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06.07.2022

18:28

Dax aktuell

Schnäppchenjäger greifen zu: Dax schließt nach Ausverkauf vom Vortag deutlich im Plus

Von: Jürgen Röder

Die Märkte haben das Szenario einer bevorstehenden Gaskrise zunehmend eingepreist. Anders als noch zu Kriegsbeginn glauben Investoren nicht mehr an eine schnelle Lösung.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Den dritten Tag in Folge hat der Dax einen Erholungsversuch gestartet, diesmal aber mit Erfolg. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Tagen behauptete sich der deutsche Leitindex nach einem freundlichen Start im Plus. Über die Ziellinie ging er 1,56 Prozent höher bei 12 594,52 Punkten und damit ungefähr in der Mitte seiner Tagesspanne. Der MDax gewann 1,40 Prozent auf 24 979,41 Zähler.

An den beiden Tagen zuvor war das Börsenbarometer anschließend wieder ins Minus gerutscht. Am Dienstag folgte im Handelsverlauf ein deutlicher Ausverkauf. Der Dax verlor 370 Punkte und rutschte auf ein neues Jahrestief ab, das nun bei 12.390 Punkten liegt.

Die Handelsspanne lag am Dienstag bei 480 Punkten. Eine solche Spannweite erleben Anleger relativ selten. Entsprechend erwarteten laut der täglichen Umfrage zur Entwicklung des heutigen Handelstags auf der Handelsblatt-Website zwei Drittel einen negativen Verlauf.

Es ist interessant zu beobachten, wie in solchen Börsenphasen positive Nachrichten für die Aktienkurse bislang wirkungslos geblieben sind. Am Dienstag war das der chinesische Einkaufsmanagerindex, der trotz eines rasanten Anstiegs den Ausverkauf nicht bremsen konnte.

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    Und am Mittwoch rutschte der Ölpreis zum ersten Mal seit Mai dieses Jahres zwischenzeitlich unter die Marke von 100 Dollar, zumindest der Preis der US-Sorte WTI. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit noch etwas mehr. Und die Citigroup hält es für möglich, dass der Kurs bis zum Jahresende auf 65 Dollar fällt.

    Sollte sich dieser Rutsch unter die 100-Dollar-Marke als nachhaltig erweisen, dann würde das einigen Druck von den hohen Inflationsraten nehmen. Und die Notenbanken müssten die Zinsen nicht mehr so schnell so stark anheben.

    An der Chicagoer Terminbörse hinterlässt diese Entwicklung bereits erste Spuren. Ein Fed-Zinssatz von 3,5 bis 3,75 Prozent galt vor einer Woche bei den Terminmarktprofis noch als die wahrscheinlichste Entwicklung. 47 Prozent glaubten damals daran. Nun ist der Anteil auf 17,6 Prozent gefallen. Knapp die Hälfte erwartet jetzt einen Zinssatz von 3,25 bis 3,5 Prozent zum Jahresende.

    Für die kommende Sitzung der US-Notenbank am 27 Juli ist aber eine Erhöhung um 75 Basispunkte fest eingeplant. Zumindest erwarten das 85 Prozent der Profis. Derzeit liegt der Leitzins der Fed in einer Spanne zwischen 1,5 und 1,75 Prozent.

    Auch der schwache Euro-Kurs ist für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ein zusätzliches Konjunkturpaket. Produkte made in Germany sind nun im Ausland günstiger und damit attraktiver. Am Dienstag hatte der Euro im Vergleich zum Dollar den Abstand zur Parität fast halbiert. Am Mittwoch gibt der Kurs weiter nach und rutschte unter die Marke von 1,02 Dollar. Derzeit sind es 1,0269 Dollar.

    Parallel dazu ist die Bewertung der deutschen Dax-Aktien in Form des Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf ein neues Zehneinhalbjahrestief gefallen. Die niedrigen Kurse und die niedrige Bewertung machen Aktien jetzt wieder attraktiver.

