuvor 35 Euro an. Am Mittwoch waren die Papiere bei 36,06 Euro aus dem Handel gegangen.

    Ölpreise nach Opec+ Entscheid auf Talfahrt

    Aus Furcht vor einem wachsenden Überangebot in den kommenden Monaten ziehen sich Anleger aus dem Ölmarkt zurück. Die Sorte Brent aus der Nordsee und die US-Sorte WTI verbilligten sich am Donnerstag zeitweise um jeweils knapp fünf Prozent auf 65,72 beziehungsweise 62,43 Dollar je Barrel (159 Liter).

    Auslöser des Ausverkaufs war die Entscheidung der „Opec+“, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, an der monatlichen Ausweitung der Fördermengen festzuhalten. Die Gruppe will die Quoten im Januar wie zuletzt auch um 400.000 Barrel pro Tag anheben.

    Opec+ rechnet im ersten Quartal 2022 nun mit einem Überangebot von drei statt 2,3 Millionen Barrel pro Tag. Allerdings haben einige Exportländer ihre Quoten wegen maroder Förderanlagen bislang nicht erfüllen können.

    Türkische Zentralbank scheitert mit Devisenintervention

    Die türkische Zentralbank griff nach eigenen Angaben am Mittwoch in den Devisenmarkt ein und versuchte die Lira zu stützen. Für die Devisenanalysten der Commerzbank ist dadurch „das Risiko weiterer krisenhafter Abwertung gestiegen“. Ulrich Leuchtmann fasst zusammen: „So ist's halt mit gescheiterten Interventionen: Sie machen alles nur schlimmer“.

    Denn trotz der Intervention lag die türkische Lira wieder sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro jeweils in der Nähe des Rekordtiefs. Das gültige Rekordhoch aus Dollar-Sicht lag derzeit bei 13,8716 Lira, beim Euro bei 15,6473 Lira.

    Denn der Markt weiß: Der Netto-Bestand an Devisenreserven der türkischen Zentralbank ist nahe Null. Denn von den ausgewiesenen Devisenreserven von 88 Milliarden Dollar vor der Intervention gehörten 55 Milliarden Dollar Geschäftsbanken. „Bleiben 33 Milliarden Dollar, also ungefähr das Handelsbilanzdefizit von Januar bis Oktober“, rechnet Leuchtmann vor.

    Die Zentralbank hätte auf den vollen Brutto-Bestand von 88 Milliarden Dollar zurückgreifen können, was ein buchhalterischer Trick wäre. „Denn sie muss entweder rasch wieder an Devisen kommen oder ihre heimischen Gläubiger im Regen stehen lassen was mögliche Belastungen, die denen aus der Lira-Schwäche erwachsen, verschärft“, meint der Devisenexperte. Nun wurde am vergangenen Mittwoch ein Teil „des bescheidenen Reservebestandes wirkungslos verpulvert“. Kein Wunder, das solche Interventionen der Notenbank nicht erfolgreich sein können.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

    Mit Agenturmaterial

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