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01.10.2021

22:35

Wall Street

US-Börsen schließen im Plus – Merck-&-Co.-Aktie stark gefragt nach erfolgreicher Covid-Studie

Die Merck-Arznei machte Investoren Hoffnung auf eine rasche Erholung der Tourismus-Branche. Airline- und Kreuzfahrt-Papiere stiegen deutlich.

Blick in den Handelssaal der New York Stock Exchange. dpa

Händler an der Börse New York

Blick in den Handelssaal der New York Stock Exchange.

Frankfurt, New York Im Zuge eines Kurssprungs bei den Aktien von Merck & Co hat sich der Dow Jones Industrial am Freitag von seinen Vortagesverlusten weitreichend erholt. Die Nachricht, dass der Pharmakonzern mit einem Medikament gegen Covid-19 vor dem Durchbruch steht, rückte nach Tagen der Zinsangst wieder die Hoffnung auf einen Ausweg aus der Pandemie stärker in den Mittelpunkt.

Der Leitindex rückte am Ende um 1,43 Prozent auf 34.326 Punkte vor. Er verbuchte damit einen freundlichen Start in den Oktober. Auf Wochensicht konnte er seinen Verlust, der getrieben war von Inflationsbedenken, dem US-Haushaltspoker sowie Konjunktursorgen wegen Lieferengpässen, noch auf 1,4 Prozent reduzieren.

Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,15 Prozent auf 4357 Zähler. Für die wachstumsträchtigen Tech-Werte, denen die Angst vor einer strafferen Geldpolitik zuletzt besonders stark zugesetzt hatte, fiel die Erholung etwas milder aus. Der von diesen geprägte Auswahlindex Nasdaq 100 legte um 0,70 Prozent auf 14.791 Punkte zu.

Die Börsen wurden auch von einer Warnung der Rating-Agentur Fitch ausgebremst, der zufolge der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze die Kreditwürdigkeit der USA belasten könnte. Zwar hatte sich der Kongress auf einen Übergangsetat geeinigt und damit einen „Government Shutdown“, die Schließung zahlreicher Behörden, abgewendet. Wenn aber die Schuldenobergrenze nicht angehoben wird, droht der weltgrößten Volkswirtschaft zur Monatsmitte die Zahlungsunfähigkeit.

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    Das politische Gezänk mache keinen guten Eindruck, sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab. Es könnte ausländische Investoren davon abhalten, US-Staatsanleihen zu kaufen. „Wenn das passiert, würden die Renditen stark ansteigen. Und wenn die Renditen steigen, weil die Leute die Bonds nicht wollen, hätte das einen sehr negativen Einfluss auf den Markt.“

    Die Freude der Anleger über ermutigende Testergebnisse eines Covid-Medikaments von Merck & Co konnte dies aber nur leicht trüben. Den Angaben zufolge reduziert das Mittel das Risiko eines Krankenhaus-Aufenthaltes oder Tods bei einer Infektion um etwa die Hälfte.

    „Das gibt Leuten Hoffnung, dass die Rückkehr zur Normalität trotz Fällen von Infektionen bei Geimpften nicht vom Kurs abkommt“, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Aktien des Pharmakonzerns stiegen daraufhin zeitweise um gut zwölf Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 84,30 Dollar.

    Die Merck-Arznei schürte zudem Spekulationen auf eine rasche Erholung der Tourismus-Branche. So stiegen die Aktien der Fluggesellschaften American Airlines, Delta und United um bis zu 7,8 Prozent. Die Kreuzfahrt-Veranstalter Carnival und Norwegian gewannen bis zu fünf Prozent. Die Titel des Online-Reisebüros Booking.com rückten drei Prozent vor.

    Unter die Räder kamen dagegen Hersteller von Covid-Impfstoffen. So brachen die Aktien von Biontech um zehn Prozent ein. Die Titel des Entwicklungspartners Pfizer gaben ein Prozent nach. Papiere des Rivalen Moderna stürzten um mehr als zwölf Prozent ab.

    Trotz der steigenden Inflation haben die Verbraucher in den USA im August mehr konsumiert als erwartet. Ihre Ausgaben legten zum Vormonat 0,8 Prozent zu, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit 0,6 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 0,1 Prozent im Juli. Der private Konsum ist der größte Treiber für die US-Wirtschaft.

    Investoren deckten sich mit Bitcoin ein

    Am Devisenmarkt machten zwar einige Dollar-Anleger Kasse. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, blieb mit 94,031 Punkten auf in Schlagdistanz zu seinem jüngsten Zwölf-Monats-Hoch. „So lange die Märkte davon überzeugt bleiben, dass die US-Notenbank innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens mit der Straffung ihrer Geldpolitik beginnt, sollte sich der Dollar gut halten“, sagte Anlagestratege Kit Juckes von der Bank Societe Generale.

    Mit Bitcoin deckten sich Investoren ebenfalls ein. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg zeitweise um gut zehn Prozent auf 47.893 Dollar. „Anleger laufen sich für eine mögliche Jahresendrally warm“, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

    Vor allem institutionelle Investoren nutzten die vorangegangenen Kursverluste zum Einstieg. Andere Börsianer äußerten sich zudem erleichtert, dass US-Notenbankchef Jerome Powell in einer Kongress-Anhörung betont habe, Kryptowährungen zwar regulieren, aber nicht verbieten zu wollen.

    Vor diesem Hintergrund griffen Anleger auch bei Werten aus dem Kryptowährungssektor und Unternehmen, die sich mit der Bitcoin & Co zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen, beherzt zu.

    So stiegen die Papiere von Coinbase, Riot, Marathon, Overstock und Silvergate an der Wall Street um bis zu 4,6 Prozent. Die Titel der Softwarefirma MicroStrategy, die Milliarden in Bitcoin investiert hat, rückten 5,3 Prozent vor.

    Blick auf Einzelwerte

    Lordstown Motors: Der Autohersteller hat eine Vereinbarung über den Verkauf seines Werks in Ohio an das taiwanesische Unternehmen Foxconn für 230 Millionen Dollar erzielt. Dabei übernimmt Foxconn die Herstellung des elektrischen Pickups von Lordstown komplett. Anfang der Woche kamen die ersten Gerüchte auf, dass eine Einigung zwischen den beiden Seiten kurz bevorstehe. Lordstown-Papiere sanken im Handelsverlauf um bis zu 18 Prozent.

    Zoom Video Communications: Die Unternehmen Zoom und Five9 haben ein fast 15 Milliarden Dollar schweres Geschäft im gegenseitigen Einvernehmen beendet. Die beiden Seiten werden die Partnerschaft fortsetzen, die vor der geplanten Transaktion bestand. Zoom stieg um 2,32 Prozent, Five9 um 4,71 Prozent.

    Walt Disney: Das Unternehmen hat mit einen Rechtsstreit mit der Schauspielerin Scarlett Johansson im Zusammenhang mit dem Film „Black Widow“ beigelegt. Johansson hatte Disney wegen der Veröffentlichung des Films auf dem Streamingdienst Disney plus zur gleichen Zeit verklagt, als der Film in den Kinos anlief. Die Bedingungen des Vergleichs wurden nicht bekannt gegeben. Die Disney-Aktie legt vier Prozent zu.

    Nio: Das Unternehmen erzielte im September Auslieferungen von 10.628 Fahrzeugen, was für den in China ansässigen Hersteller von Elektrofahrzeugen einen Anstieg von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet. Nio-Aktien lagen zum Handelsschluss 0,73 Prozent in der Verlustzone.

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