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20.08.2019

18:00

Nachgefragt Raymond Svider

BC-Partners-Chef: „Was wirklich zählt, sind die Wachstumsperspektiven“

Von: Robert Landgraf, Peter Köhler

Der Chairman des Private-Equity-Hauses BC Partners über Renditen, hohe Firmenbewertungen und die Chancen, die eine Konjunkturabkühlung bietet.

Der Chef von BC-Partners sieht in konjunkturellen Schwächephasen auch eine Chance. Bloomberg

Raymond Svider

Der Chef von BC-Partners sieht in konjunkturellen Schwächephasen auch eine Chance.

Raymond Svider, den Chef der europäischen Beteiligungsgesellschaft BC Partners, erreichen wir im Urlaub in Südfrankreich. Er genießt mit seiner Familie die Ferien, hat allerdings die vergangenen drei Tage gearbeitet – Finanzinvestoren kennen keine Auszeit.

Herr Svider, die US-Gesellschaft Blackstone hat für 500 Millionen Euro einen Anteil von zehn bis 15 Prozent an BC Partners erworben. Beteiligen sich jetzt Finanzinvestoren untereinander, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld?
(lacht) Nein, so ist es nicht. Der Einstieg von Blackstone ist für uns in unserer 33-jährigen Geschichte ein wichtiger strategischer Schritt. Wenn man BC Partners weiterentwickeln will, dann ist es wichtig, dauerhaft verfügbares Kapital zu haben, das man langfristig einsetzen kann. Wir werden das Geld in den kommenden zwei Jahren in unseren Fonds arbeiten lassen, wobei es um Beteiligungskapital (Private Equity), private Kreditfonds und Immobilien geht.

Fürchten Sie um Ihre Unabhängigkeit?
Nein, überhaupt nicht. Wir erwarten vielmehr spürbare Kostenvorteile für unsere Unternehmen im Beteiligungsportfolio, weil sie von den Größenvorteilen der Blackstone-Plattform für Dienstleistungen und dem gemeinsamen Einkauf profitieren. Die Kosteneinsparungen können gut 20 Prozent ausmachen.

Ist das ein neuer Trend?
Ich denke schon, es ist eine Alternative zur Börsennotiz – vor zehn Jahren gab es solche Deals noch nicht. Wenn, dann handelte es sich um absolute Einzelfälle in Sondersituationen. Vor etwa sieben Jahren fing man dann an, Fonds dieses Typs aufzulegen. Heute sind beispielsweise die Wall-Street-Bank Goldman Sachs und eine Tochter von Neuberger Berman aktiv bei Beteiligungen an Finanzinvestoren.

Wie steht es generell um die Private-Equity-Branche: Gibt es genügend lukrative Übernahmekandidaten?
Aus meiner Sicht schon. Die Bewertungen sind unverändert hoch, das stimmt. Deshalb müssen wir Disziplin zeigen. Aber es wird weiter investiert. Wir haben beispielsweise vor einem Monat die niederländische Pharmafirma Syntheon übernommen sowie Gardaworld, den Weltmarktführer für Sicherheitsdienste und Cashmanagement mit Hauptsitz Kanada. Weitere Firmen werden in Kürze folgen, in Europa und den USA.

Sind keine Übernahmen in Deutschland in Sicht?
Nicht innerhalb der kommenden Wochen. Aber die Abspaltungen und Ausgliederungen von deutschen Konzernen zum Beispiel bieten natürlich Chancen.

Die Preise für die Firmen sind unverändert hoch, schreckt Sie das ab?
Da gibt es von Branche zu Branche große Unterschiede. Einzelne Softwarefirmen werden momentan vielleicht mit dem 25-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) bewertet, Einzelhändler sind dagegen etwas aus der Mode gekommen und werden nur mit dem Dreifachen Ebitda angesetzt.

Wann kommt das Ende der Fahnenstange?
Was wirklich zählt, sind die Wachstumsperspektiven der Unternehmen und die möglichen Ergebnissteigerungen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Seit rund 30 Jahren nehmen die Bewertungen kontinuierlich zu, das wird sich nicht grundlegend ändern.

Wenn die Konjunktur abkühlt, werden Sie dann mehr investieren?
Ein Abschwung bietet immer auch Chancen. Aber es dauert erst einmal sechs bis zwölf Monate in einer Korrektur, bis die Preise auch wirklich nach unten angepasst werden. Man muss nur Geduld haben und auf gute Gelegenheiten warten.

Müssen die Geldgeber für die Private-Equity-Fonds ihre Renditeerwartungen nach unten korrigieren?
Schwer zu sagen. Bisher versprechen die Fonds den Investoren Renditen von 20 oder auch 22 Prozent, und die haben sie auch geliefert. Wir bei BC Partners gehen im Mittel ebenfalls weiterhin von Renditen von mindestens 20 Prozent bei unseren Deals aus.

Wenn ein Abschwung kommt, müssen Sie dann nicht die Beteiligungen länger halten?
Ja, aber in einem solchen Fall ist das auch gut so, weil wir nun einmal nicht verkaufen müssen, wenn die Preise sinken. In schlechten Zeiten verlängern sich die Haltezeiten der Investments im Schnitt um ein bis zwei Jahre.

Werden der Brexit und der Handelskonflikt zwischen Peking und Washington das Private-Equity-Geschäft weltweit belasten?
Die Investments in Großbritannien sind ja schon deutlich zurückgegangen. Aber keiner weiß genau, was kommt. Aber irgendwann wird es einen Brexit geben, und dann wird es wieder Gelegenheiten für Investments geben. Der Brexit kann zu sehr vielversprechenden Deals führen.

Und der Handelskonflikt …
… ist schwerer zu prognostizieren. Aber die Auswirkungen dürften punktuell und für einen relativ kurzen Zeitraum zu spüren sein. Selbst bei der großen Finanzkrise 2008 war die folgende Krise nach rund 18 Monaten ausgestanden. Solche „Events“ sind nicht von Dauer, bieten aber Chancen für uns.

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