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04.07.2019

04:00

Private Altersvorsorge

Ist die Riester-Rente noch zu retten?

Von: Anke Rezmer, Gregor Waschinski

Vorschläge, wie man die private Altersvorsorge effektiver gestalten könnte, gibt es genug. Doch es hakt an anderer Stelle.

Reformideen für die Riester-Rente gibt es im Überfluss imago/photothek

Plenarsaal des Bundestags

Riester-Alternativen könnten Anbieter massiv Geschäft kosten.

Berlin, Frankfurt Frank Breiting hadert mit den rentenpolitischen Prioritäten der Bundesregierung. „Wir machen ein Rentenpaket nach dem anderen. Nur bei Riester tut sich nichts“, kritisiert der Leiter private Altersvorsorge beim größten Fondsanbieter für Privatanleger am deutschen Markt, DWS. Während CDU/CSU und SPD eifrig an der gesetzlichen Rente herumbauen, liegt die private Säule brach.

Das ohnehin wolkige Ziel des Koalitionsvertrags, sich um die Entwicklung eines „attraktiven standardisierten Riester-Produkts“ zu kümmern, geht der zuständige Finanzminister Olaf Scholz von der SPD bisher nicht konkret an. Breiting stellte am Mittwoch eine neue Studie im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) vor, die einen Weg für eine Reform der Riester-Rente aufzeigt.

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    Bei der 2002 eingeführten privaten Zusatzrente müsse es „mehr Klarheit und weniger Bürokratie“ geben, sagte er. Das DIA, Sprachrohr der Finanzbranche in Berlin, wünscht sich vor allem eine Entrümpelung der komplizierten Förderregeln. Ähnliche Forderungen kommen aus dem Versicherungsverband GDV.

    Nach Aussage von GDV-Präsident Wolfgang Weiler haben die Versicherer Minister Scholz bereits Vorschläge für Standardprodukte und Kosteneinsparungen in der Riester-Rente unterbreitet. Vermeiden wollen die Interessenvertreter der beiden größten Anbietergruppen der Riester-Rente vor allem, dass die Regierung Geschmack am Vorschlag der Verbraucherschützer einer staatlich organisierten Zusatzrente findet.

    Denn diese Riester-Alternative, die auch noch allen Förderberechtigten mit sanftem Zwang angeboten werden soll, könnte sie massiv Geschäft kosten. Der Bestand an Riester-Verträgen sank von 2017 auf 2018 um etwa 10 .000 auf 16,6 Millionen (Grafik), darunter knapp elf Millionen Versicherungen und gut drei Millionen Fondsverträge. Dazu kommt: Ein Fünftel der Verträge sind ruhend gestellt, sie werden also aktuell nicht bespart.

    Gleichwohl kommt die Studie, die das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) für das DIA erstellt hat, zu dem Schluss: Riester ist ein Erfolg. „Die Riester-Rente liefert gute Renditen und ist weiter verbreitet als andere Vorsorgeformen“, sagt IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer.

    Aus einer Auswertung von gut 23.000 Verträgen, die sich bereits in der Auszahlungsphase befinden, geht demnach für das Jahr 2017 hervor, dass die Rendite auf die eingezahlten Beiträge 3,4 Prozent nach Kosten und Steuern betrug. Die Rendite kommt allerdings nicht zuletzt dadurch zustande, dass die staatlichen Zulagen eingerechnet sind.

    Staatliche Förderung vereinfachen

    Denn wegen der Garantie, dass Sparer am Ende mindestens die eingezahlte Summe zurückerhalten, wählen die Anbieter vor allem konservative Anlageformen. Und die werfen im aktuellen Niedrigzinsumfeld wenig ab. Daher schlägt das DIA vor, die Beitragsgarantie zu flexibilisieren. Risikofreudigere Sparer müssten Verträge wählen können, die durch ein breiteres Anlagespektrum langfristig höhere Erträge erzielen können.

    Die Finanzbranche fordert auch eine Vereinfachung der staatlichen Förderung. Statt des Nebeneinanders von Steuervorteilen und Zulagen sollte es künftig nur staatliche Zuschüsse geben. Dem DIA schwebt vor, dass jeder Euro Eigenleistung pauschal mit mindestens 50 Cent gefördert wird. Vorteil: Eine reine Zulagenförderung würde ganz in die Vorsorge fließen.

    Eine Steuererstattung landet dagegen auf dem Girokonto und wird ausgegeben. Diese Umstellungen könnten künftige Riester-Renten um bis zu 38 Prozent erhöhen, ergibt die Studie. Der Vorschlag der Verbraucherschützer, den Politiker der Grünen aus Hessen bereits ähnlich vortrugen, setzt dagegen ganz anders an: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) plädiert statt oder zusätzlich zur Riester-Rente für ein billiges, staatlich organisiertes Standardprodukt für die Altersvorsorge.

    Verbraucher sollen automatisch über ihren Arbeitgeber in die sogenannte Extrarente einbezogen werden, aber auf Wunsch aussteigen können. Auch Selbstständige könnten in die Extrarente einzahlen. Das Kapital fließt in einen Fonds, der in Aktien investiert. Diese werden über einen längeren Zeitraum als deutlich renditestärker angesehen als bestehende Riester-Produkte.

    Weitere Renditeverstärker: Provisionskosten sollen komplett entfallen, Verwaltungskosten niedrig sein. Im Gegensatz zu den Riester-Produkten ist im Modell der Verbraucherschützer bisher keine staatliche Förderung vorgesehen, auf eine Kapitalgarantie wird verzichtet. Beim Renteneintritt haben Verbraucher die Wahl, sich das Ersparte auf einmal auszahlen zu lassen oder einen Entnahmeplan abzuschließen.

    Als Vorbilder nennen die Verbraucherschützer staatlich organisierte Vorsorge-Standardprodukte, wie sie Schweden und Großbritannien anbieten. Angeblich prüft das Bundesfinanzministerium alle Vorschläge – über Vorlieben schweigt man sich bislang aus.

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