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23.11.2021

22:50

Wall Street

Spekulationen über Zinserhöhungen bremsen Wall Street aus – Modekette Gap enttäuscht die Anleger

Die Anleger befürchten eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Das belastet vor allem Tech-Werte. Die Modekette Gap senkt den Umsatz- und Gewinnausblick.

Die jüngste Erholung sei getragen worden von Berichten, wonach die Omikron-Variante des Coronavirus zwar ansteckender sei, aber zu weniger Krankenhaus-Aufenthalten und Todesfällen führe. Reuters

Börse in New York

Die jüngste Erholung sei getragen worden von Berichten, wonach die Omikron-Variante des Coronavirus zwar ansteckender sei, aber zu weniger Krankenhaus-Aufenthalten und Todesfällen führe.

Frankfurt Die US-Börsen haben am Dienstag keine gemeinsame Richtung gefunden. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,6 Prozent höher auf 35.813 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab dagegen 0,5 Prozent auf 15.775 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,2 Prozent auf 4690 Punkte zu.

„Es ist denkbar, dass die Zinsen früher als erwartet angehoben werden“, erklärt Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane, die Hintergründe. Das sei zwar positiv für Banken, aber negativ für die übrigen Branchen, vor allem den Technologiesektor.

Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen. Banken winken dagegen bei steigenden Zinsen höhere Gewinne aus dem klassischen Kreditgeschäft.

Genährt wurden die Zinserhöhungsspekulationen von der Nominierung des bisherigen Notenbank-Chefs Jerome Powell für eine zweite Amtszeit. Diese Entscheidung sei ungünstiger für den Aktienmarkt, sagte Benjamin Bente, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Vates. Die Nominierung der für den Posten ebenfalls hoch gehandelten Notenbank-Direktorin Lael Brainard wäre ein Signal für eine längerfristig lockere Geldpolitik gewesen. „Powell wird die Schrauben zumindest ein wenig anziehen.“

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    In Erwartung einer rascheren Drosselung der Fed-Wertpapierkäufe zogen sich Investoren bei US-Staatsanleihen zurück. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Treasuries zeitweise auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,669 Prozent.

    Ölpreis geht nach oben

    Aufwärts ging es dagegen für den Ölpreis, obwohl die USA den Angebotsengpass durch die Freigabe staatlicher Reserven lindern wollen. Börsianer kritisierten, dass Ölfirmen das zusätzliche Rohöl aber zu einem späteren Zeitpunkt zurückgeben müssten. Außerdem wäre die angekündigte Menge von 50 Millionen Fass im Rahmen der jüngst beschlossenen Gesetze zum Schuldenabbau ohnehin verkauft worden. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 78,77 Dollar je Barrel (159 Liter).

    Für Aufsehen sorgte außerdem der größte Kurssturz der türkischen Lira seit mehr als 20 Jahren. Auslöser der Panik-Verkäufe war Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der die jüngsten Zinssenkungen der Notenbank verteidigte und gelobte, trotz Kritik seinen „wirtschaftlichen Unabhängigkeitskrieg“ zu gewinnen. Daraufhin stieg der Dollar um bis zu 18,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 13,4913 Lira. Den Absturz der türkischen Währung könne nur eine Not-Zinserhöhung aufhalten, mahnten die Analysten der Bank Societe Generale (SocGen).

    Blick auf Einzelwerte

    Best Buy: Bei den Einzelwerten sorgte Best Buy mit einem Kurssturz von mehr als zwölf Prozent für Aufsehen. Damit steuerten die Aktien des Elektronik-Händlers auf den größten Tagesverlust seit acht Jahren zu. Wegen Lieferschwierigkeiten warnte das Unternehmen vor einem Weihnachtsgeschäft unter Markterwartungen. Es rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

    Zoom: Mit Enttäuschung reagieren Anleger auf die Geschäftszahlen des Anbieters von Videokonferenzen. Die Aktie steuerte mit einem Minus von gut 18 Prozent auf den größten Tagesverlust der Firmengeschichte zu. Das Unternehmen übertraf mit seinen Quartalsumsätzen zwar die Markterwartungen, das Plus war mit 35 Prozent aber das geringste bisher. Da Zoom zudem in Europa und dem Nahen Osten ein zunehmend schärferer Wind ins Gesicht blase, sei eine weitere Verlangsamung des Wachstums zu erwarten, schreibt Analyst Shebly Seyrafi vom Brokerhaus FBN.

    Dollar Tree: Preiserhöhungen ermuntern Anleger zum Einstieg beim US-Discounter. Die Aktie steigt an der Wall Street um 7,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 142,39 Dollar. Das Unternehmen, bekannt für seine Ein-Dollar-Produkte, will im Kampf gegen steigende Frachtkosten künftig fast alle seine Waren für 1,25 Dollar anbieten. Dollar Tree übertraf mit seinem Umsatz im dritten Quartal zwar die Markterwartungen, der Gewinn schrumpfte allerdings auf 0,96 von 1,39 Dollar je Aktie.

    Pasithea: Die Freigabe eines Antidepressivums in Großbritannien beschert dem Biotech-Unternehmen aus Kalifornien den größten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Aktie steigt an der Wall Street um gut 230 Prozent auf ein Rekordhoch von 7,32 Dollar. In den USA ist das Nasenspray in Kombination mit einem anderen Medikament bereits zur Behandlung hartnäckiger Depressionen zugelassen.

    Gap: Lieferkettenprobleme, steigende Frachtkosten und Fabrikschließungen in Vietnam setzen der Modekette zu. Das Unternehmen geht davon aus, dass ihm bis zu 650 Millionen Dollar an Erlösen entgehen könnten. Es senkt seine Umsatz- und Gewinnziele für das Gesamtjahr, auch wenn die Nachfrage etwa nach Mode seiner Marke Oldy Navy hoch bleibe. Beim Nettoumsatzwachstum geht Gap nunmehr nur noch von 20 Prozent aus statt zuletzt 30 Prozent. Die Gewinnerwartungen schraubt der Konzern auf 1,25 bis 1,40 Dollar je Aktie herunter nach bislang 2,10 bis 2,25 Dollar. Der Kurs des Gap-Papiers bricht nachbörslich um mehr als 14 Prozent ein.

    Urban Outfitters, Abercrombie & Fitch: Steigende Frachtkosten machen auch den Modefirmen Urban Outfitters sowie Abercrombie & Fitch zu schaffen. Erstere legte gemischte Geschäftszahlen vor, während Letztere für das laufende Quartal vor geringeren Margen warnte. Die Aktien von Urban Outfitters fielen daraufhin um neun Prozent. Abercrombie-Titel brachen um mehr als zwölf Prozent ein.

    Walt Disney: Ein drohender Verlust von Filmen und Serien beim Streamingdienst Hulu setzt der Mutter Walt Disney zu. Die Aktie des Unterhaltungskonzerns fällt an der Wall Street um 2,5 Prozent. Dem „Wall Street Journal“ zufolge denkt der Sender NBC Universal, Minderheitseigner bei Hulu, darüber nach, seine Programme künftig größtenteils exklusiv auf dem eigenen Streamingportal Peacock anzubieten.

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