Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2022

23:08

Wall Street

US-Börsen holen zum Handelsschluss auf, doch die Tech-Aktien bereiten Anlegern Sorgen

PremiumDie US-Erzeugerpreise und neuen Coronafälle in Schanghai trüben die Stimmung. Dagegen überraschen Gamestop und AMC.

Anleger suchen ihr Heil in „sicheren Häfen“. Reuters

Wall Street

Anleger suchen ihr Heil in „sicheren Häfen“.

New York Nach einem weiteren turbulenten Handelstag holten die Aktienmärkte zum Handelsschluss in New York noch einmal auf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 31.730 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 lag ein halbes Prozent im Minus, bei 3910 Punkten. Der technologielastige Nasdaq drehte noch leicht ins Plus und endete bei 11.371 Zählern. Eine Trendwende ist jedoch nicht in Sicht. Kopfzerbrechen bereiteten den Anlegern im Tagesverlauf unter anderem die US-Erzeugerpreise. Sie gingen zwar im April auf elf Prozent im Jahresvergleich zurück. Analysten hatten aber einen Rückgang auf 10,7 Prozent vorhergesagt.

„Wir sehen zwar, dass sich die Inflation zu verlangsamen beginnt, aber nicht so schnell wie erhofft“, sagte Gene Goldman, Chefanleger des Vermögensverwalters Cetera. Das verunsichere Anleger, denn wenn die Fed die Zinsen zu aggressiv anhebe, schade dies dem Wachstum. „Aber wenn sie zu konservativ sind, schadet es dem Konsum, was wiederum dem Wachstum schadet.“

Auf der Stimmung lasteten außerdem neue Coronafälle in zuvor als „Covid-frei“ ausgewiesenen Bezirken der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai. Das deute darauf hin, dass der dortige Lockdown aufrechterhalten und das Wirtschaftsleben stark eingeschränkt bleibe, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann.

Auch war der Handelstag geprägt von weiteren schlechten Nachrichten für die Technologie-Branche. Die großen Tech-Konzerne Meta, Apple, Amazon, Netflix und Alphabet, die jahrelang die großen Gewinnbringer an den Märkten waren, befinden sich nun alle in einem Bärenmarkt. Das heißt, sie haben mehr als 20 Prozent von ihrem jüngsten Allzeithoch verloren. Besonders die Schwäche bei Apple verunsicherte die Anleger. Der iPhone-Hersteller verlor am Donnerstag knapp drei Prozent und hat innerhalb von einem Monat rund 17 Prozent verloren. So verlor der Konzern auch den Titel des wertvollsten börsennotierten Konzerns, den das Öl-Unternehmen Saudi Aramco nun trägt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Es ist ein Zeichen der Zeit. Mit den steigenden Leitzinsen und dem Krieg in der Ukraine stehen nun wieder Energiekonzerne im Mittelpunkt. Stephanie Link, Strategin beim Vermögensverwalter Hightower sieht hier eine Einstiegsmöglichkeit für Anleger. „Apple hat eine dominierende Stellung im Markt und wiederkehrende Umsatzströme. Der Konzern kauft vermutlich selbst gerade Aktien zurück. Das sollte einen Boden bilden“, gab sie zu bedenken.

    Im Gegenzug nahmen Anleger Kurs auf „sichere Häfen“ wie US-Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen US-Bonds auf 2,864 Prozent. Die „Antikrisenwährung“ Gold gab dagegen ein Prozent auf 1835 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach. Ihr machte die Dollar-Rally zu schaffen, die das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht.

    Disney enttäuscht mit Quartalsergebnissen

    Zu den Verlierern am US-Aktienmarkt zählte Walt Disney. Die Titel des Unterhaltungskonzerns fielen wegen eines Quartalsergebnisses unter Markterwartungen um 0,92 Prozent auf 104,31 Dollar. Außerdem warnte die Firma vor Belastungen durch Lieferkettenprobleme sowie steigende Löhne und Gehälter. Die Analysten der Bank JPMorgan bezweifelten, dass Disney das Kundenzahlwachstum seiner Streamingsparte Disney+ aufrechterhalten und seine Gesamtjahresziele erreichen könne.