    Gaskrise belastet

    Doch die bevorstehende Gaskrise bleibt zentraler Belastungsfaktor. Die Märkte haben das Szenario zunehmend eingepreist. Dafür spricht der deutliche Anstieg des europäischen Gaspreises, der am Dienstag in der Spitze auf über 175 Euro stieg.

    Zumal diesmal – im Gegensatz zum Anstieg der Gaspreise zu Kriegsbeginn – auch die längerfristigen Gaskontrakte (für Lieferungen im Winter und für Lieferungen in einem Jahr) von diesem Anstieg betroffen sind. „Der Gasmarkt preist somit das Szenario einer lang andauernden Versorgungskrise ein“, sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

    Am heutigen Mittwoch machten einige Investoren am Erdgas-Markt unterdessen Kasse. Der europäische Future fiel um acht Prozent auf 159,60 Euro je Megawattstunde. Auslöser hierfür sei die Intervention der norwegischen Regierung, um den Streik der dortigen Öl- und Gasarbeiter zu beenden, schrieben die Analysten des Branchendienstes Engie EnergyScan. 

    Derweil drückt die Furcht der Anleger vor einem Nachfragerückgang den Preis für Kupfer immer weiter. Das Industriemetall verbilligt sich am Mittwoch um 2,8 Prozent und notiert mit 7807 Dollar je Tonne.

    Die wichtigsten Marken der Charttechnik

    Die technische Lage am deutschen Aktienmarkt ist eindeutig: Der Ausverkauf am Dienstag hat den Abwärtsmodus der vergangenen Monate ausdrücklich bestätigt. Nach Meinung von Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, „müsste das Aktienbarometer schnellstmöglich das alte Verlaufstief von Ende Juni bei 12.619 Punkten zurückerobern, um den größten Verkaufsdruck zu bannen“.

    Auf der Unterseite bieten hoffentlich die Marken von 12.300 und 12.000 Punkten Halt. Die nächste horizontale Unterstützung in Form des Tiefs von Ende Oktober 2020 bei 11.450 Punkten ist dagegen noch ein ganzes Stück entfernt.

    Blick auf die Einzelwerte

    Delivery Hero/Hellofresh: Die beiden schwer gebeutelten Aktien profitierten von Deal zwischen Just Eat Takeaway und Amazon. Im Fahrwasser von Just Eat Takeaway, die in Amsterdam um fast 17 Prozent nach oben schnellten, gewannen Hellofresh an der Dax-Spitze gut sechs Prozent. Das Papier von Delivery Hero im MDax lag zwischenzeitlich sieben Prozent im Plus, gab aber den Großteil der Gewinne wieder ab. Die EU-Wettbewerbshüter haben die Büros des Essenslieferdienstes in Berlin wegen des Verdachts der Kartellbildung durchsucht.

    Software AG: Ein negativer Analystenkommentar setzt dem Kurs zu. Die Aktien des Softwarehauses fallen gegen den Trend um 1,9 Prozent auf 28,66 Euro. Die Experten der Barclays Bank stuften die Titel auf „Underweight“ von „Equal-Weight“ herunter.

    Continental: Ein positiver Analystenkommentar gibt Rückenwind. Die Aktien des Autozulieferers steigen um 1,4 Prozent auf 63,42 Euro. Die Experten der Barclays Bank stuften die Titel auf „Equal-Weight“ von „Underweight“ hoch und hoben das Kursziel auf 70 von 65 Euro an.

    Nordex: Die Investmentbank Stifel hat Nordex von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel von 20 auf neun Euro gesenkt. Der Hersteller von Windkraftanlagen sei „vom Kurs abgetrieben“, wie es in der am Mittwoch vorliegenden Studie heißt. Die Analysten kappten ihre operativen Margenschätzungen bis 2024 deutlich und rechnen mit einem immensen Kapitalverbrauch in diesem Zeitraum. Die Aktie gibt 0,6 Prozent nach und kostet 7,86 Euro.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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