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13.09.2022

23:20

Dow, S&P 500, Nasdaq

US-Inflationsdaten lassen Kurse an der Wall Street einbrechen – Schlechtester Tag seit Juni 2020

Von: Sarah Sendner, Anne Schwedt, Katharina Kort

PremiumDie Aussicht auf einen weiteren starken Zinsschritt schürt neue Rezessionsängste. Der Dow Jones schließt mehr als 1000 Punkte im Minus. Besonders Tech-Werte verlieren deutlich.

Die Unsicherheit an den Märkten ist derzeit groß. AP

Händler an der Börse in New York

Die Unsicherheit an den Märkten ist derzeit groß.

Frankfurt, New York Die schlechten Inflationsdaten haben der Wall Street den höchsten Tagesverlust seit Juni 2020 beschert. So hat die Aussicht auf ein anhaltend hohes Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed die Anleger aus dem Markt vertrieben.

Der Leitindex Dow Jones lag zum Handelsschluss mehr als 1000 Punkte im Minus und schloss fast vier Prozent tiefer bei 31.104 Zählern. Der breiter gefasste S&P 500-Index schloss mehr als vier Prozent im Minus bei 3932 Punkten und damit fast wieder bei seinem Stand vom 6. September.

Noch höher waren die Verluste beim technologielastigen Nasdaq Composite-Index, der mehr als 5,5 Prozent verlor und bei einem Zählerstand von 12.033 Zählern schloss.

Das US-Arbeitsministerium hatte am Morgen einen Rückgang der Inflation auf 8,3 von 8,5 Prozent im Jahresvergleich bekanntgegeben. Analysten hatten allerdings mit einem Wert von 8,1 Prozent gerechnet. Außerdem stieg die Kernrate, bei der stark schwankende Preise von Lebensmitteln und Energie herausgerechnet sind, überraschend stark auf 6,3 Prozent. Die Tatsache, dass die hohen Verbraucherpreise noch immer nicht nachlassen, könnte die US-Notenbank Fed zu einem abermals starken Zinsschritt bewegen und neue Rezessionsängste befeuern.

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    Die jüngsten Zahlen zeigten, dass „das US-Inflations-Problem sehr klebrig ist“ – also nicht so bald weggehen wird, kommentierte Seema Shah, Chef-Strategin von Principal Global Investors. „Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt, wenn die Fed stärker reagieren muss, um die Inflation anzugehen“, sagte Chris Shipley, Chefstratege des North America at Northern Trust Asset Management.

    „Ich glaube, wir könnten vielleicht sogar nochmal auf die Tiefpunkte vom Juni zurückfallen“, sagte der UBS-Börsenhändler Art Cashin gegenüber dem Börsensender CNBC. „Die 3900 Marke ist einfach so verführerisch“, erklärte er und sagte, dass der Einbruch auch technische Gründe hatte. „Es ist nicht so sehr, dass die eine Zahl die Wirtschaft aus dem Lot gebracht hat. Es bedeutet, dass viele Leute, die auf bessere Daten gewettet hatten, überrascht wurden“.

    Fed-Sitzung in der kommenden Woche

    Am nächsten Mittwoch steht der nächste Zinsentscheid der US-Notenbank an. Beobachter erwarten, dass die Fed den Leitzins erneut um 75 Basispunkte anhebt. Das hat sie bereits bei ihren vergangenen beiden Sitzungen getan.

    Vor diesem Hintergrund trennten sich Investoren vor allem von Technologiewerten. Die Aktien von Amazon, Apple, Netflix, des Facebook-Betreibers Meta und der Google-Mutter Alphabet fielen um bis zu 9,4 Prozent. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen. Auch der Chiphersteller und einstige Börsenliebling Nvidia verlor 9,5 Prozent.

    Einzelhändler wie Walmart oder Target gerieten ebenfalls unter Verkaufsdruck. Ihre Aktien büßten bis zu 4,4 Prozent ein. Investoren fürchteten, dass die überraschend hohe US-Inflation den Verbrauchern die Kauflaune verdirbt. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

    Rezessionsängste prägten auch die Kursentwicklung zahlreicher anderer Sektoren. So fielen die Aktien des Flugzeug-Bauers Boeing, des Autokonzerns General Motors (GM), der Restaurant-Kette McDonald's, der Fluggesellschaft United oder des Kreuzfahrt-Veranstalters Carnival um bis zu 7,2 Prozent.

