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03.06.2022

17:42

Dax aktuell

Starke US-Arbeitsmarktzahlen drücken Dax bis zum Handelsschluss ins Minus – Magere Wochenbilanz

Von: Anke Rezmer, Ingo Narat

Die starken US-Arbeitsmarktzahlen versetzen Anleger nicht etwa in Euphorie, sondern schüren Ängste. Beim Dax bröckeln die anfänglichen Gewinne.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Frankfurt Der Dax hat am Freitag im Sog wieder schwacher New Yorker Börsen nachgegeben. Starke Jobdaten aus den USA bremsten international das Interesse der Anleger an Aktien.

Dabei präsentierte sich der Dax im Vor-Pfingsthandel zunächst freundlich. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer legte um bis zu 0,7 Prozent, drehte aber nahe der Marke von 14.600 Punkten dann erneut nach unten ab. Schließlich schloss er mehr oder weniger auf seinem Vortagesniveau – 0,2 Prozent im Minus bei 14.460 Punkten.

Seine Wochenbilanz wurde damit noch hauchdünn negativ. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex ein Prozent höher bei 14.485 Punkten geschlossen. Der Euro Stoxx 50 und die führenden US-Indizes hatten ähnlich zugelegt.

Der MDax kam am Freitag nicht groß vom Fleck. Der Index schloss nahezu unverändert 0,03 Prozent tiefer bei 30.224 Punkten.

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    Zins- und Inflationssorgen, der Krieg in der Ukraine und Lieferketten-Probleme belasten die Aktienmärkte seit Wochen. Seit Jahresbeginn verzeichnet der deutsche Leitindex ein Minus von knapp neun Prozent.

    Grund für den Dax-Rückgang am Nachmittag waren vor allem die starken US-Arbeitsmarktdaten. Im Mai stellten die US-Unternehmen mehr Personal ein als erwartet, was als Ausdruck von wirtschaftlicher Zuversicht interpretiert wurde. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Mai um 390.000, die April-Zahl wurde nach oben revidiert.

    US-Investoren nahmen die an sich guten Nachrichten eher negativ auf. Analysten erklären den Zusammenhang so: Je besser die Konjunktur läuft, desto wahrscheinlicher sind weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Die aber würden Kredite für Unternehmen verteuern, Investitionen bremsen und damit die Chancen für weiteres Wachstum verringern.

    „Der Arbeitsmarktbericht steht den Plänen der US-Notenbank nicht im Wege, das Leitzinsband im Juni und Juli um jeweils 50 Basispunkte zu erhöhen“, meint Ulrich Wortberg, Analyst der Helaba. „Zu einer Forcierung der bereits ausgeprägten Zinserwartungen dürfte es aber nicht kommen“, schränkt er ein.

    Für Zuversicht hatten am Freitagvormittag zunächst die überraschend starken deutschen Exporte gesorgt. Die Ausfuhren erholten sich im April vom Schock nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine deutlicher als erwartet. Sie wuchsen wegen gut laufender Geschäfte mit den USA und den Euro-Ländern um 4,4 Prozent zum Vormonat auf 126,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

    Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet, nachdem es im März noch einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang von drei Prozent gegeben hatte. Die Importe legten diesmal mit 3,1 Prozent ebenfalls weitaus stärker als erwartet zu, nach einem Plus von 3,2 Prozent im Vormonat.

    „Logistikprobleme stellen weiterhin eine große Belastung dar.“ Ifo-Präsident Clemens Fuest

    Die deutschen Ausfuhren nach Russland sanken im April allerdings um zehn Prozent auf nur noch 0,8 Milliarden Euro, nachdem sie im März sogar um mehr als 60 Prozent eingebrochen waren. Der Grund dafür waren die Sanktionen als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine und anderer Maßnahmen zur Exportbeschränkung. Die Importe aus Russland gaben sogar um 16,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro nach. Deutschland importiert von dort vor allem Öl und Erdgas.

    Stimmung hat sich aufgehellt

    Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts im Mai bereits den zweiten Monat in Folge aufgehellt. „Die deutsche Industrie bleibt aber vorsichtig“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest dazu. „Logistikprobleme stellen weiterhin eine große Belastung dar.“ Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet dieses Jahr mit einer Stagnation beim Export.

    In der kommenden Woche steht auch die Euro-Zonen-Notenbank im Blick. Am Donnerstag entscheidet der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über seinen weiteren geldpolitischen Kurs. Ökonomen und Investoren gehen davon aus, dass die EZB eine Zinswende beschließt und ankündigt, ihre Anleihekäufe zum Beginn des dritten Quartals zu beenden. Zudem wird erwartet, dass die EZB das Ende des negativen Einlagensatzes und womöglich die erste Leitzinsanhebung seit elf Jahren signalisiert.

