Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2022

18:07

Dax aktuell

Inflationssorgen lassen die Börsen nicht los – Dax beendet seine Gewinnserie

Von: Andrea Cünnen

Meldungen über die Rekordinflation im Euro-Raum dämpfen die Stimmung an der Börse. Der steigende Ölpreis befeuert die Teuerungsängste zusätzlich.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Frankfurt Nach einer viertägigen Gewinnserie hat der Dax am Dienstag einen Rückschlag erlitten: Steigende Ölpreise und die rekordhohe Preissteigerung in der Eurozone erinnerten die Anleger an die alten Inflationssorgen. Belastet auch von einem schwachen Auftakt an der Wall Street ging der deutsche Leitindex 1,3 Prozent tiefer bei 14.389 Punkten aus dem Handel.

Dennoch gilt nach Ansicht von Martin Güth, Investmentanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Die Inflation lässt die Märkte nicht los.“ Genau das zeigte sich am Dienstag: Die Inflationsrate im Euro-Raum ist im Mai im Vergleich zum Vorjahr auf den Rekordwert von 8,1 Prozent gestiegen. Damit übertraf sie die Prognosen von Ökonomen.

Marktexperten machen sich zunehmend Sorgen wegen der Teuerung. So sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank: „Das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale ist nicht mehr von der Hand zu weisen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, versteht nicht, warum die Europäische Zentralbank (EZB) mit der Abschaffung ihrer Negativzinsen bis Ende des dritten Quartals warten möchte. Schließlich gebe es wieder einen neuen Höchststand bei der Inflation und wieder sei die Inflation auch jenseits der teureren Energie- und Nahrungsmittel gestiegen.

    Embargo lässt den Ölpreis steigen

    Der am Dienstag wieder anziehende Ölpreis drückte zusätzlich auf die Stimmung. Die Rohölpreise stiegen deutlich, nachdem sich die 27 Staats- und Regierungschef der EU am späten Montag auf ein weiter gehendes Embargo für Ölimporte aus Russland geeinigt hatten.

    Das US-Öl der Sorte WTI zur Lieferung im Juli verteuerte sich um 3,2 Prozent auf 118,80 Dollar je Fass, der Preis erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Monaten. Der entsprechende Preis für die in Europa führende Nordseesorte Brent stieg um zwei Prozent auf 124 Dollar und näherte sich damit ebenfalls einem Dreimonatshoch. Jochen Stanzl von CMC Markets sagt dazu: „Eine Preisexplosion in den Bereich von 140 oder 150 US-Dollar wäre das Letzte, was der Aktienmarkt jetzt gebrauchen kann.“

    Der Ölpreisanstieg gab den Aktien von Ölkonzernen neuen Schub. Die Papiere von Unternehmen wie BP und Shell stiegen um jeweils mehr als ein Prozent, die des französischen Ölkonzerns Total um mehr als ein halbes Prozent. Das ist zwar weniger als der Ölpreis, aber dafür markieren die Öl-Aktien allesamt die höchsten Stände seit mehreren Jahren.

    Auf der anderen Seite trennten sich Anleger von Luftfahrtaktien – Treibstoff ist schließlich ein wichtiger Kostenfaktor. Aktien von Unternehmen wie Lufthansa, der British Airways-Mutter IAG oder der Billigflieger Easyjet und Ryanair fielen zeitweise um bis zu vier Prozent.

    Anleiherenditen steigen deutlich

    Die Inflationssorgen zeigen sich auch an den Anleihemärkten. Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen ziehen wieder an. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Dienstag sehr deutlich um 0,100 Prozentpunkte auf fast 2,9. Am Montag gab es feiertagsbedingt keinen Handel in den USA. Anfang Mai hatte die zehnjährige US-Rendite mit 3,13 Prozent indes noch höher gelesen.

    Die für den Euro-Raum maßgebliche Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe näherte sich dagegen mit 1,12 Prozent wieder deutlich ihrem vor wenigen Wochen erreichten Acht-Jahreshoch von 1,13 Prozent an. Am Dienstag zog die Rendite um mehr als 0,06 Prozentpunkte an, nachdem sie am Montag bereits um 0,09 Prozentpunkte gestiegen war.

    Mit Blick auf die Aktienmärkte findet Ralf Fayad, der für die französische Großbank Société Générale über technische Analyse schreibt, die Verschnaufpause des Dax nicht überraschend. Die nächste Widerstandszone für den Dax sieht er bei 14.589 bis 14.603 Punkten. Als Unterstützungsmarken macht er 14.510 und dann 14.464 Punkte aus. Darunter wäre eine deutlichere Abwärtskorrektur in Richtung 14.300 Punkte einzuplanen.

