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09.03.2022

17:41

Erleichterungsrally in Frankfurt.

Dax-Tafel

Erleichterungsrally in Frankfurt.

Dax aktuell

Fulminante Bärenmarktrally: Dax schließt mehr als 1000 Punkte höher – Neun Aktien mit zweistelligem Plus

Von: Jürgen Röder

Nur einer der 40 Dax-Werte beendet den Handel mit Verlusten. Doch für ein Ende des Abwärtstrends hat der deutsche Leitindex noch einen weiten Weg vor sich.

Düsseldorf Der deutsche Leitindex Dax hat am Mittwoch eine fulminante Bärenmarktrally hingelegt: Das wichtigste deutsche Börsenbarometer schloss in Frankfurt 1016 Punkte oder fast acht Prozent im Plus bei 13.848 Zählern. Es war zugleich das Tageshoch.

Insgesamt gingen 39 von 40 Dax-Werten mit Gewinnen aus dem Handel, neun Indexmitglieder verbuchten gar prozentual zweistellige Zuwächse. Nach Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2021 zählten Adidas und Deutsche Post zu den größten Gewinnern. Lediglich die zuletzt stärker gefragte Siemens-Energy-Aktie verzeichnete ein leichtes Minus.

Einen derart großen Zuwachs hatte der Dax zuletzt vor zwei Jahren verbucht, inmitten der Erholung nach dem Corona-Crash. Sollte der Dax seine Gewinne nachhaltig behalten, würde auch die Bärenmarktphase vorzeitig enden, in die der Leitindex vor wenigen Handelstagen eingetreten war.

Trotz der deutlichen Kursgewinne handelt es sich bislang nur um eine Erleichterungsrally, um eine Gegenbewegung in einem nach wie vor intakten Abwärtstrend. Um den zu beenden, hat das Börsenbarometer noch einen weiten Weg vor sich.

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    Erst bei Kursen oberhalb von 15.000 Punkten würde es wieder insgesamt bessere Aussichten geben. Knapp über dieser bedeutenden Widerstandsmarke liegen zudem die wichtigen drei Durchschnittslinien, die den kurz-, mittel- und langfristigen Trend anzeigen.

    Doch es gibt auch Grund zur Freude für Anleger. Denn mit den Kursgewinnen hat der deutsche Leitindex am Mittwoch seine Tendenzen einer Stabilisierung deutlich verstärkt. Das Hoch vom vergangenen Montag in Form von 13.150 Punkten wurde überwunden. Solch eine Tatsache lockt viele Schnäppchenjäger in den Markt, und einige Shortseller müssen nun ihre Positionen auf fallende Kurse schließen.

    Dieser technische Effekt erwies sich im Handelsverlauf als wichtiger Treiber, sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets: „Jetzt, wo sich die ersten mutigen Käufer in den Markt trauen, werden diejenigen, die auf weiter fallende Kurse spekuliert haben, in einen sogenannten Short-Squeeze gezwungen.“ Sie beenden also ihre Wetten und treiben dadurch den Markt weiter an.

    Trotz der freundlichen Stimmung sollten Anleger nicht die Unterseite aus dem Blick verlieren. Dabei geht es um die Marke von 12.438 Punkten, die am Montag erreicht wurde. Es ist die tiefste Notierung in dem noch jungen Börsenjahr, das bislang eine riesige Enttäuschung war.

    Anleger sollten einen erneuten Test des Jahrestiefs einkalkulieren, also noch einmal mit Kursen unterhalb von 12.500 Punkten rechnen. Zumindest war solch ein erneuter Test des Tiefpunkts bei den größeren Trendwenden in der jüngsten Vergangenheit üblich, dem Coronacrash im März 2020 und vor dem Beginn der Impfstoffrally Anfang November 2020.

    Auch Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege beim Fondshaus Fidelity International, sieht derzeit an den Börsen nur eine Gegenbewegung. „Der finale Ausverkauf hat noch nicht stattgefunden“. Die „Jojo-Börse“ mit ihren deutlichen Tagesschwankungen werde wohl auch in den kommenden Tagen anhalten.

