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21.11.2018

11:10

Nachhaltiges Investieren

Wie sozialbewusste Anleger die Gesellschaft verändern

Von: Jessica Schwarzer

Immer mehr Geld fließt in nachhaltige Geldanlage. So fördern Investoren Unternehmen mit Sozialbewusstsein. Rendite entgeht ihnen deshalb nicht.

Knapp jeder zweite Anleger hält nachhaltige Investments für attraktiv. AP

Börsenmakler in Frankfurt

Knapp jeder zweite Anleger hält nachhaltige Investments für attraktiv.

Düsseldorf Gutes zu tun, sich für die Umwelt einzusetzen, für soziale oder ethische Projekte – das passt auf den ersten Blick nicht zum Kapitalismus an den Finanzmärkten. Auf den zweiten Blick passen Nachhaltigkeit und Rendite aber sehr gut zusammen. Nicht nur deshalb setzen immer mehr Investoren auf die sogenannten ESG-Kriterien und fahren gut damit.

Die drei Buchstaben ESG stehen für „Environment, Social, Governance“. Es geht um die Schonung natürlicher Ressourcen und die Begrenzung des Klimawandels - Stichwort „Environment“. Aber eben auch um Humankapital, Gesellschaft, nachhaltige Produkte, Menschenrechte, also soziale Aspekte. Hinzu kommen Wirtschaftsethik, also Unternehmensführung, Transparenz, Vergütungsregeln - die „Governance“.

Die Renditen können sich durchaus sehen lassen. ESG-Fonds zum Beispiel schneiden nicht schlechter ab als Fonds ohne diesen Filter. Spezielle ESG-Indizes lassen herkömmliche Indizes sogar hinter sich. Gutes zu tun und damit auch noch Geld zu verdienen passt eben immer besser zusammen. Nachhaltige Geldanlage fördern Unternehmen mit Umwelt- und Sozialbewusstsein sowie einer verantwortungsvollen Unternehmensführung. Das ist gut für die Gesellschaft und fürs eigene Finanzpolster.

Experten sehen einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmensmanagement. Der Jahresbericht der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur ISS-oekom stellt zwischen 2013 und 2017 eine klare Aufwärtsbewegung in der durchschnittlichen Bewertung der analysierten Unternehmen fest: Lag bei den Unternehmen aus den Industrieländern der Mittelwert auf einer Skala von null bis 100 im Jahr 2013 noch bei 27,31 Punkten, erreichte er bis Ende 2017 die Marke von 31,50.

Die Durchschnittsbewertung der Unternehmen aus den Schwellenländern hat sich im gleichen Zeitraum sogar von 14,78 auf 21,73 verbessert. Zudem liegt die Gruppe der als „Prime“ eingestuften Unternehmen in den Industrieländern aktuell bei einem Anteil von 17,19 Prozent, und damit auf dem bisherigen Höchststand.

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Zugegeben, es gibt noch Luft nach oben. Noch ist Nachhaltigkeit keine Selbstverständlichkeit, wird aber immer wichtiger. Dieter Niewierra, Experte von ISS-oekom, beobachtet, dass das Thema auch am Kapitalmarkt immer wichtiger wird. „Nachhaltigkeitskriterien und Nachhaltigkeitsratings werden als materiell verstanden und somit als Bestandteile eines umfassenden Risikomanagements in die Entscheidungswege der konventionellen Geldanlage integriert“, sagt er. Dabei würden finanzielle und nichtfinanzielle Kriterien zusammenkommen, aus denen heraus eine Anlageentscheidung getroffen werde.

Auch Privatanleger wollen beim Investieren nachhaltig handeln

Auch bei Privatanlegern kommt das Thema immer besser an. Knapp jeder zweite Anleger hält nachhaltige Investments für attraktiv, immerhin zwölf Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment. Für drei Viertel der Befragten spielt dabei das nachhaltige Handeln eine wichtigere Rolle als der kurzfristige Gewinn.

Die gestiegene Attraktivität von nachhaltigen Investments führt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, zum einen auf das veränderte Konsumverhalten der Menschen mit bewussterer Produktauswahl zurück. Zum anderen suchten die Sparer in Zeiten niedriger Zinsen und zunehmender Unsicherheit an den Kapitalmärkten nach adäquaten Anlagealternativen. Nachhaltige Geldanlagen seien dabei eine Option.

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Anleger erkennen den Nutzen von ökologischen und sozialverträglichen Investments. „Zudem reift die Erkenntnis, dass eine an Nachhaltigkeits-Aspekten ausgerichtete Geldanlage in der Regel eine mindestens genauso hohe Rendite – wenn nicht sogar eine bessere – erzielt“, sagt Niewierra. Er nennt ein Beispiel: Von Anfang 2005 bis Ende 2017 erreichte das nach Marktkapitalisierung gewichtete ISS-oekom Prime Portfolio Large Caps eine kumulierte Rendite von 195,61 Prozent.

Der MSCI World als konventionelle Vergleichsgröße kam im gleichen Zeitraum auf eine kumulierte Rendite von 184,84 Prozent. Das nachhaltige Portfolio erzielte mit einem Plus von 8,69 Prozent pro Jahr eine bessere Rendite als der Vergleichsindex mit 8,38 Prozent pro Jahr.

Nachhaltigkeit ist ein Trend, bei Unternehmen wie Investoren. Eine Selbstverständlichkeit ist das Einhalten der ESG-Kriterien aber noch längst nicht. „Das wäre zu wünschen“, sagt Christoph Bergweiler, Deutschlandchef von JP Morgan Asset Management. „Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sind sicherlich einheitliche Standards innerhalb der Industrie, das heißt bei Investoren und Asset Managern.“

Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten steigt

Der weitreichende Regulierungsvorschlag der EU zur Umsetzung des „Sustainable Finance Action Plan“ zeigt, dass das Thema zunehmend integriert wird. Und damit wächst der Druck auf die Wirtschaft, nicht nur von Seite der Investoren. Und spätestens seit der Verabschiedung der UN-Nachhaltigkeitsziele (den UN SDGs) im September 2015 wird auch vom Finanzmarkt erwartet, einen Beitrag zu leisten, um diese Ziele zu erreichen und dadurch gesellschaftliche Zustände zu verbessern. „Man kann also vom heutigen Standpunkt aus durchaus sagen, dass ESG-Anleger sogar den Auftrag haben, die Gesellschaft zum Besseren hin zu verändern“, sagt Niewierra.

Langsam, aber sicher setzt sich nachhaltiges Wirtschaften durch. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess – aber wir sind schon einen guten Weg gegangen“, sagt Bergweiler. „Und natürlich haben wir auch als Asset Manager eine starke Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen und wo wir uns beispielsweise durch Stimmrechtsvertretung positiv einbringen.“ Die Analysten des Hauses würden im Jahr rund 2.000 Firmen besuchen, und dabei stehe natürlich auch das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. „Diese Aufgabe nehmen wir nicht zuletzt als Treuhänder unserer Kunden aktiv wahr“, ergänzt er.

Je stärker das Thema im Bewusstsein von Investoren ist und je höher ihre Nachfrage nach entsprechenden Produkten, desto größer auch der Druck auf die Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften. Nicht umsonst spricht man von verantwortungsbewusstem Investieren. Denn die Anleger übernehmen Verantwortung, wenn auch im übertragenen Sinne. Wer bei seiner Geldanlage auf ESG-Kritieren achtet, tut Gutes.

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