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23.11.2021

17:53

Dax aktuell

Wilde Achterbahnfahrt am deutschen Aktienmarkt – Dax schließt unter der 16.000-Punkte-Marke

Von: Jürgen Röder

Jerome Powell bleibt Chef der US-Notenbank. Interessanterweise sorgt gerade diese Konstanz an verschiedenen Märkten für die größten Veränderungen.

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt können sich Anleger über mangelnde Bewegung bei den Kursen nicht beklagen. Innerhalb einer Stunde rutschte der Dax am Dienstagmorgen um 250 Punkte auf das Tagestief von 15.866 Zählern ab.

Danach kämpften die Bären und die Bullen unter den Anlegern um die Deutungshoheit dieses Ausverkaufs: War es nur ein Ausrutscher oder das Ende der laufenden Jahresendrally?

Der Stand zum Handelsschluss deutet eher auf Letzteres hin. Der Dax verlor gut ein Prozent und beendete den Tag beim Stand von 15.937 Punkten. Damit fiel das Börsenbarometer deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten.

Knapp zwei Wochen lang notierte der Dax oberhalb dieses Bereichs, zuvor schwankte der Index mehrere Monate lang in einer Seitwärtsspanne zwischen 16.000 Zählern auf der Ober- und 14.800 Punkten auf der Unterseite.

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    Noch am Freitag vergangener Woche und am gestrigen Montag hielt die 16.000er-Marke. An diesen beiden Tagen gab der Leitindex lediglich bis auf 16.088 sowie 16.090 Punkte nach. Anschließend hievten Käufer die Frankfurter Benchmark wieder über die Marke von 16.100 Zählern.

    Aus technischer Sicht besteht also weiterhin die Gefahr, dass der Index mit einem nachhaltigen Rutsch per Tagesschlusskurs unter 16.000 Stellen seine laufende Jahresendrally beendet und wieder in diese Seitwärtsphase übergeht.

    Die Anlegerumfrage der Börse Frankfurt vom vergangenen Mittwoch hatte knapp unterhalb dieser Marke wieder verstärktes Kaufinteresse erwartet. In diesem Bereich haben auch heimische Anlageprofis, die in den vergangenen beiden Wochen verstärkt auf fallende Kurse gesetzt haben, ihre Short-Positionen aufgelöst und den Markt stabilisiert. Auch die Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment sieht trotz einiger Warnsignale solche Rücksetzer als Kaufgelegenheit an.

    Kurzfristig kommt es jetzt darauf an, ob die Marke von 16.000 Zählern noch einmal überschritten wird. Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners befürchtet: „Ein nachhaltiges Unterschreiten der 16.000 Punkte könnte das positive Sentiment zum Kippen bringen und Gewinnmitnahmen in größerem Stil auslösen.

    Der Grund für den Ausverkauf waren die fallenden Anleihekurse, die sich umgekehrt zu den Renditen entwickeln. Auf dem Parkett wird für das kommende Jahr jetzt mit drei Zinserhöhungen in den USA gerechnet, nachdem US-Präsident Joe Biden den US-Notenbankchef Jerome Powell für eine weitere Amtszeit nominierte. Am Freitag lag der Konsens noch bei zwei Zinsschritten.

    Diese neue Zinserwartung machte sich unmittelbar am Anleihemarkt bemerkbar. Entsprechend stieg die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe von 1,535 Prozent am Freitag auf derzeit 1,6487 Prozent. Und die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen, die besonders sensibel auf Änderungen der Geldpolitik reagieren, haben mit einem Wert von 0,63 Prozent den höchsten Stand seit Anfang März 2020 erreicht.

    Auch der deutsche Rentenmarkt kann sich dem Einfluss des US-Marktes nicht entziehen. Die Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe stieg am gestrigen Montag von minus 0,354 Prozent auf minus 0,290 Prozent. Derzeit liegt dieser Wert bei minus 0,243 Prozent. Für Thomas Altmann steht fest: „Im Moment macht sich die Zinserhöhungsfantasie aus den USA stärker am deutschen Rentenmarkt bemerkbar als der Einfluss der erneuten europäischen Lockdowns.“

    Die Vermutung liegt nahe, dass einige Börsianer sich Lael Brainard an der Spitze der US-Notenbank Fed gewünscht haben. Sie hätte vermutlich für eine längere Zeit die ultralockere Geldpolitik fortgesetzt, Powell will dagegen aus dem Anleihekaufprogramm aussteigen. Interessanterweise sorgt also gerade die Konstanz auf dem Fed-Chefposten an den Börsen für die größten Veränderungen.

