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15.07.2022

17:52

Dax aktuell

Größtes Tagesplus seit März: Schnäppchenjäger schieben den Dax kräftig an

Von: Anke Rezmer

Zum Wochenausklang haben die Kurse an Europas Aktienmärkten deutlich zugelegt. Gleichwohl dürfte die Stimmung an den Märkten volatil bleiben.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Frankfurt Nach deutlichen Verlusten am Donnerstag hat der Dax am Freitag das größte Tagesplus seit März verzeichnet: Nach Eröffnung der US-Börsen legte der Leitindex weiter zu und ging mit einem Plus von 2,8 Prozent bei 12.865 Punkten aus dem Handel. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 kletterte um 2,4Prozent auf 3479 Zähler. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex 1,9 Prozent im Minus geschlossen bei 12.520 Punkten.

Händler sprechen von „Schnäppchenjägern“, die auf den nun wieder niedrigeren Niveaus Einstiegschancen wittern. Positiv kamen bei Anlegern am Nachmittag die überraschend starken US-Einzelhandelsumsätze an. Die Kauflaune der US-Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Auch der US-Aktienmarkt startete mit deutlichen Kursgewinnen in den Freitagshandel.

Gleichwohl bleibe die Stimmung an den Aktienmärken labil, heißt es. So sorgen sich Anleger über die stark gestiegene US-Inflation auf 9,1 Prozent im Juni, die Spekulationen über ein aggressives Gegensteuern der US-Notenbank Fed befeuert.

Viele Investoren rechnen mittlerweile damit, dass die Fed im Kampf gegen die Inflation die Zinsen diesen Monat um einen vollen Prozentpunkt anheben könnte. Allerdings nahmen die Fed-Mitglieder Christopher Waller und James Bullard etwas Wind aus den Segeln und betonten, dass sie eine Bewegung um 75 Basispunkte bevorzugen würden.

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    Auch schwache Wirtschaftsdaten aus China beschäftigen Investoren. Chinas Wirtschaftswachstum ist im Frühjahr eingebrochen und schürt damit Sorgen einer globalen Konjunkturabkühlung.

    Vor allem wegen der harten Corona-Lockdowns legte das Bruttoinlandsprodukt binnen Jahresfrist nur um magere 0,4 Prozent zu, wie Peking am Freitag bekannt gab. Allerdings seien die Einzelhandelsumsätze besser als erwartet ausgefallen, meinten Strategen. Der CSI300-Index der 300 größten börsennotierten Festlandunternehmen sackte um deutliche 1,6 Prozent ab.

    Im Blick der Anleger steht außerdem die Regierungskrise in Italien: Obwohl die Regierung von Mario Draghi ein Misstrauensvotum überstanden hatte, gab der Ministerpräsident am Donnerstagabend bekannt, sein Rücktrittsgesuch bei Präsident Sergio Mattarella einzureichen. Der Präsident lehnte den Rücktritt jedoch ab. Allerdings kamen im Laufe des Tages Spekulationen über vorgezogene Neuwahlen auf. Die Chancen, die breite Koalition unter dem ehemaligen EZB-Präsidenten wiederzubeleben, wurden in Draghis Umfeld am Freitag als gering eingeschätzt.

    Der Ausverkauf bei Staatsanleihen des Landes hatte sich am Donnerstag beschleunigt. Im Gegenzug waren die Renditen geklettert. Nachdem die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere bis auf 3,549 Prozent gestiegen war, beruhigten sich diese auf 3,35 Prozent. Der Renditeabstand zu den zehnjährigen Bundespapieren vergrößerte sich bis auf 2,28 Prozentpunkte auf den weitesten Abstand seit einem Monat.

    Auch am Aktienmarkt beruhigten sich die Gemüter etwas. Nachdem der italienische Leitindex FTSE MIB am Donnerstag um 3,4 Prozent auf seinen tiefsten Stand seit November 2020 gerutscht war, legte der Index am Freitagabend um zwei Prozent zu.

    Die USA stehen erneut im Fokus der Investoren

    In den USA veröffentlichten nach den Großbanken JP Morgan und Morgan Stanley einige Rivalen Geschäftszahlen des zweiten Quartals. Die Branche startete schlecht in die Bilanzsaison: Wegen Milliardenrückstellungen meldeten die Institute einen Gewinneinbruch. Wells Fargo berichtete am Nachmittag über hohe Rückstellungen für drohende Kreditverluste und ein schwaches Hypothekenkredit-Geschäft, die der US-Großbank im Frühjahr ebenfalls einen Gewinneinbruch eingebrockt haben. Citigroup berichtete ebenfalls über einen rückläufigen Gewinn, aber zugleich über ein starkes Handelsergebnis.

    Handelsblatt Today : Anlegerhack: Dieser Index sagt Kursschwankungen voraus

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    Premium Anlegerhack: Dieser Index sagt Kursschwankungen voraus

    Bei seitwärtsgetriebenen oder sinkenden Kursen kann es für Anleger schwierig sein, die Marktsituation zu deuten. Ein Index kann in solch unsicheren Zeiten Orientierung bieten.

    Für kein größeres Störfeuer sorgte indes der sogenannte kleine Verfallstag: An den Terminbörsen verfielen Optionen auf einzelne Aktien und Indizes und wurden abgerechnet. Im Vorfeld und an dem Tag selbst versuchen institutionelle Investoren üblicherweise, die Preise der Papiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

    Investoren dürften zudem weiter auf die Rohstoffmärkte schauen: Der Preis für Kupfer sackte weiter deutlich ab, lag zwischenzeitlich um knapp drei Prozent tiefer und sank unter die Marke von 7000-Dollar je Tonne.

    Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer, ein viel beachtetes Konjunkturbarometer, ist seit Anfang Juli um 30 Prozent gefallen. Das Phänomen fallender Preise an den Terminmärkten bei gleichzeitig knapper Versorgungslage im physischen Handel ist am Kupfermarkt noch stärker ausgeprägt als bei Rohöl.

    Robert Edwards, Experte für Kupfer beim Analysehaus CRU, führt den jüngsten Preisverfall auf den Rückzug von Finanzinvestoren zurück. Diese haben ihre Wetten an den Terminmärkten auf steigende Kupferpreise massiv zurückgefahren. Stéphane Monier, Chefanlagestratege der Privatbank Lombard Odier, bestätigt: „Die Märkte preisen für 2023 zunehmend das Risiko einer Rezession in den USA und Europa ein.“

    „Das Momentum im Dax ist nach wie vor negativ. “ Getty Images; Per-Anders Pettersson

    Handelssaal in Frankfurt

    Das Momentum im Dax ist nach wie vor negativ.

    Der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent hat wieder kanpp die 100-Dollar-Marke für das 159-Liter-Fass (Barrel) überschritten. Der Rohölpreis ist von 123 Dollar pro Barrel Anfang Juni bis auf 97 Dollar gefallen. Das ist jedoch immer noch deutlich über der Spanne von 60 bis 70 Dollar, in der sich der Ölpreis vor dem Ausbruch der Coronakrise bewegt hat, und mit weiter deutlich fallenden Preisen rechnen die wenigsten.

    Denn die Angebotsseite des Ölmarktes ist nach wie vor eingeschränkt. Saudi-Arabien und die übrigen Länder der Ölallianz Opec plus wollen ab September ihre Ölproduktion zwar anheben. Doch viele staatliche Ölexporteure fördern bereits heute am Kapazitätslimit.

    Auch der Goldpreis ist erneut leicht unter Druck und bewegt sich minimal oberhalb der 1700 Dollar je Feinunze. In dieser Woche hat das Edelmetall bisher knapp zwei Prozent verloren.

    Vor allem die Sorge vor einem noch größeren US-Zinsschritt nach den erneut gestiegenen Inflationszahlen lassen den Preis weiter sinken, da Anleihen mit ihren laufenden Erträgen als Alternative zu Gold weiter attraktiver würden. Auch die anhaltende Stärke des US-Dollars belastet den Goldpreis, weil sie das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht.

    Blick auf Einzelwerte

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    VW: Volkswagen-Aktien waren gefragt und gingen mit einem Plus von 5,1 Prozent aus dem Handel. Offenbar begeistert Investoren der gestiegene E-Auto-Absatz. Zwar hat VW im ersten Halbjahr wegen Chipknappheit und Lieferkettenprobleme einen Absatzeinbruch zu verkraften. Weltweit sanken die Verkäufe um 22,2 Prozent auf 3,875 Millionen Fahrzeuge, wie der Wolfsburger Autobauer am Freitag mitteilte. Wobei Zentral- und Osteuropa mit einem Minus von 40,9 Prozent am stärksten betroffen waren. Auch Westeuropa – nach China der zweitgrößte Markt – verzeichnete einen deutlichen Rückgang um 20,7 Prozent. Die Sportwagen-Tochter Porsche, die im vierten Quartal 2022 aufs Börsenparkett soll, kam mit einem Minus von 5,1 Prozent vergleichsweise glimpflich davon.

    Allerdings konnte Volkswagen mit seinen E-Autos kräftige Zuwächse erzielen. Die Auslieferungen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs) schnellten um mehr als ein Viertel auf 217.100. Damit erreichten die BEVs 5,6 Prozent des Gesamtabsatzes. Das ist vor allem auf das deutliche Wachstum in China zurückzuführen, wo sich mit 63.500 BEVs die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdreifachte.

    Lufthansa: Ein Umsatzsprung und ein operativer Gewinn im Quartal geben der Lufthansa Auftrieb. Die Aktien der Fluggesellschaft stiegen zeitweise um neun Prozent und erzielten damit den größten Kurssprung seit gut vier Monaten. Die Papiere führten auch am Abend den MDax an und gingen 6,7 Prozent höher aus dem Handel.

    Uniper: Die Aktien von Uniper sprangen im MDax in der Spitze um fast zehn Prozent. Der angeschlagene Energieversorger profitierte davon, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Verkaufsempfehlung strich und die Titel nun mit „neutral“ empfiehlt. Nach Börsenschluss lag die Aktie 6,1 Prozent höher.

    Software AG: Die Aktien der Software AG verloren bis zu achteinhalb Prozent, konnten die Verluste jedoch eindämmen: Die Titel gingen 1,1 Prozent tiefer aus dem Handel. Der Konzern senkte sein Jahresziel für den Auftragseingang in der Digitalisierungssparte.

    Drägerwerk: Nach Umsatz- und Ergebniseinbrüchen im ersten Halbjahr warfen Anleger Drägerwerk aus den Depots. Die Aktien fielen in der Spitze um mehr als fünf Prozent und gingen 1,9 Prozent im Minus aus dem Handel. Der Medizintechnik-Herstellers habe „fürchterliche“ Quartalszahlen vorgelegt, sagte ein Händler. Angesichts der negativen Ebit-Marge sei es schwer vorstellbar, dass das Profitabilitätsziel im Gesamtjahr erreichbar sei.

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