    In den Kursen und Renditen der Anleihen ist eine Zinswende bereits vorweggenommen. Die Kurse der marktbestimmenden zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland sind in diesem Jahr bereits mehr als zehn Prozent abgesackt, ihre Renditen sind im Gegenzug deutlich geklettert.

    Die deutsche Bundesanleihe hat ein Acht-Jahres-Hoch bei 1,27 Prozent erreicht. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe hat zwischenzeitlich die Drei-Prozentmarke überstiegen. Am Abend lag sie bei 2,95 Prozent.

    Comeback des Kosmetik-Herstellers Beiersdorf

    Mit Spannung erwarten Anleger am Abend zudem das Ergebnis der regelmäßigen Überprüfung der Deutschen Börse über die Zusammensetzung der Indizes der Dax-Familie. Im Leitindex wird ein Comeback des Kosmetik-Herstellers Beiersdorf erwartet. Außerdem wird wohl der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall in die erste deutsche Börsenliga aufsteigen. Die Aktien schlossen am Freitag 0,1 Prozent im Minus bzw. 5,3 Prozent im Plus. Weichen müssen wohl der Bau-Zulieferer Heidelberg Cement und der Essenslieferant Delivery Hero.

    Der Ölpreis der Nordsee-Ölsorte Brent lag am Freitag mehr als ein Prozent im Plus bei 119,81 US-Dollar pro Barrel, nachdem das Exportkartell Opec+ sich auf höhere Förderquoten für die Sommermonate geeinigt hat. Die Gruppe, zu der neben den Opec-Mitgliedern auch das Förderland Russland gehört, beschloss eine Anhebung von 648.000 Barrel pro Tag für die Monate Juli und August.

    Lage an den Energiemärkten bleibt angespannt

    Eigentlich waren für die drei Monate bis September Anhebungen von 432.000 Barrel pro Tag anvisiert gewesen, um die 2020 im Zuge der Corona-Pandemie beschlossenen Förderkürzungen schrittweise rückgängig zu machen.

    Die Lage an den Energiemärkten bleibt nach Aussage von Strategen angespannt. Sollte der Preis weiter steigen, könnte sich die Inflationsspirale wieder schneller drehen und die Notenbanken veranlassen, die Zinsen deutlicher zu erhöhen, als den Finanzmärkten lieb sei.

    In London wird wegen der Feiern zum 70-jährigen Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. erneut nicht gehandelt. Zum Wochenabschluss bleiben außerdem die Börsen in China und Hongkong wegen eines Feiertags geschlossen.

    Einzelwerte im Blick

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    Adidas und Puma: Bei den Unternehmen gehörte Adidas mit einem Kursgewinn von zwischenzeitlich 1,2 Prozent zu den Favoriten. Die Aktie schloss 0,1 Prozent im Plus. Börsianer verwiesen auf ermutigende Geschäftszahlen von Konkurrenten, die die Branchenstimmung aufhellten. So hatte der Yogabekleidungsspezialist Lululemon ein Quartalsergebnis über Markterwartungen vermeldet und seine Gesamtjahresziele angehoben. Bei Fast Retailing der Mutter der japanischen Modemarke Uniqlo, stiegen die Umsätze den Angaben zufolge im Mai binnen Jahresfrist um 17,5 Prozent. Puma konnte nur im frühen Handel profitieren, später gingen die Anfangsgewinne verloren. Die Aktie schloss 0,5 Prozent im Minus.

    Fresenius: Die Aktien von Fresenius und Fresenius Medical Care gewannen knapp ein halbes Prozent hinzu. Der Medizin- und Krankenhauskonzern will laut Meldungen in seiner Flüssigmedizinsparte zahlreiche Jobs streichen.

    Leonardo: Die Aktie legte um bis zu 3,6 Prozent bis auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 10,58 Euro. Insidern zufolge hat Rheinmetall ein unverbindliches Angebot von bis zu 210 Millionen Euro für 49 Prozent an OTO Melara, der Geschützbau-Sparte des Rüstungskonzerns, abgegeben. Da genaue Geschäftszahlen für OTO Melara nicht vorlägen, sei es schwierig zu beurteilen, ob die Offerte fair sei, kommentierten die Analysten der Banca Akros. Andere Börsianer warnten vor einem möglichen Veto der italienischen Regierung.

    Compugroup Medical: Bei den Kursen des SDax-Mitglieds Compugroup Medical ging es 3,9 Prozent abwärts. Das auf Arztpraxen spezialisierte Software-Unternehmen baut seine Führungssputze um. Das dürfte unter Investoren für Irritationen sorgen, so ein Händler.
    Mit Agenturmaterial

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