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08.06.2022

15:15

AFP

Impfstoff von Biontech und Pfizer

Omikron BA.5

So hoch ist die Corona-Impfquote in Deutschland

Von: Sören Imöhl, Angelika Ivanov, Nils Buske

Die neue Omikron-Subvariante BA.5 könnte für eine neue Corona-Welle im Sommer sorgen. Experten raten weiterhin zur Impfung. Doch wie hoch ist die Impfquote hierzulande mittlerweile? 

Düsseldorf Die Impfkampagne gegen das Coronavirus läuft seit Ende Dezember 2020. Ziel ist es, Covid-19 einzudämmen und wieder zur Normalität ohne Hygienemaßnahmen zurückzukehren. Doch verschiedene Virus-Mutationen und Lieferengpässe der Impfstoffe haben zunächst die Impfkampagne verzögert. Im internationalen Vergleich hing Deutschland anfangs hinterher. Dann stieg das Tempo. Zu Spitzenzeiten wurden knapp eine Millionen Corona-Impfungen pro Tag gespritzt.

Mit dem Auftauchen der neuen Omikron-Subvariante BA.5 befürchten Experten in Deutschland nun eine Sommer-Welle.  Doch wie hoch ist die Impfquote in Deutschland? Warum impfte Deutschland zunächst so langsam? Welche Impfstoffe sind vorhanden und welches Land hat weltweit aktuell die höchste Corona-Impfquote?

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Thema Impfquote auf einen Blick.

Die Corona-Impfquote in Deutschland und weltweit – der aktuelle Stand

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    Seit wann läuft die Corona-Impfkampagne in Deutschland?

    Die Impfkampagne gegen Covid-19 läuft in Deutschland seit dem 27. Dezember 2020. Mittlerweile haben mehr als 75,9 Prozent der Deutschen die Grundimmunisierung erhalten.

    Was bedeutet die Impfquote?

    Die Impfquote ist der Anteil der Menschen innerhalb der Bevölkerung, der bislang gegen Covid-19 geimpft wurde. Hier gibt es jedoch zwei unterschiedliche Impfquoten:

    1. Die Impfquote mit Menschen mit der Erstimpfung. 
    2. Eine Impfquote, die anzeigt, wie viele Menschen bereits zwei Impfdosen gespritzt bekommen haben und somit vollständig gegen Covid-19 geimpft sind.

    Warum gibt es zwei Impfquoten?

    Es gibt mehrere Impfquoten, weil die Impfung gegen Corona ein sogenanntes Doppelvakzin ist. Das heißt, Menschen, die nur eine Erstimpfung erhalten haben, haben keinen vollständigen Impfschutz. Erst nach der Zweitimpfung ist die Impfung komplett.

    Deswegen ist die Quote der Zweitimpfungen relevanter und aussagekräftiger.

    Ab Oktober 2022 sind drei Impfungen für eine Grundimmunisierung, also den Status "vollständig geimpft", notwendig. 

    Booster-Impfung: Wieso braucht es eine Auffrischungsimpfung?

    Infektionsdaten sowie diverse Analysen und klinische Studien zeigen, dass die Schutzwirkung der Impfungen von Biontech, AstraZeneca und Moderna im Zeitverlauf deutlich abnimmt. Deswegen sind alle ab zwölf Jahren und Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren mit Vorerkrankungen dazu aufgerufen, ihren Impfschutz aufzufrischen.

    Bisher haben 49,7 Millionen Personen in Deutschland mindestens eine Auffrischungsimpfung erhalten. (Stand: 8. Juni 2022)

    Wie hoch ist die Corona-Impfquote in Deutschland aktuell?

    Aktuell haben 64,6 Millionen Personen in Deutschland mindestens die Erstimpfung erhalten. Davon sind 63,1 Millionen Personen vollständig grundimmunisiert, weil sie auch die Zweitimpfung gespritzt bekommen haben. 

    Die Impfquote der Gesamtbevölkerung in Deutschland liegt damit aktuell bei 75,9 Prozent. Dies bezieht sich auf den Anteil der vollständig geimpften Personen. 77,6 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland haben eine Erstimpfung erhalten.

    In welchem Bundesland ist die Corona-Impfquote aktuell am höchsten?

    Bremen und Hamburg liegen in Deutschland aktuell bei der Corona-Impfquote vorn. In Bremen liegt die Impfquote aktuell bei 90,8 Prozent. In Hamburg liegt die Quote derzeit bei 86,4 Prozent. Schlusslicht ist Sachsen mit einer aktuellen Corona-Impfquote von 65,8 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf Personen, die mindestens die Erstimpfung erhalten haben. (Stand: 8. Juni 2022)

    Was bedeutet Herdenimmunität?

    Der Begriff hat mehrere Bedeutungen. In der Corona-Debatte in Deutschland ist in der Regel gemeint, dass ausreichend viele Menschen nach Impfung oder durchgemachter Infektion immun geworden sind, um die Ausbreitung des Erregers stark zu bremsen.