    Ölpreise rutschen fünf Prozent ab

    Der Einfuhrstopp der USA für russisches Öl und Gas hat die Ölpreise am Mittwoch zunächst weiter angetrieben. Sowohl die Nordseesorte Brent als die US-Sorte WTI kletterten rund zwei Prozent nach oben. Doch im Nachmittagshandel rutschten die Kurse wieder ab. Am Abend notiert Brent bei rund 120,40 Dollar, ein Minus von sechs Prozent. Auch der WTI-Kurs gab über fünf Prozent nach, ein Barrel kostet 117,44 Dollar.

    Ein vermutlich wichtiger Einflussfaktor: Die Internationale Energieagentur (IEA) tritt der Furcht der Anleger vor Öl-Lieferengpässen durch blockierte russische Zuflüsse entgegen. Die IEA stehe bereit, zusätzliche Öl-Reserven freizugeben, um mehr Öl auf die Märkte zu bringen, sagte Agenturchef Fatih Birol auf einer Energiekonferenz in Paris.

    Die Ölpreise sind um mehr als 30 Prozent gestiegen, seit Russland in die Ukraine einmarschiert ist und die Vereinigten Staaten und andere Länder eine Reihe von Sanktionen verhängt haben. Russische Öl- und Gasexporte wurden allerdings bereits vor dem Verbot gemieden, da Händler sich auf künftige Sanktionen einstellten.

    Russland als weltweit zweitgrößter Ölexporteur wird die Maßnahmen Analysten zufolge deutlich zu spüren bekommen. Goldman Sachs rechnet damit, dass mehr als die Hälfte des aus Häfen exportierten russischen Öls liegen bleiben wird. JP Morgan schätzt, dass rund 70 Prozent des russischen Seeöls Schwierigkeiten haben wird, Käufer zu finden.

    Die befürchteten Lieferunterbrechungen aus Russland dürften die Preise weiter anheizen, sagte Hiroyuki Kikukawa, Investmentstratege bei Nissan Securities. „Aber die Höchststände vom Montag werden wahrscheinlich kurzfristig zu einer Obergrenze, da erwartet wird, dass sich die spekulativen Käufe bald verlangsamen und die Länder der nördlichen Hemisphäre auf den Frühling zusteuern, wenn die Kraftstoffnachfrage sinkt.“ Am Montag waren die Preise auf ihre höchsten Stände seit Juli 2008 gesprungen, Brent hatte bei 139,13 Dollar notiert.

    Börsen setzen Handel mit Nickel aus

    Auch die Preise an den Metallbörsen beruhigen sich nach ihren extremen Kurssteigerungen. Das für Autokatalysatoren verwendete Palladium, dessen Haupt-Exporteur Russland ist, verbilligt sich zwischenzeitlich um knapp sieben Prozent, ehe es am Abend wieder leicht bergauf geht. Aluminium, das im Flugzeug- und Automobilbau benötigt wird, verliert vier Prozent und notiert bei 3357 Dollar je Tonne. Kupfer liegt drei Prozent tiefer.

    Der Handel mit dem zur Stahl-Herstellung benötigten Nickel, das sich zuletzt um mehr als das Doppelte auf ein Rekordhoch verteuert hatte, blieb an der Londoner Metallbörse ausgesetzt. Mittlerweile werden auch die asiatischen Terminkontrakte in Schanghai für einen Tag lang nicht gehandelt.

    Spekulationen auf Engpässe bei den Lieferungen aus Russland, einen der wichtigsten Exporteure des Rohstoffes, hatten den Preis am Dienstag in London erstmals über die Marke von 100.000 Dollar je Tonne getrieben. In Schanghai sprang der Preis am Mittwoch um 17 Prozent hoch und erreichte ein Handelslimit.

    Der chinesische Nickelproduzent Tsingshan Holding Group habe angesichts seiner Wetten auf fallende Nickelpreise große Mengen des Metalls kaufen müssen, um kostspielige Nachschussforderungen zu reduzieren, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das habe die Rally zusätzlich angeheizt.

