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05.05.2022

22:06

US-Börsen

Fed sorgt für Panik-Verkäufe an der Wall Street – Nasdaq verliert gut fünf Prozent

Von: Astrid Dörner

PremiumDer Index der Technologiebörse Nasdaq verliert fünf Prozent. Investoren wird klar, dass die US-Notenbank Fed nach der Zinserhöhung keine guten Optionen hat.

Große Nervosität an den US-Börsen. Reuters

Straßenschild an der Wall Street

Große Nervosität an den US-Börsen.

New York Dramatischer Stimmungswechsel an der Wall Street. Am Mittwoch feierten die Aktienmärkte nach der Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) noch den besten Tag seit 2020. Am Donnerstag dann machten sich Panik-Verkäufe breit. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab am Donnerstag um 3,2 Prozent auf 32.982 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 3,6 Prozent auf 4146 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor bis Handelsschluss in New York 5,1 Prozent auf 12.319 Punkte.

Es war der schlechteste Tag in diesem Jahr. Auch die Kryptowährungen waren von der schlechten Stimmung betroffen. Der Bitcoin, die größte und älteste Digitalwährung, verlor am Donnerstag in der Spitze elf Prozent und kostete gut 35.600 Dollar. Es war der größte Kurseinbruch seit Januar, dabei wurde der Bitcoin noch vor wenigen Monaten von einigen Investoren als guter Schutz gegen die steigende Inflation angepriesen.

Fed-Chef Jerome Powell hatte am Mittwoch mit widersprüchlichen Signalen für Verwirrung gesorgt. Die Notenbank hatte die Zinsen im Kampf gegen die Inflation erwartungsgemäß um 50 Basispunkte angehoben. Powell schloss jedoch eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte in einer bevorstehenden Sitzung ausdrücklich aus und nahm den Anlegern damit die Angst vor einer aggressiven Straffung der Geldpolitik.

Das hatte am Mittwoch eine Kursrally ausgelöst, die jedoch nur vor kurzer Dauer war. Vielen Anlegern wurde am Donnerstag offenbar klar, dass die Fed keine guten Optionen zur Auswahl hat.

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    Trotz der milderen Signale Powells „sollten wir uns nicht blenden lassen. Wir glauben, dass die Fed am Anfang einer Phase steht, in der die Zinsen deutlich angehoben werden“, gab Win Thin, Stratege der Privatbank Brown Brothers Harriman, zu bedenken. Das werde den Druck auf Aktien und Tech-Werte im Besonderen erhöhen. Von ihrem jüngsten Allzeithoch im November rund 24 Prozent an Wert verloren.

    Zinsen für US-Anleihen steigen

    Die Folgen der Fed-Entscheidung machten sich am Donnerstag direkt bemerkbar. So stiegen die Zinsen für 30-jährige Hypotheken auf 5,27 Prozent, das war der höchste Stand seit August 2009. Das werde Ökonomen zufolge den boomenden Häusermarkt unter Druck setzen und gleichzeitig die Mieten weiter steigen lassen, weil sich immer weniger Amerikaner ein Haus leisten können.

    Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen stiegen nach einer Pause weiter an. In der Vergangenheit haben solche Phasen der Zinsanhebungen oft zu Rezessionen geführt, weil die Notenbanker die Wirtschaft zu sehr abgekühlt haben.

    Gleichzeitig gab es im Markt jedoch auch die gegenteilige Sorge: Sollte Powell bei der Inflationsbekämpfung nicht hart genug vorgehen, droht den USA eine Phase der Stagflation. Der frühere Fed-Vize, Richard Clarida, hatte diese Befürchtungen am Donnerstag noch verstärkt.

    Den Leitzins möglichst schnell auf ein neutrales Niveau zu bringen, in dem die Wirtschaft weder schrumpft noch wächst, „wird nicht ausreichen, um die Inflation zurück zur Zielmarke von zwei Prozent zu bringen“, heißt es in einem vorab veröffentlichten Manuskript einer Rede, die Clarida am Freitag halten wird. Dieser neutrale Zinssatz wird bei rund 2,5 Prozent gesehen.

