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28.10.2021

23:14

Wall Street

US-Börsen schließen mit Rekorden – Firmenbilanzen helfen

Von: Anne Wiktorin

PremiumPositive Quartalszahlen im Tech-Sektor stimmen die Investoren positiv. Bond-Anleger sind jedoch mit Blick auf die Beratungen der US-Notenbank nervös.

An den US-Börsen geht die Party weiter. AP

Die Wall Street in New York

An den US-Börsen geht die Party weiter.

Düsseldorf Sprudelnde Firmengewinne haben die Kurse an der Wall Street am Donnerstag angetrieben. Die Nasdaq und der S&P 500 schlossen so hoch wie nie zuvor. Anleger setzten schon im Vorfeld auf starke Quartalsergebnisse bei Amazon und Apple, die nach US-Börsenschluss zur Veröffentlichung anstanden. Auch bei Tesla ging es weiter bergauf.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,7 Prozent höher bei 35.730 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte ein Prozent zu auf 4596 Stellen, die technologielastige Nasdaq schloss mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent bei 15.448 Zählern.

Er beurteile die Aussichten für US-Aktien weiter optimistisch, sagte Portfoliomanager James Gaul vom Vermögensverwalter Knights of Columbus. Daran werde sich dank starker Firmenbilanzen vorerst auch nichts ändern. Lieferketten-Probleme belasteten die Ergebnisse nur kurzfristig und würden bald verschwinden. „Alle wichtigen Branchen sind langfristig attraktiv.“

Auf der Konjunkturseite sehen die Investoren offenbar mehr Licht als Schatten. Die US-Wirtschaft hat in den Sommermonaten wegen steigender Corona-Fallzahlen zwar deutlich an Schwung verloren. Am US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage aber weiter verbessert.

So stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet nur noch um 2,0 Prozent. Im zweiten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Welt noch um annualisiert 6,7 Prozent gewachsen. Volkswirte hatten damit gerechnet, dass sich die amerikanische Konjunktur im Sommerquartal abgekühlt – sie hatten allerdings ein annualisiertes Wachstum von 2,6 prognostiziert. Positiv fielen auch die Zahlen zum privaten Konsum aus: Er weist einen Zuwachs von annualisiert 1,6 Prozent zum Vorquartal auf, die Konsensschätzung hatte nur bei 0,9 Prozent gelegen.

„Es gibt zwar einige Sorgen um das Wachstum“, sagte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Die Abkühlung der Konjunktur sei aber lediglich eine Folge der raschen Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus. Die Pandemie spiele aber eine immer geringere Rolle. „Es gibt Wetten auf eine starke Konjunkturerholung im vierten Quartal.“

Nervosität bei Bond-Anlegern

Allerdings wuchs knapp eine Woche vor den Beratungen der US-Notenbank die Nervosität unter Bond-Anlegern. Sie spekulierten auf eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik und trennten sich vor allem von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Dies drückte den Renditeabstand (Spread) auf den niedrigsten Stand seit August. Parallel dazu rentierten die 20-jährigen Treasuries mit bis zu 1,983 Prozent erstmals höher als ihre Pendants mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Helaba-Analyst Ralf Umlauf erwartet, dass die US-Notenbank Fed auf in dieser Gemengelage mit widersprüchlichen Signale vorsichtig agieren wird. Er geht davon aus, dass die Mitglieder die Anleihekäufe drosseln, aber noch keine Zinserhöhungen beschließen werden.

In dieses Bild passte der erneute Rückgang der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe. Die sind in der vergangenen Woche im Wochenvergleich um 10.000 auf 281.000 gesunken, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Es ist der mittlerweile vierte Rückgang in Folge. Der jüngste Rückgang fiel etwas stärker als erwartet aus. Seit Beginn des Jahres ist die Zahl der Anträge wegen der Aufhebung von Corona-Beschränkungen kräftig gefallen. Dies schüre Spekulationen auf starke Beschäftigungszahlen in der kommenden Woche, sagte Anlagestratege Stan Shipley von der Investmentbank Evercore ISI. Experten sagen bislang für Oktober den Aufbau von 385.000 Jobs außerhalb der US-Landwirtschaft voraus, fast doppelt so viel wie im Vormonat.

