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23.09.2019

13:39

Monatsbericht

Bundesbank nährt Hoffnung auf steigende Inflation

Von: Jan Mallien

Die Inflation bleibt weltweit niedrig. Die Bundesbank geht jedoch nach wie vor davon aus, dass höhere Löhne zu einer steigenden Inflation führen.

In ihrem aktuellen Monatsbericht hat die Notenbank das Zusammenspiel von Löhnen und Preisen analysiert. dpa

Deutsche Bundesbank

In ihrem aktuellen Monatsbericht hat die Notenbank das Zusammenspiel von Löhnen und Preisen analysiert.

Frankfurt Seit Jahren versuchen die großen Notenbanken weltweit die Inflation anzuschieben. Mitte September erst beschloss die Europäische Zentralbank (EZB) eine weitere Zinssenkung und die Neuauflage ihrer Anleihekäufe. Damit will sie die Inflation in Richtung ihres selbstgesteckten Zielwerts von knapp zwei Prozent bringen.

Das Problem: Obwohl die EZB und andere Notenbanken ihre Geldpolitik immer weiter gelockert haben, bleibt die Inflation weltweit niedrig. Was Verbraucher freut, ist für Notenbanker ein Grund zur Sorge. Sie fürchten eine wirtschaftliche Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Löhnen. Die frühere Chefin der US-Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, bekannte einmal, dass die niedrige Inflation in den USA für sie ein „Rätsel“ sei.

Ähnlich sieht es in der Euro-Zone aus. Noch Anfang des Jahres hat sich EZB-Präsident Mario Draghi zuversichtlich gezeigt, dass die Inflation im Euroraum auf mittlere Sicht in Richtung des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent steigt. Er verwies auf steigende Löhne vor allem in Deutschland, die sich in einer steigenden Inflation niederschlagen würden.

Inzwischen jedoch hat die EZB ihre Inflationsprognosen deutlich nach unten korrigiert. Damit wachsen Zweifel, ob dieser Zusammenhang noch gilt.

In ihrem aktuellen Monatsbericht stützt die Bundesbank die Position, dass höhere Löhne zu einer steigenden Inflation führen. Insgesamt würde etwa ein Drittel einer Lohnerhöhung über die Preise an die Verbraucher weitergeleitet. „Eine Lohnänderung um ein Prozent führt somit zu einer Änderung der Verbraucherpreise von rund 0,3 Prozent“, heißt es im Monatsbericht.

Damit stützt die Bundesbank die Argumentation der EZB. Zwar lasse sich für Deutschland für den Zeitraum ab 1970 „eine gewisse Evidenz“ dafür finden, dass sich die Weitergabe von Lohnschocks in die Preise abgeschwächt habe. Der Rückgang sei seit der Finanzkrise in den Jahren 2007/2008 jedoch nur gering gewesen und „zuletzt zum Erliegen gekommen“.

Unter dem Strich kommt die Bundesbank zu dem Fazit: „Der zyklische Einfluss von Löhnen auf die Preise ist nach wie vor intakt.“ Das heißt allerdings nicht automatisch, dass die Inflation im Euro-Raum bald steigt.

Denn auch wenn die Bundesbank-Analyse nahelegt, dass es einen langfristigen Zusammenhang zwischen Löhnen und Preisen gibt, verweist sie darauf, dass es „deutlich länger als ein Jahr“ dauert, bis die Anpassung der Preise an einen Lohnschock abgeschlossen sei. Wie schnell die Anpassung abläuft, hängt in der Regel von der Konjunktur ab. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase könnte dies länger dauern.

Es sei davon auszugehen, dass sich die Verstärkung des Lohnwachstums in Deutschland in den vergangenen Jahren „isoliert betrachtet in einem allmählich höheren Preisauftrieb niederschlagen sollte,“ heißt es im Monatsbericht.

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