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02.06.2022

17:50

Negativzinsen

Folge der erwarteten EZB-Zinserhöhung: Erste Banken schaffen Verwahrentgelt ganz ab

Von: Elisabeth Atzler

Verivox registriert neun Geldhäuser, die Freibeträge deutlich erhöhen oder komplett von Minuszinsen absehen. Viele Banken warten allerdings auf weitere Signale der EZB.

Die EZB schafft wahrscheinlich bald die Negativzinsen ab, die sie von Geschäftsbanken verlangt. Die ersten Kreditinstitute berechnen nun ihrerseits keine Verwahrentgelte mehr oder heben die Freibeträge deutlich an. dpa

Bankentürme in Frankfurt

Die EZB schafft wahrscheinlich bald die Negativzinsen ab, die sie von Geschäftsbanken verlangt. Die ersten Kreditinstitute berechnen nun ihrerseits keine Verwahrentgelte mehr oder heben die Freibeträge deutlich an.

Frankfurt. Erstpublikation: 31.05.2022, 14:32 Uhr Die mit hoher Wahrscheinlichkeit kurz bevorstehende Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkt sich auf die Privatkunden im Bankensektor aus. Laut dem Vergleichsportal Verivox haben zuletzt sieben Banken die Freibeträge bei der Berechnung von Negativzinsen erhöht oder einen solchen Schritt angekündigt. Zwei weitere Institute sehen sogar ganz von Verwahrentgelten ab.

Für Aufsehen hatte Mitte Mai die Onlinebank ING Deutschland gesorgt. Als erste große Privatkundenbank streicht sie das Verwahrentgelt für die allermeisten Kundinnen und Kunden. Die ING hebt die Freibeträge per Juli für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro an.

Zuletzt signalisierten führende Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) eine baldige Zinswende, um den Inflationsanstieg zu bremsen. „Ausgehend von den derzeitigen Aussichten werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu beenden“, schrieb Notenbankchefin Christine Lagarde in der vergangenen Woche in einem Blogbeitrag.

Negativzinsen: Banken schaffen Verwahrentgelte teilweise ganz ab

Aktuell liegt der für die Geldpolitik entscheidende Einlagenzins in der Euro-Zone noch bei minus 0,5 Prozent. Das heißt: Banken, die überschüssige Liquidität bei der Notenbank halten, zahlen dafür Minuszinsen. Kreditinstitute, die ihrerseits von Kundinnen und Kunden Negativzinsen berechnen, begründen das meist mit dem EZB-Strafzins.

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    Die große Wende bei den Negativzinsen steht allerdings noch aus. Die meisten Geldhäuser werden davon abrücken, sobald die EZB den Minuszins streicht. Etliche Banken und Sparkassen haben die Berechnung eines Verwahrentgelts sogar vertraglich an den EZB-Einlagenzins gekoppelt.

    Verivox beruft sich in seinen Untersuchungen auf die Preisaushänge der Institute. Demnach verzichten zwei Genossenschaftsbanken inzwischen komplett auf die Berechnung von Negativzinsen. So verlangt die genossenschaftliche VR-Bank Mittelfranken West seit einigen Tagen kein Verwahrentgelt mehr von privaten Kunden. Zuvor hatte sie für Summen oberhalb von 50.000 Euro sowohl Bestands- wie Neukunden ein Entgelt berechnet.

    Negativzinsen: Freibeträge werden teils deutlich erhöht

    „Wir haben die Negativzinsen abgeschafft, weil eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank bevorsteht“, erklärte die Bank auf Anfrage. Das gilt auch, wenn im Juni die Fusion mit der benachbarten Raiffeisenbank Roth-Schwabach vollzogen sein wird.

    Andere Geldhäuser erhöhen den Freibetrag so stark, dass nur noch wenige Kunden ein Verwahrentgelt berappen müssen. Bei der Oldenburgischen Landesbank beispielsweise stieg jüngst die Freigrenze von 100.000 Euro auf 500.000 Euro, wobei der Negativzins, so Verivox, bei Überschreiten der Freigrenze auf das gesamte Guthaben berechnet wird.

    Auch die Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück setzt den Freibetrag deutlich nach oben: von derzeit 50.000 Euro auf 500.000 Euro, beginnend ab Juli. Das Geldhaus ist in der Verivox-Statistik noch nicht erfasst.

    Der Trend zu einer verbraucherfreundlicheren Preissetzung hat erst vor Kurzem begonnen. Verivox zufolge erheben derzeit gut 450 Geldhäuser Negativzinsen für Privatkunden – 30 mehr als zu Jahresbeginn. Das entspricht gut einem Drittel der untersuchten Geldhäuser. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, weil nicht alle Konditionen im Internet frei zugänglich veröffentlicht werden.

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