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13.06.2022

23:49

Wall Street

Rezessionsängste schicken US-Börsen auf Talfahrt: Wall Street nun im Bärenmarkt

Von: Sarah Sendner, Leonie Tabea Natzel, Astrid Dörner

PremiumAnleger fürchten eine noch stärkere Antwort der Zentralbanken auf die Inflation. Auch der Anleihemarkt signalisiert einen nahenden Abschwung.

Die Anzeigentafeln für die Börsenkurse färbten sich am Montag weitgehend rot. AP

Händler an der New Yorker Börse

Die Anzeigentafeln für die Börsenkurse färbten sich am Montag weitgehend rot.

New York Die Stimmung an der Wall Street ist so schlecht wie lange nicht mehr. Bis auf fünf Aktien schlossen am Montag alle Titel des marktbreiten S&P 500-Index im Minus – ein seltenes Ereignis. Doch die Furcht vor einer Rezession hat alle Branchen der Wirtschaft im Griff.

Der Dow Jones Index der Standardwerte schloss am Montag 2,8 Prozent im Minus, und notierte 876 Punkte tiefer bei einem Zählerstand von 30.516. Der S&P 500 lag zum Handelsschluss 3,8 Prozent im Minus und notierte bei 3750 Punkten. Er schloss damit im Bärenmarkt – mehr als 20 Prozent unter dem jüngsten Allzeithoch. Das ist der Begriff für eine längere Phase fallender Kurse. Im Schnitt dauert diese ein Jahr.

Angeführt wurde der Abverkauf erneut vom technologielastigen Nasdaq. Er verlor 4,6 Prozent und schloss bei 10.809 Zählern – dem tiefsten Stand seit November 2020.

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    Anleger treibt insbesondere die Befürchtung um, dass die Zentralbanken zu drastischeren Mitteln greifen müssen, um die Inflation in den Griff zu bekommen, sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Am Mittwoch steht ein weiterer Zinsentscheid in den USA an.

    Ursprünglich war vor einer Anhebung um 50 Basispunkte auf dann 1,25 bis 1,5 Prozent ausgegangen worden. Doch jetzt denkt die Fed offenbar darüber nach, um 75 Basispunkte anzuheben, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Es ist äußerst ungewöhnlich, dass die Fed so kurz vor ihrem Treffen darüber nachdenkt, von ihrem Kurs abzuweichen. Doch die überraschend hohe Preissteigerung, die am Freitag bekannt wurde, könnte dies offenbar nötig machen.

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    „So eine News wird nicht ohne Grund in den Markt gespielt“, gab ein Banker in New York zu bedenken. Powell hatte eine Anhebung um 0,75 Prozentpunkte bei der vergangenen Notenbanksitzung Anfang Mai noch ausgeschlossen.

    Die US-Notenbank Fed hatte damals den größten Zinsschritt seit 22 Jahren unternommen und den Leitzins um einen halben Punkt auf die neue Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent angehoben. Doch das war immer noch zu wenig, um die Inflation zu bekämpfen.

    „Die Verbraucherpreise haben ihren Höhepunkt noch nicht erreicht“, sagte Anlagestratege Kenneth Broux von der Bank Société Générale. Da die Geldpolitik in den meisten Industriestaaten noch zu locker sei, würden laufend die Erwartungen über das Tempo der Zinserhöhungen und das Zielniveau nach oben angepasst.

    „Geringeres Wachstum und eine eventuelle Rezession wird zunehmend als Preis hierfür gesehen.“ Dies spiegelte sich in einer Entwicklung am Anleihemarkt wider. Dort warfen zweijährige Staatsanleihen zwischenzeitlich 3,41 Prozent ab – 10-Jährige Anleihen rentierten in der Spitze bei 3,44 Prozent. Im Tagesverlauf rentierten die 2-Jährigen Anleihen sogar über den 10-Jährigen. Dieses Phänomen, inverse Zinskurve genannt, gilt als Vorbote einer Rezession.

