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01.06.2022

22:51

Wall Street

Zinssorgen belasten die US-Börsen – Wall Street schließt mit Verlusten

Die US-Industrie hat ihr Wachstumstempo im Mai überraschend gesteigert. Dennoch drücken Zinssorgen die Stimmung der US-Anleger.

Die Gefahr eines wirtschaftlichen Abschwungs ist noch nicht vorüber. Reuters

Händler an der New Yorker Börse

Die Gefahr eines wirtschaftlichen Abschwungs ist noch nicht vorüber.

Frankfurt Erneute Ängste vor rascheren Zinserhöhungen der Notenbank Fed haben die Wall Street ins Minus gedrückt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss am Mittwoch 0,54 Prozent tiefer bei 32.813 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 verlor 0,75 Prozent und schloss bei 4101 Zählern und der technologielastige Nasdaq schloss mit einem Minus von 0,72 Prozent bei 11.994 Zählern.

Genährt wurden diese Zinsängste vom überraschenden Anstieg des Barometers für die Stimmung der Einkaufsmanager aus der US-Industrie. „Die Zinsen werden weiter steigen“, prognostizierte Paul Kim, Chef des Vermögensverwalters Simplify ETFs.

Da die Fed wohl auch ihre Wertpapierbestände abbauen werde, ende nach mehr als einem Jahrzehnt die Ära der ultra-lockeren Geldpolitik. Daher müsse mit weiteren Kursverlusten riskanter Anlagen wie Aktien gerechnet werden.

In den USA ist die Wirtschaft der Notenbank zufolge weiter in einem mäßigen bis moderatem Tempo gewachsen. Steigende Preise und höhere Zinsen machten sich allerdings bereits bemerkbar, teilte sie in ihrem Konjunkturbericht „Beige Book“ mit. Die Fed wies zudem darauf hin, dass das Wachstum in der Produktion trotz Unterbrechungen bei den Lieferketten angedauert habe. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine, die hohe Inflation und Ausfälle wegen Corona hätten die Firmenpläne beeinträchtigt. In den meisten Bezirken seien die Wachstumserwartungen daher getrübt. In einigen Regionen wurden sogar Sorgen vor einer Rezession geäußert.

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    Kopfzerbrechen bereitete Investoren außerdem das EU-Embargo für einen Großteil russischer Öllieferungen, sagte Anlagestratege Mike Bell von der Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan. Sie befürchteten Vergeltungsmaßnahmen der Regierung in Moskau.

    Vor diesem Hintergrund stieg der Preis für die US-Rohölsorte WTI zeitweise um knapp zwei Prozent auf 116,76 Dollar je Barrel (159 Liter) – zum Handelsschluss lag der Preis bei rund 114,75 Dollar. Dies verhalf Ölkonzernen wie Exxon und Chevron zur Kursgewinnen von bis zu 2,8 Prozent im Handelsverlauf.

    Sinkende Fördermengen bei steigender Nachfrage treiben zudem den Preis für US-Erdgas. Es verteuerte sich im Tagesverlauf um 7,5 Prozent auf 8,75 Dollar je Million BTU. Dem Datenanbieter Refinitiv zufolge schrumpfe die Gasförderung am Mittwoch um 2,8 Milliarden Kubikfuß pro Tag, so stark wie zuletzt Anfang Februar.

    Gleichzeitig erreichte der Verbrauch in Texas im Mai einen Rekord, unter anderem weil hohe Temperaturen den Stromverbrauch von Klimaanlagen in die Höhe trieben. Für Juni erwarten Experten einen weiteren Anstieg der Nachfrage in dem US-Bundesstaat.

    Opec-plus-Treffen im Fokus

    Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf das Treffen der Opec plus, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, am Donnerstag. Einem Medienbericht zufolge könnte Russland von den Fördermengen-Vereinbarungen der Gruppe ausgenommen werden.

    „Dies würde Saudi-Arabien und anderen Länder mit freien Förderkapazitäten die Möglichkeit geben, die Produktion stärker auszuweiten“, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Reuters-Insidern zufolge wurde dieses Thema bei einem vorbereitenden Arbeitsgruppen-Treffen aber nicht diskutiert. Zudem bekannte sich Russland zur Zusammenarbeit in der Opec+.

    Einzelwerte im Fokus

    Salesforce: Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte Salesforce mit einem Kursplus von bis zu 15 Prozent in der Spitze – zum Handelsschluss notierte das Papier rund 9,8 Prozent im Plus. Das war der stärkste Anstieg seit fast zwei Jahren. Mittlerweile notiert das Papier noch neun Prozent im Plus. Analyst Shebly Seyrafi vom Brokerhaus FBN lobte das Umsatzplus des SAP-Rivalen von 24 Prozent im abgelaufenen Quartal als beeindruckend. Gleiches gelte für die angehobenen Margenziele. Die gesenkten Gesamtjahresziele für den Umsatz deckten sich mit den erwarteten Wechselkurs-Belastungen.

    Victoria's Secret: Gefragt waren auch die Papiere von Victoria's Secret, die sich um 12,7 Prozent verteuerten – zum Schluss lag das Plus noch bei 8,9 Prozent. Der Reizwäsche-Anbieter machte zum Jahresauftakt einen überraschend hohen Gewinn von 1,11 Dollar je Aktie. Für das laufende Quartal stellte Victoria's Secret ein Ergebnis von 0,95 bis 1,25 Dollar je Aktie in Aussicht. Angesichts der schwächelnden Konjunktur sei dieser Ausblick ermutigend, schrieben die Analysten des Beratungshauses Telsey.

    Delta Air Lines: Die Aktie der Fluggesellschaft verlor mehr als fünf Prozent, trotz eines ermutigenden Ausblicks. Delta erwartet für das laufende Quartal einen Umsatz auf dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie und hebt das Ziel für die operative Marge von 13 bis 14 von zwölf bis 14 Prozent an.

    3M: Die Warnung vor Einbußen durch die jüngsten Lockdowns in China drückt 3M ins Minus. Die Aktien des Mischkonzerns fielen an der Wall Street um etwa zwei Prozent. Der Anbieter von „Post-It"-Klebezetteln bezifferte die Belastung für den Umsatz im laufenden Quartal auf 300 Millionen Dollar. Der Gewinn werde voraussichtlich um 0,30 Dollar je Aktie geschmälert.

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