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20.06.2019

15:53

Peter Kimpel im Interview

„Aktivistische Investoren wagen sich an immer größere Ziele heran"

Von: Michael Maisch

Der Deutschland-Chef von Barclays geht davon aus, dass die Zahl der Attacken aktivistischer Investoren auf Großunternehmen weiter zunehmen wird.

Der Deutschland-Chef von Barclays kam im vergangenen August zu der britischen Großbank. Pressefoto Rocket Internet

Peter Kimpel

Der Deutschland-Chef von Barclays kam im vergangenen August zu der britischen Großbank.

Frankfurt Peter Kimpel hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Von Goldman Sachs wechselte er als Finanzvorstand zu Rocket Internet. Den Karriereschritt aus der Finanzbranche zu einem Unternehmen machen viele Banker, doch der Weg zurück zur Bank ist eher selten.

Herr Kimpel, rechnen Sie mit mehr Attacken aktivistischer Investoren in Europa?
Die Entwicklung beschleunigt sich von einem bereits hohen Niveau aus noch einmal. Wir haben in diesem Jahr in Europa bereits 29 Kampagnen aktivistischer Investoren gesehen.

Heißt das, dass sich die Aufmerksamkeit der Aktivisten von den USA stärker in Richtung Europa verlagert?
Genau. Bereits seit 2015 sehen wir einen konsistenten Trend: Davor lag die Zahl der aktivistischen Kampagnen in den Vereinigten Staaten deutlich höher als in Europa, doch inzwischen hat sich die Entwicklung umgekehrt. 2014 zählten wir zum Beispiel noch 66 Kampagnen in den USA und nur 45 in Europa. 2018 waren es dagegen 71 in Europa und 55 in den Vereinigten Staaten.

Was sind die Gründe für die Entwicklung?
Ein wichtiger Treiber ist die Tatsache, dass die aktivistischen Investoren in Europa mit ihren Kampagnen bessere Renditen erzielen als in den Vereinigten Staaten. In vier der vergangenen fünf Jahre hat der sogenannte AI Activist Index, der die Wertentwicklung von Aktien misst, bei denen aktivistische Investoren engagiert sind, besser abgeschnitten als der breite europäische Börsenindex Stoxx Europe 600. In den USA hat der breite S&P-500-Index im gleichen Zeitraum dagegen besser abgeschnitten als der gleichwertige Index. Das lockt Aktivisten aus den USA an, aber auch europäische Investoren verstärken ihre Kampagnen.

Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Davon gehen wir aus. Außerdem beobachten wir, dass sich die Aktivisten an immer größere Ziele heranwagen. 2011 lag der Anteil der attackierten Unternehmen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika mit einem Marktwert von mehr als zehn Milliarden Dollar noch bei drei Prozent, heute sind es bereits 23 Prozent. Der durchschnittliche Marktwert der betroffenen Ziele stieg im gleichen Zeitraum in Europa von 2,3 Milliarden Dollar auf 9,7 Milliarden Dollar.

Was wollen die Aktivisten denn mit ihren Attacken erreichen?
Die Fonds bauen signifikante Anteile an den Unternehmen auf, um strategische Reformen zu erreichen, die dann den Marktwert steigern sollen. Unsere Daten zeigen, dass es bei gut 40 Prozent aller Kampagnen um Änderungen im Bereich Governance, vor allem in den Aufsichtsgremien, geht. Bei einem Viertel der Vorstöße fordern die Aktivisten Abspaltungen von Unternehmensteilen oder Zukäufe.

Herr Kimpel, vielen Dank für das Gespräch.

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