    Auch das wäre zunächst noch nicht dramatisch. Seit seinem Zweimonatstief von 13.381 Punkten am 9. Mai hat der Dax unter Schwankungen schließlich kräftig zugelegt. Dabei gewann die Erholung zuletzt an Stärke.

    In den letzten beiden Mai-Wochen hatten Anlegerinnen und Anleger noch bei einem Dax-Stand über 14.000 Punkten stets rasch Gewinne mitgenommen. Seit dem vergangenen Mittwoch wurde diese Marke jedoch deutlich überschritten.

    Wie weit geht die Bärenmarktrally?

    Viele Privatanlegerinnen und -anleger haben die jüngste Aufwärtsbewegung jedoch weitgehend verpasst. Das geht aus der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment hervor (Lesen Sie hier die Analyse).

    Nur jeder vierte Befragte rechnet für die kommenden drei Monate mit steigenden Kursen. Etwas mehr als ein Drittel erwartet fallende Kurse. Noch etwas mehr rechnen mit einer Seitwärtsbewegung. Es gibt also keine klare Marktmeinung, wie sich die Kurse entwickeln werden.

    Technische Analysten bewerten die Erholung eher als Bärenmarktrally, also eine Situation, in der die Kurse über einen kürzeren Zeitraum wieder deutlich anziehen, bevor sich der Abwärtstrend mit einer längeren Phase fallender Kurse (Bärenmarkt) wieder fortsetzt. Seit seinem Rekordhoch Mitte November von 16.290 Punkten hat der Dax unter dem Strich mehr als zehn Prozent verloren, Anfang März lag er sogar mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordhoch.

    Einzelwerte im Fokus

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

    Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Hellofresh: Nachdem die Aktie des Kochboxenlieferanten am Montag fast zehn Prozent zugelegt hat, nahmen Anleger am Dienstag zumindest teilweise Gewinne mit. Die Aktie beendete den Handel mit einem Minus von 3,4 Prozent.

    Noch mehr, nämlich 3,5 Prozent, gab die Aktie des Online-Essenslieferanten Delivery Hero nach und war damit der größte Verlierer im Dax. Seit Jahresanfang hat die Hellofresh-Aktie rund die Hälfte an Wert Prozent verloren, bei der Delivery-Hero-Aktie sind es sogar mehr als 60 Prozent.

    Lanxess: Die Aktie des Spezialchemiekonzerns hielt sich mit einem Plus von mehr als elf Prozent an der MDax-Spitze. Anlegern gefällt offensichtlich, dass Lanxess mit dem Finanzinvestor Advent das Kunststoffgeschäft des niederländischen Chemieunternehmens DSM für rund 3,7 Milliarden Euro übernimmt. Dieses soll in ein neues Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden.

    DSM: Die DSM-Aktie stieg in Amsterdam sogar zeitweise um fast 13 Prozent, das Papier notierte am Abend acht Prozent im Plus. Das liegt auch daran, dass DSM parallel zum Lanxess-Deal eine milliardenschwere Fusion mit dem Schweizer Duft- und Aromen-Hersteller Firmenich angekündigt hat. Die Analysten der Citigroup meinen, dass damit eine neue Supermacht der Branche entsteht. Das wiederum belastet die Kurse von anderen Duft- und Aromenherstellern. Im Dax zum Beispiel verlor die Aktie von Symrise mehr als drei Prozent.

    Adler Group: Die Aktie des angeschlagenen Immobilienkonzerns gewann rund elf Prozent, hat seit seit Mitte März aber dennoch rund zwei Drittel an Wert eingebüßt. Adler schnitt im ersten Quartal nach eigener Einschätzung im Tagesgeschäft solide ab. Die Nettomieterträge gingen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent zurück. Das operative Ergebnis (FFO1) lag acht Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

    Unilever: Die in diesem Jahr um bis zu 15 Prozent gefallene Aktie von Unilever stieg am Dienstag um knapp neun Prozent. Der Einzug des milliardenschweren aktivistischen Investors Nelson Peltz in den Unilever-Verwaltungsrat lässt Anleger hoffen, dass der Druck auf den Umbau des Konsumgüterkonzerns steigt, nachdem Anfang des Jahres die Übernahme des britischen Pharmakonzerns Glaxo-Smithkline scheiterte.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×