    Bei den Papieren von Bumble griffen Investoren dagegen zu. Ein überraschender Quartalsgewinn und ein Umsatz über Markterwartungen bescherten dem Betreiber von Dating-Apps ein Plus von 26,83 Prozent.

    Neue Funktionen und die Expansion im Ausland deute auf ein beschleunigtes Kundenwachstum in den kommenden Quartalen hin, kommentierten die Experten der Investmentbank Piper Sandler. Parallel dazu flirteten Anleger mit dem Bumble-Rivalen und „Tinder“-Anbieter Match. Dessen Aktien legten 5,35 Prozent zu.

    Kurssprung bei Gamestop und AMC Entertainment

    Auffällig gegen den Trend bewegten sich kurz nach Börsenstart zwei Aktien: So stieg Gamestop zeitweise um mehr als 30 Prozent in die Höhe und wurde mehrfach wegen Volatilität angehalten. Die Papiere schlossen 10, 12 im Plus. Die Aktien der Kinokette AMC Entertainment bewegten sich um 8,06 Prozent aufwärts.

    Beide Aktien hatten Anfang vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt, als eine Gruppe von Kleinanlegern den Handel in Online-Chatrooms koordinierte, um massive Short-Squeezes bei diesen von vielen Hedgefonds und Marktteilnehmern verhassten Aktien zu schaffen.

    Handelsblatt Live

    US-Börsenexperte Koch: „Verlustphase an der Wall Street ist historisch betrachtet einmalig“

    Handelsblatt Live: US-Börsenexperte Koch: „Verlustphase an der Wall Street ist historisch betrachtet einmalig“

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Einzelwerte im Fokus

    Ford/General Motors: Die US-Bank Wells Fargo hat beide Aktien von „übergewichten“ auf „untergewichten“ zurückgestuft. Begründung: Das Jahr 2022 könnte ein Gewinnhöhepunkt für die alten Autohersteller aufgrund der Verlagerung auf Elektrofahrzeuge sein. Die Ford-Aktie gibt drei Prozent ab, General Motors 4,59 Prozent.

    Six Flags: Der Freizeitparkbetreiber meldete einen geringer als erwartet ausgefallenen Verlust und einen über den Prognosen liegenden Umsatz. Als Gründe nannte das Unternehmen einen Anstieg der Besucherzahlen sowie die höheren Ausgaben pro Gast. Die Aktien gaben aber 4,71 Prozent nach.

    Wework: Die Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse um 10,39 Prozent. Das Office-Sharing-Unternehmen meldete einen Umsatz, der die Prognosen übertraf. Der Quartalsverlust lag 37 Prozent unter dem des Vorquartals. Und der Bruttoumsatz war der höchste seit dem ersten Quartal 2020.

    Sonos: Die Aktie des Herstellers von High-End-Audioprodukten stieg nach den Quartalsergebnissen um 14,26 Prozent. Sonos verzeichnete aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage einen besser als erwarteten Umsatz, obwohl das Wachstum durch anhaltende Probleme in der Lieferkette beeinträchtigt werden könnte.

    Beyond Meat: Die Aktien rutschten um 4,17 Prozent ab. Der Hersteller von pflanzlichen Fleischalternativen meldete einen unerwartet hohen Quartalsverlust und einen Umsatz, der unter den Schätzungen der Analysten zurückblieb.

    Laut Vorstandschef Ethan Brown hatten Kosten im Zusammenhang mit strategischen Markteinführungen das Ergebnis beeinträchtigt. Doch das dürfte sich seiner Meinung nach langfristig auszahlen.

    Lordstown Motors: Die Aktie kletterte um 47,02 Prozent nach oben. Der Hersteller von Elektrofahrzeugen hat den Verkauf verschiedener Vermögenswerte an den Auftragshersteller Foxconn abgeschlossen. Lordstown wird dadurch 260 Millionen Dollar einnehmen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×