    Goldpreis rutscht unter die 2000-Dollar-Marke

    In einem für riskantere Assets wieder freundlicheren Marktumfeld hat Gold an Wert verloren. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls lag mehr als zwei Prozent tiefer an der Marke von 2000 Dollar. Am Dienstagabend war der Preis in der Spitze mit 2070 Dollar nur um fünf Dollar unter dem Rekord vom August 2020 geblieben.

    Seit Beginn der Invasion Russlands hat sich der Anstieg beschleunigt. Seit Ende 2021 beläuft sich das Plus auf knapp zwölf Prozent; dabei gehen sieben Prozentpunkte auf den Anstieg seit dem russischen Einmarsch zurück. In Euro bewegt sich Gold schon seit Tagen von einem Rekordhoch zum nächsten. Die aktuelle Bestmarke liegt bei 1902 Euro. Doch am Mittwoch fiel der Preis auch hier zurück.

    Nach Meinung von Alexander Zumpfe vom Edelmetallhändler Heraeus „kommt nur wenig Metall zurück in den Markt“. Privatanleger nehmen also ungeachtet des hohen Preises nur zögerlich Gewinne mit, indem sie ihre Bestände verkaufen. Gefragt sind stattdessen alle Barrengrößen, aber insbesondere kleine Barren bis 100 Gramm. „Es gibt derzeit nur sehr wenige Gründe, die gegen einen steigenden Goldpreis sprechen“, meint der Metallexperte.

    Weiter bergab ging es derweil für den Rubel. Der Dollar stieg im Vergleich zur russischen Devise am Abend um rund sieben Prozent auf 128,25 Rubel. Das Rekordhoch liegt bei 150 Rubel. Händler bezeichnen das Handelsgeschehen als extrem illiquide. Der Handel mit Aktien und Derivaten ist in Moskau seit Beginn der Invasion Russlands gegen die Ukraine in weiten Teilen von der Zentralbank stillgelegt worden.

    Blick auf die Einzelwerte

    Deutsche Post: Das Unternehmen hebt nach einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr die Dividende deutlich an. Zudem verkündete der Bonner Konzern einen weiteren Aktienrückkauf. Diese Nachrichten sorgten bei der Aktie für ein Plus von 12,5 Prozent.

    Für das laufende Jahr zeigte sich Post-Chef Frank Appel allerdings vorsichtig: Er erwartet nach einem Gewinnsprung für 2022 nur noch ein stagnierendes operatives Ergebnis. Die wirtschaftlichen Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine seien in der Prognose nicht enthalten. Mittelfristig will der Konzern seinen Gewinn weiter steigern.

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    Adidas: Der weltweit zweitgrößte Sportartikelkonzern will in diesem Jahr Umsatz und Gewinn prozentual zweistellig steigern. Und das trotz des Rückzugs aus Russland infolge des Ukrainekriegs. Die Aktie war aufgrund der Prognose mit einem Plus von 13,6 Prozent stärkster Dax-Wert.

    Brenntag: Der Chemikalienhändler hat Lieferengpässen getrotzt und Rekordergebnisse erzielt. Die Aktionäre sollen mit einer um zehn Cent auf 1,45 Euro je Aktie angehobene Dividende beteiligt werden, was der Aktie ein Plus von sieben Prozent bescherte.

    Klöckner & Co: Der Stahlhändler erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang. Die Preisdynamik werde wohl nicht so stark sein wie im Vorjahr, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht. Daher werde das operative Ergebnis deutlich niedriger ausfallen. KlöCo hatte 2021 das beste Betriebsergebnis seit dem Börsengang 2006 erzielt. Die Aktie legte um fünf Prozent zu.

    Deutsche Pfandbriefbank: Im Kleinwerte-Index SDax war die Aktie mit einem Kurssprung von 119,5Prozent unangefochtener Spitzenreiter. Der Immobilienfinanzierer übertraf sein Gewinnziel im zweiten Corona-Jahr auch dank einer verbesserten Lage bei Kreditausfällen.

    Siltronic: Für die Aktien ging es nach Vorlage der Jahreszahlen um über zwölf Prozent hoch. Der Waferhersteller schlug nach einem Gewinnsprung eine 50-prozentige Dividendensteigerung vor und will 2022 trotz steigender Kosten profitabler werden.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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