Blick auf die Einzelwerte

Apple und Amazon: Apple und Amazon bekamen Vorschusslorbeeren für ihren Quartalsbericht, wie Anstiege um 2,5 respektive 1,6 Prozent zeigten. Der Apple-Kurs näherte sich dem sieben Wochen alten Rekordhoch. Es wird mit Spannung darauf geblickt, ob der iPhone-Hersteller nach einem starken Vorquartal weiterhin gut durch die globalen Chip-Engpässe kommt. Die Apple-Lieferkette gilt als traditionell gut organisiert.

Caterpillar: Dank eines Baubooms in Nordamerika steigerte Caterpillar Umsatz und Gewinn kräftig. Die Ergebnisse des Baumaschinen-Herstellers lägen allerdings nur wegen Sondereinnahmen außerhalb des Kerngeschäfts und einer geringeren Steuerquote über den Erwartungen, kommentierte Analyst Stephen Volkmann von der Investmentbank Jefferies. Caterpillar-Titel stiegen dennoch um 4,1 3 Prozent.

Merck & Co.: Merck & Co stiegen um rund 6,1 Prozent auf 86,53 Dollar Der Pharmakonzern hob nach einem überraschend großen Gewinnsprung im dritten Quartal seine Gesamtjahresziele an. Außerdem traut das Unternehmen seinem Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus einen Umsatz von bis zu sieben Milliarden Dollar bis Ende 2022 zu.

Ford: Stark aufwärts ging es mit Aktien von Ford, die zweitweise auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 17,57 Dollar stiegen und am Ende 8,7 Prozent höher bei 16,86 Dollar aus dem Handel gingen. Der Nettogewinn des Autobauers brach zwar wegen Chipmangels um ein Viertel ein. Er liege aber doppelt so hoch wie von Experten erwartet, sagte Analyst David Whiston vom Research-Haus Morningstar. Außerdem habe Ford in seinem Südamerika-Geschäft erstmals seit 2013 einen operativen Quartalsgewinn erzielt.

Ebay: Es gab mit Ebay allerdings auch einen bekannten negativen Ausreißer: Die Aktien rutschten wegen eines enttäuschenden Quartalsberichts um 6,8 Prozent ab. Für das Weihnachtsquartal wurde ein langsameres Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Börsianer sahen darin ein Anzeichen, dass wieder geöffnete Geschäfte dem Online-Marktplatz zugesetzt haben.

Facebook: Zur Erholung setzte derweil die Facebook-Aktie an, nachdem sie früh das tiefste Niveau seit fünf Monaten erreicht hatten. Als bekannt wurde, dass der Konzern künftig Meta heißen wird, ergriffen die Anleger plötzlich Initiative. Der Kurs stieg um 1,5 Prozent.

T. Rowe Price: Die 4,2 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Rivalen Oak Hill durch T. Rowe Price kommt bei Anlegern gut an. Die Aktien des Vermögensverwalters steuern mit einem Plus von sechs Prozent auf den größten Tagesgewinn seit eineinhalb Jahren zu. Mit dem Deal werde T. Rowe zu einem wichtigen Player bei alternativen Investments, kommentiert Analyst Daniel Fannon von der Investmentbank Jefferies.

Fluence: Parallel dazu legte Fluence ein starkes Börsendebüt hin. Die Aktien der Siemens-Beteiligung stiegen auf 34,84 Dollar. Damit notierten die Papiere des Energiespeicher-Spezialisten knapp 25 Prozent über ihrem Ausgabepreis.

Mit Agenturmaterial.

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