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11.04.2019

13:04

Check24, Verivox, Booking & Co.

Das Kartellamt will bei Vergleichsportalen zum Verbraucherschützer werden

Von: Frank Matthias Drost

Das Bundeskartellamt mahnt bei Vergleichsportalen zu Vorsicht. Die Behörde will sich den Markt in Zukunft genauer anschauen – und im Zweifel auch eingreifen.

Die Behörde will in Zukunft verbraucherunfreundliche Online-Portale deutlicher in die Schranken weisen. dpa

Im Visier des Kartellamts

Die Behörde will in Zukunft verbraucherunfreundliche Online-Portale deutlicher in die Schranken weisen.

BerlinViele Verbraucher wurden durch Vergleichsportale auf den Stromanbieter Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) aufmerksam. Da die Tarife deutlich günstiger waren als die Angebote der Konkurrenz, wechselten viele ihren Stromlieferanten – und hatten dann das Nachsehen. Denn im Januar musste die BEV Insolvenz anmelden. Viele Verbraucher kommen wahrscheinlich nicht mehr an ihr Geld.

Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die Welt der Vergleichsportale, die das Bundeskartellamt untersucht hat. Am Donnerstag haben die Wettbewerbshüter ihren Abschlussbericht vorgelegt. Ohne Zweifel helfen Vergleichsportale Verbrauchern, sich durch den Angebots-Dschungel im Netz bei Reisen, Hotels, Mietwagen, Telekommunikation Kredite oder Versicherungen zurechtzufinden.

„Aber“, so Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt, „wir haben auch verbraucherunfreundliche Tricks mancher Portale aufgezeigt“. Blindes Vertrauen beim Blick auf die angeblich preiswertesten Hotels oder günstigsten Tarifen ist also nicht angebracht. Mundt empfiehlt den Verbrauchern, genauer darauf zu achten, wie ein Ranking zustande kommt und ob in den Vergleich möglichst viele Angebote eingeflossen sind. Bei den Verbraucherschützern läuft Mundt offene Türen ein.

Das Bundeskartellamt hat 150 verschiedene Portale untersucht und davon 36 besonders relevante Portale näher unter die Lupe genommen. Ein Interessenkonflikt liegt bei den Portalen auf der Hand. Die durch Vermittlung entstandenen Provisionen machen rund 90 Prozent der Einnahmen der Portale aus – mit Ausnahme des Flugbereichs. Tendenziell besteht hier die Gefahr, dass Anbieter, die keine Provisionen zahlen, aber vergleichsweise günstig sind, bei den Vergleichsportalen nicht berücksichtigt werden.

So hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass die Vergleichsportale im Bereich Versicherungen, Hotels und Kredite einen relativ kleinen Markt abdecken. Das ist misslich für den Verbraucher, da sie nicht darüber informiert werden, welche Anbieter nicht Teil des Vergleichs waren. Mit den Worten des Bundeskartellamts: Die Verbraucher könnten in dem Fall eine suboptimale Entscheidung treffen.

Kommentar: Vergleichsportale sollten zur Transparenz verpflichtet werden

Kommentar

Vergleichsportale sollten zur Transparenz verpflichtet werden

Um Zweifel an der Verlässlichkeit ihrer Rankings auszuräumen, sollten Portale wie Verivox und Check24 ihre Bewertungsmethoden offenlegen müssen.

Gerade im Bereich Energie haben die Wettbewerbshüter festgestellt, dass beim Erstranking häufig nur solche Angebote gezeigt werden, für die das Portal Provisionen erhält. „Hervorhebungen“ einzelner Anbieter im Telekom-Bereich seien überwiegend durch zusätzliche Entgelte zurückzuführen. „Der Verbraucher wird auf den untersuchten Portalen grundsätzlich nicht darüber aufgeklärt, wie groß der Einfluss der Provisionen auf das Ranking ist und kann diesen Einfluss auch nicht gezielt ausschalten“, moniert das Bundeskartellamt.

Kritisch sieht die Bonner Behörde auch den Versuch bei den Reiseportalen, mit Hinweisen auf begrenzte Verfügbarkeit oder steigenden Flugpreisen Druck aufzubauen. Für den Verbraucher sei dabei nicht ersichtlich, ob diese Hinweise konkrete Bedeutung für sie haben.

Viele Portale verstoßen gegen Verbraucherrecht

Unterm Strich hat das Bundeskartellamt viele verbraucherrechtswidrige Verhaltensweisen bei den Vergleichsportalen festgestellt – und zugleich mangelnde Sanktionsmöglichkeiten. Abhilfe wäre möglich. „Der Einsatz der behördlichen Eingriffsbefugnisse des Bundeskartellamts auf Basis der bestehenden Regelungen nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb könnte eine effektive Ergänzung des Verbraucherschutzes in Deutschland darstellen“, heißt es in dem Bericht. Detaillierte gesetzliche Vorgaben wären nicht hilfreich, da die Gestaltungsmöglichkeiten der Unternehmen in der schnelllebigen Online-Welt vielfältig seien, geben die Bonner zu bedenken.

Die Analysen der Behörde decken sich mit der Kritik der Verbraucherschützer. Auch sie plädieren dafür, dass die Betreiber von Buchungs- und Vergleichsportalen über Vergleichsmethoden, Ranking und Finanzierung des Portals umfassend und leicht verständlich informieren müssen. Sie sollten überdies verpflichtet werden, die Marktabdeckung des Portals deutlich zu machen, insbesondere wenn relevante Anbieter und Tarife nicht von dem Portal erfasst werden.

Folgende Tipps hat das Bundeskartellamt für die Verbraucher parat:

  • Für den Vergleich der gesuchten Leistung mehrere, unabhängige Portale heranziehen.
  • Auf Informationen des Portals achten, welche Anbieter in den Vergleich einbezogen wurden.
  • Voreinstellungen der Portale verändern, indem man die Filter anpasst oder eine andere Sortierreihenfolge wählt.
  • Die an oberster Stelle genannten angezeigten Angebote (Position null) sind nicht immer unbedingt Teil des Rankings.
  • Beim Gesamtpreis darauf achten, welche Preisbestandteile enthalten sind oder welche Bedingungen für ein Cashback zu erfüllen sind.

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