    Aus den Depots flogen auch bereits gehandelte, niedriger verzinste Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bonds hoch auf bis zu 3,46 Prozent von 3,3 Prozent. Die Rendite für zweijährige Anleihen zog an auf 3,7554 Prozent.

    Grafik

    Die Zinsaussichten verhalfen hingegen der US-Währung zu weiteren Gewinnen. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, erreichte ein erneutes einem Plus von 1,3 Prozent auf 109,66 Punkte. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro auf 0,9995 Dollar.

    Abwärts ging es auch mit dem Goldpreis. Weil die Aufwertung der Weltleitwährung das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht, büßte es 1,2 Prozent auf 1704 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein. Außerdem werden Anleihen wegen steigender Renditen eine immer stärkere Konkurrenz als Anlage. Das überlagert den Effekt von Gold als Schutz vor Inflation.

    Ausverkauf auch bei den Kryptowährungen

    Auch die größte Kryptowährung Bitcoin verlor deutlich an Wert, nachdem sich die Anleger aus riskanten Investments zurückzogen. Bis zum US-Börsenschluss ging es für Bitcoin um 9,66 Prozent nach unten auf einen Stand von 20.249 Dollar pro Coin. Für die Währung war es der schlechteste Tag seit Mitte Juni. Noch kurz vor Veröffentlichung der Inflationsdaten hatte Bitcoin noch ein Monatshoch von 22.764 Dollar erreicht.

    Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum verlor ebenfalls mehr als sechs Prozent. Die Anleger hatten eigentlich gehofft, dass der Kurs von Ethereum kurz vor der Netzwerkumstellung auf das energiefreundlichere Proof-of-Stake-Verfahren am 15. September steigen würde.

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    Blick auf die Einzelwerte

    Peloton: Nicht zur Ruhe kommt derweil der Fitness-Spezialist Peloton. Bei dem Unternehmen, das in der Corona-Krise großen Zuspruch erfuhr, gehen mit dem langjährigen Firmenlenker John Foley und dem Rechtsvorstand Hisao Kushi zwei weitere Mitgründer von Bord. Anleger reagierten erschrocken: Die Papiere sackten nach der jüngsten Erholung um zehn Prozent ab.

    Twitter: Die Papiere von Twitter dagegen entwickelten sich positiv, sie schafften es mit 0,8 Prozent ins Plus. Bei dem Kurznachrichtendienst geht der Streit mit Elon Musk um dessen Übernahmeangebot weiter: Die Aktionäre billigten dieses am Dienstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, obwohl es von Musk für ungültig erklärt wurde. Im Oktober soll nun ein Gericht klären, ob er aus der Vereinbarung herauskommt. Mit aktuell 42 Dollar liegt der Kurs deutlich unter dem gebotenen Preis von 54,20 Dollar.

    Rent the Runway: Der Modeverleiher will rund ein Viertel seiner Mitarbeiter entlassen. Zudem will Rent the Runway 25 bis 27 Millionen Dollar Fixkosten einsparen, um den unsicheren makroökonomischen Rahmenbedingungen zu begegnen. Die Aktien rutschten um 38,7 Prozent ab.

    Oatly: Die Aktie fiel um 7,3 Prozent. Die Credit Suisse hatte Oatly von „Outperform“ auf „Neutral“ herabgestuft. Die steigende Inflation in Europa und Asien dürfte die Wettbewerbsfähigkeit des schwedischen Unternehmens, das alternative Milchprodukte herstellt, beeinträchtigen.

    Dow: Das Analysehaus Jefferies hatte das Chemieunternehmen von „Kaufen“ auf „Halten“ herabgestuft hatte und dabei auf Überangebots- und Nachfragerisiken verwiesen. Die Aktie gab um sechs Prozent nach.

    Wolfspeed: Die Aktie des Halbleiterherstellers verlor 2,5 Prozent. Evercore ISI hatte die Aktie mit „Outperform“ eingestuft. Wolfspeed sei „eine der besten Möglichkeiten, in die derzeitige Umstellung auf Elektrofahrzeuge zu investieren“.

    Oracle: Die Anteilsscheine von Oracle stemmten sich zeitweise gegen den schwachen Markt, zuletzt waren aber auch sie mit 1,4 Prozent ins Minus abgetaucht. Der Softwarekonzern überzeugte im ersten Geschäftsquartal mit der Höhe des Umsatzanstiegs, Anleger goutierten dabei den Schwung im Cloud-Geschäft. Allerdings bremste es die Euphorie, dass höhere Betriebskosten den Gewinn um mehr als ein Drittel einbrechen ließen.

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