    Auch der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, schoss zeitweise um 0,7 Prozent nach oben auf ein 19-1/2-Jahres-Hoch von 105,24 Punkten. Finanzwerte warfen Investoren dagegen aus den Depots.

    Spekulation auf weniger Nachfrage am Rohstoffmarkt

    An den Rohstoffmärkten waren die Pessimisten ebenfalls in der Überzahl. Neue Lockdowns in Teilen der chinesischen Hauptstadt Peking schürten hier zusätzliche Spekulationen auf eine sinkende Nachfrage. Die US-Rohölsorte WTI verbilligte sich auf 120,88 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das Industriemetall Kupfer fiel zwischenzeitlich ebenfalls um ein Prozent auf 9352 Dollar je Tonne. Wegen der Dollar-Stärke, die Gold für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht, konnte sich nicht einmal die „Antikrisen-Währung“ dem Abwärtstrend entziehen und büßte 2,7 Prozent auf 1820 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein.

    Noch steiler abwärts ging es für Bitcoin und Ethereum. Die beiden Kryptowährungen steuerten mit Verlusten von bis zu 23 Prozent auf 22.590 Dollar beziehungsweise von gut 30 Prozent auf 1165 Dollar auf den jeweils größten Tagesverlust seit dem Börsen-Crash vom März 2020 zu. Neben der Rezessionsangst machten Probleme des auf Kryptowährungskredite spezialisierten Finanzdienstleisters Celsius Investoren nervös. „In der Kryptowelt bricht alles zusammen und es wird noch schlimmer“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

    Einzelwerte im Fokus

    Boeing: Anleger ziehen sich wegen der allgemeinen Rezessionsängste auch bei dem Flugzeugbauer zurück. Die Aktie des Airbus-Konkurrenten sank kurz vor Handelsschluss um 8,78 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 114,50 Dollar. Die Titel verloren in diesem Jahr bis zum Handelsschluss am Freitag bereits mehr als ein Drittel. Der Schlusskurs lag schließlich gut acht Prozent tiefer bei 115,86 Dollar.

    Bank of America: Zinsabhängige wachstumsstarke Unternehmen zählten an der Wall Street zu den größten Verlierern. Die Papiere der Bank of America gaben 4,47 Prozent nach.

    Citigroup: Aktien der Citigroup fielen am Montag 4,21 Prozent - auch vor dem Hintergrund, dass die US-Notenbank Fed mit drastischen Zinserhöhungen die Konjunktur abwürgen könnte.

    JP Morgan: Die Titel von JP Morgan gaben 2,94 Prozent nach. Damit fielen die Kursverluste in der Größenordnung der anderen Bankwerte aus.

    Microstrategy: Die milliardenschweren Investitionen in Bitcoin wurden wegen des aktuellen Ausverkaufs bei Kryptowährungen für Microstrategy zu einer Belastung. Die Aktien der Softwarefirma gaben an der Wall Street 25,18 Prozent nach.

    Amazon: Das Unternehmen hatte einen Kursverlust von knapp fünfeinhalb Prozent. Einem Medienbericht zufolge hat der weltgrößte Online-Händler im Konflikt mit den Wettbewerbsbehörden der EU angeboten, die Nutzung von Verbkäuferdaten zu begrenzen und die Sichtbarkeit von Produkten der Konkurrenz auf der Plattform zu verbessern.

    Tesla: Tesla-Papiere verloren über sieben Prozent, obwohl mit dem Elektroautobauer ein weiteres großes US-Unternehmen einen Aktiensplit angekündigt hat, um seine Anteilscheine günstiger für Kleinanleger zu machen. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk hatte am Freitag nach US-Börsenschluss bekannt gegeben, dass der Verwaltungsrat einem Split im Verhältnis von drei zu eins zustimmen werde, wenn die Aktionäre dies bei der anstehenden Hauptversammlung befürworteten. Auch eine Hochstufung durch die kanadische Bank RBC, welche die Aktie nun mit „Outperform„ empfiehlt, half dem Kurs zu Wochenbeginn nicht.

    Mit Agenturmaterial.

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