    Goldpreis rutscht unter die Marke von 1800 Dollar

    Denn auch am Goldmarkt hat sich die Powell-Nominierung bemerkbar gemacht. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) ist bereits am Montagabend um mehr als zwei Prozent gefallen. Am heutigen Dienstag geht der Rutsch weiter. Derzeit wird das gelbe Edelmetall bei 1775 Dollar gehandelt, ein Minus von 0,8 Prozent.

    Der Preisrückgang dürfte nach Meinung der Commerzbank-Rohstoffanalysten auch durch den Rückzug spekulativer Finanzinvestoren verstärkt worden sein. Diese hatten in den vergangenen Wochen wohl maßgeblich zum Preisanstieg beigetragen.

    Blick auf Einzelwerte

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Aareal Bank: Die Übernahmepläne der Finanzinvestoren Centerbridge und Advent kommen bei Investoren gut an. Die Anteilsscheine des Wiesbadener Immobilienfinanzierers steigen um vier Prozent auf 29,22 Euro. Die Finanzinvestoren stellten 29 Euro je Aareal-Aktie in bar in Aussicht.

    Eon: Die Aktie zählte zu den größten Dax-Verlierern. Die langfristigen Ziele lägen bestenfalls im Rahmen der Schätzungen, erklärte ein Händler. Auch mit einem 27 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramm konnte der neue Eon-Chef Leonhard Birnbaum bei den Anlegern offenbar nicht punkten. Die Eon-Aktie gab bis zum Handelsschluss gut vier Prozent nach auf 10,63 Euro.

    Thyssen-Krupp: Die Aktien rutschten um bis zu 7,8 Prozent ab und schlossen am Abend beim Stand von 10,60 Euro gut sechs Prozent im Minus. Hintergrund ist ein Bericht über die Platzierung von 6,9 Prozent der Anteile an Thyssen-Krupp durch den schwedischen Finanzinvestor Cevian, der damit seine Beteiligung auf 7,9 Prozent fast halbiert hat. Das sei eine böse Überraschung, urteilte ein Händler. „Der aktive Investor scheint Thyssen-Krupp aufzugeben.“ Der Grund hierfür könne eine zu starke Position der Gewerkschaften sein, durch die notwendige Reformen verhindert würden.

    Teamviewer: Unter den Anlegern von Teamviewer sind die Zeiten als mutmaßlicher Kursprofiteur der Pandemie längst in Vergessenheit geraten. Den zweiten Tag in Folge rutscht der Kurs auf eine Rekordtief, das nun bei 11,62 Euro liegt. Nach einem Minus von acht Prozent am Vortag fiel der Kurs am heutigen Dienstag zunächst um weitere 2,9 Prozent und lag zum Handelsschluss 0,6 Prozent im Minus bei 11,90 Euro.

    Der Chef des angeschlagenen Anbieters von Fernwartungslösungen verstimmte die Anleger in einem Interview der „Börsen-Zeitung“ mit der Aussage, dass vorerst weder an eine Dividende noch an Aktienrückkäufe gedacht werde.

    Kuka: Der Roboter-Spezialist soll von der Börse verschwinden. Der chinesische Großaktionär Midea kündigte an, die übrigen Anteilseigner, die zusammen noch fünf Prozent an Kuka halten, über einen Squeeze-Out abzufinden.

    Ein entsprechender Beschluss solle bei der Hauptversammlung im Mai 2022 getroffen werden. Diese Aussicht beflügelte den Aktienkurs. Zum Handelsschluss lagen die Anteilsscheine zehn Prozent im Plus bei 74,40 Euro.

    Synlab: Der Finanzinvestor Cinven und zwei weitere Großaktionäre haben sich von Aktien von Europas größter Laborkette getrennt. Es seien zehn Millionen Synlab-Aktien zu 22,15 Euro je Papier platziert worden, teilten die Transaktion begleitende Banken mit. Die Aktie rutscht deswegen bis Handelsschuss um 13 Prozent auf 21,40 Euro ab.

    Cinven hatte Synlab im Frühjahr an die Börse gebracht, zu einer Bewertung von 5,9 Milliarden Euro einschließlich Schulden. Das Handelsvolumen bei diesem Wert ist eher gering, in den vergangenen drei Monaten wurden durchschnittlich knapp 64.000 Stücke täglich gehandelt.

    Lira-Verfall geht weiter

    Erneut schicken Aussagen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Landeswährung Lira auf ein Rekordtief. Für einen US-Dollar mussten Investoren bis zu 13,4913 Lira auf den Tisch legen, mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vortag. Auch der Euro steigt gegenüber der türkischen Devise auf eine neue Bestmarke, die nun bei 14,6442 Lira liegt, mehr als 14 Prozent gegenüber dem Vortagesschlusskurs.

    Seit Anfang des Jahres hat die Lira rund 60 Prozent an Wert verloren. Erdogan bekräftigte am Montag, gegen die seiner Ansicht nach zu hohen Leitzinsen kämpfen zu wollen.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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