    Von einem solchen Schutz durch Gemeinschaft würden etwa Menschen profitieren, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder immungeschwächt sind. Dass das Virus aber je ausgerottet werden kann, gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

    Dem Schweizer Online-Magazin „Republik“ sagte der Charité-Virologe Christian Drosten: „Das war von Anfang an ein Missverständnis, wenn man das so aufgefasst hat, dass Herdenimmunität bedeutet: 70 Prozent werden immun – egal jetzt, ob durch Impfung oder Infektion -, und die restlichen 30 Prozent werden ab dann keinen Kontakt mehr mit dem Virus haben.“

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    Doch das ist ein Fehlschluss. „Auch dann wird es noch Infektionen geben. Aber es ist davon auszugehen, dass bei einer Immunität von weit über 80 Prozent schwere Verläufe und Todesfälle zum großen Teil verhindert werden“, erklärte eine RKI-Sprecherin. Unter anderem RKI-Chef Lothar Wieler mahnte: Wer sich gegen eine Impfung entscheide, der werde sich früher oder später anstecken.

    Wie viele Geimpfte und Genesene braucht es für die Herdenimmunität?

    Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Wie hoch die Rate sein muss, unterscheidet sich je nach Krankheit. Bei den hochansteckenden Masern etwa gelten 95 Prozent als Schwellenwert. Bei Corona bezifferten Experten den Anteil seit dem Frühjahr 2020 zunächst auf etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Dem lag die Annahme zugrunde, dass ein Infizierter im Schnitt drei Menschen anstecke, wenn keine Maßnahmen in Kraft getreten sind und niemand immun ist.

    Mit der Zeit mutierte das Virus jedoch vielfach. Daher ist Lothar Wieler mittlerweile der Meinung, dass das Virus nicht verschwinden werde. 

    Moderna, Biontech, AstraZeneca und Johnson & Johnson: Die zugelassenen Impfstoffe gegen das Coronavirus im Vergleich

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    Vier Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in der EU zugelassen. Nun entscheidet die Europäische Arzneimittelbehörde über eine Zulassung des Novavax-Impfstoffes. Eine Übersicht.

    Wie viele Impfdosen wurden bislang an Deutschland ausgeliefert?

    Bis zum 5. Juni 2022 wurden insgesamt 204,2 Millionen Impfdosen an Deutschland geliefert. Von den gelieferten Impfdosen stammen 146,7 Millionen Impfdosen vom Hersteller Biontech und Pfizer. 14,4 Millionen Impfdosen kommen vom Hersteller AstraZeneca, 35,9 Millionen Dosen von Moderna, 5,4 Millionen Impfdosen von Johnson & Johnson und 1,7 Millionen Dosen von Novavax.

    In welchem Land ist die Impfquote weltweit am höchsten?

    Die höchste Impfquote haben laut Our World in Data die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Impfquote liegt dort aktuell bei 99 Prozent. Es handelt sich hier um die Zahl der Erstimpfungen bis zum 7. Juni 2022.

    Als zweitschnellstes Land gilt aktuell Portugal mit einer Corona-Impfquote von knapp 96 Prozent. Zieht man die Impfquote der vollständig geimpften Personen heran, sind ebenfalls die Vereinigten Arabischen Emirate weltweit führend. Hier liegt die Impfquote der vollständig Geimpften derzeit bei 97,11 Prozent

    Warum war Deutschland bei der Impfung anfangs so langsam?

    Deutschland hat beim Impftempo aufgeholt. Die anfänglichen Probleme haben unterschiedliche Gründe. Dazu gehören unter anderem:

    • Debatte um AstraZeneca: Erst sollte der Impfstoff nur an Jüngere gespritzt werden, nun nur an Menschen ab 60 Jahren.
    • Zu wenig Impfdosen: Die Bundesregierung hat für eine schnelle Impfung der deutschen Bevölkerung noch nicht genügend Impfstoff.
    • Fax statt Email: Deutschland agiert in vielen Bereichen der Pandemiebekämpfung weitgehend analog und nicht digital. Stift, Zettel und Fax sind in vielen Kommunen noch unerlässlich bei der Nachverfolgung von Kontakten und der Meldung von Fallzahlen. Viel Zeit und Arbeitskraft gehen dabei verloren, Daten zum Infektionsgeschehen händisch weiterzuleiten und in Excel-Tabellen einzutragen. 
    • technische Schnittstellen fehlen: Eigentlich sollten bis Jahresende 90 Prozent der Gesundheitsämter an „Sormas“ angebunden sein, ein digitales System, das ein weitgehend automatisiertes Management der Kontaktpersonen von Infizierten erlaubt. Aktuell nutzen aber nur 95 der fast 400 Behörden das System. 
    • Strenger Datenschutz: Auch der hohe Datenschutz in Deutschland kann als Grund für die langsame Impfung angeführt werden. Wegen angeblich zu strenger Datenschutzvorgaben wird beispielsweise der Nutzen der Corona-Warn-App immer wieder infrage gestellt. 
    • Analoge Patientenakte: In zahlreichen Ländern wie etwa Israel sind digitale Patientenakten Standard. Daraus folgt die Organisation der Impfungen. Dadurch läuft der Prozess dort erheblich schneller ab als in Deutschland.

    Welches Land in Europa hat aktuell die höchste Impfquote?

    Innerhalb Europas steht laut Our World in Data Portugal mit einer Corona-Impfquote von aktuell 87,2 Prozent auf dem ersten Rang. Die Daten beziehen sich dabei auf den 7. Juni 2022 und den Anteil der Bevölkerung, der vollständig geimpft ist.

    In welchem Land wurden bislang nominal weltweit die meisten Menschen gegen Covid-19 geimpft?

    Die meisten Menschen wurden bislang in China geimpft. Hier haben 1,26 Milliarden Chinesen zwei Spritzen einer Corona-Impfung erhalten.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 17.02.2021 um 17:22 Uhr 

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