    Die Fed hob die Zinsen am Donnerstag auf die Spanne von 0,75 bis ein Prozent. Clarida dagegen hält ein Niveau von mindestens 3,5 Prozent für nötig. Diese Aussage sei „besonders interessant, wenn man bedenkt, dass Clarida während seiner Zeit als Stellvertreter ein sehr enges Verhältnis zu Powell hatte“, so Ökonom Mohamed El-Erian, der unter anderem die Allianz berät.

    Investoren müssen zudem eine Flut von Firmenbilanzen verarbeiten. Ein enttäuschender Ausblick brockte Etsy den größten Kurssturz seit neun Monaten ein. Die Aktien des auf Kunsthandwerk spezialisierten Onlinemarktplatzes rutschten um mehr als 15 Prozent ab.

    Ein Quartalsergebnis über Markterwartungen und die Aussicht auf sprudelnde Gewinne bescherten dem Lithiumproduzenten Albemarle hingegen einen der größten Kurssprünge der Firmengeschichte. Die Aktien des globalen Branchenschwergewichts stiegen um 4,8 Prozent.

    In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend gestiegen. Die Zahl sei um 19.000 auf 200.000 geklettert, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Experten hatten im Schnitt mit 180.000 Anträgen gerechnet. Das Niveau der Hilfsanträge bleibt trotz des Anstiegs im längeren Vergleich niedrig. Die wöchentlichen Erstanträge gelten als kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des Arbeitsmarkts.

    Einzelwerte im Fokus

    Seaworld: Die Aktie des Freizeitparkbetreibers verliert 9,2 Prozent, obwohl das Unternehmen einen geringeren Quartalsverlust als erwartet meldete. Auch die Einnahmen übertrafen die Schätzungen, da die Besucherzahlen über dem Niveau vor der Pandemie lagen.

    Twitter: Twitter zieht um 3,5 Prozent an. Tesla-Chef Elon Musk kommt bei der Finanzierung der insgesamt 44 Milliarden Dollar teuren geplanten Übernahme des Kurznachrichtendienstes voran. So hat er den Angaben zufolge von einer Gruppe von Investoren 7,14 Milliarden Dollar zugesichert bekommen. Aus Unterlagen der US-Wertpapieraufsicht geht hervor, dass Oracle-Mitbegründer Larry Ellison und Investor Ron Baron zu den Geldgebern gehören.

    Shopify: Der bereinigte Quartalsgewinn des Unternehmens lag mit 20 Cent pro Aktie deutlich unter der Konsensschätzung von 64 Cent. Die Shopify-Aktie stürzt um 17,5 Prozent ab. Die E-Commerce-Plattform gab auch einen vorsichtigen Ausblick.

    Booking Holdings: Die Aktie legt rund vier Prozent zu. Das Unternehmen meldete einen unerwartet hohen Quartalsgewinn und -umsatz. Grund war eine gestiegene Nachfrage nach Reisedienstleistungen. Die Muttergesellschaft von Priceline und anderen Diensten verdiente bereinigt 3,90 Dollar pro Aktie und lag damit deutlich über der Konsensschätzung von 90 Cent.

    Ebay: Die Ebay-Aktie fällt um 9,4 Prozent aufgrund einer schwächeren Umsatzprognose, als erwartet worden war. Dabei übertraf das E-Commerce-Unternehmen sowohl die Gewinn- als auch die Umsatzprognosen für das vergangene Quartal. Inflation und eine Rückkehr zu den Einkaufsgewohnheiten vor der Pandemie gehören zu den Faktoren, die die Prognosen von Ebay und anderen E-Commerce-Unternehmen belasten.

    Sunrun: Die Aktie klettert um 0,4 Prozent nach oben, Der Umsatz des Solarunternehmens lag weit über den Erwartungen, obwohl der Quartalsverlust größer ausfiel. Nach Unternehmensangaben hat es „sinnvolle“ Preiserhöhungen gegeben, um die höheren Kosten auszugleichen. Die Nachfrage nach Solaranlagen blieb stark.
    Mit Agenturmaterial.

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