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08.12.2018

13:16

Investment-Besteuerung

So können Sparer ihr Konto vor der Fondssteuer schützen

Von: Katharina Schneider

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr die Vorabpauschale für Investmentfonds berechnet. Wer rechtzeitig handelt, kann einer Zahlung vorbeugen.

Falls ein Steuerabzug mithilfe des Freistellungsauftrags nicht komplett vermieden werden kann, etwa weil die Anlagesumme sehr hoch ist, muss genügend Geld auf dem Verrechnungskonto liegen. dpa

Mehr Geld im Portemonnaie

Falls ein Steuerabzug mithilfe des Freistellungsauftrags nicht komplett vermieden werden kann, etwa weil die Anlagesumme sehr hoch ist, muss genügend Geld auf dem Verrechnungskonto liegen.

FrankfurtDas neue Jahr könnte für Anleger eine unangenehme Überraschung bereithalten: Am 2. Januar werden viele eine Abbuchung mit dem Betreff „Fondsbesteuerung“ auf ihrem Konto entdecken. Um das zu verhindern, sollten sie jetzt schnell handeln.

Hintergrund der ungewohnten Buchung sind Änderungen der Investmentbesteuerung, die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten sind. Neuerdings werden alle Publikumsfonds steuerlich gleich behandelt. Es spielt nun keine Rolle mehr, ob sie in Deutschland oder im Ausland aufgelegt wurden, ob sie ihre Erträge ausschütten oder diese – wie sogenannte thesaurierende Fonds – gleich wieder anlegen.

Neu ist in der Folge auch die sogenannte Vorabpauschale. Sie ist die Grundlage für die Abbuchungen auf den Konten der Anleger. Anfang nächsten Jahres müssen die depotführenden Stellen, also etwa Banken, zum ersten Mal die Vorabpauschale berechnen. Sie beziffert einen fiktiven Ertrag, den Anleger im Laufe des Jahres mit ihren Fondsanteilen erzielt haben. Darauf müssen sie Abgeltungsteuer einbehalten und an das Finanzamt weiterleiten.

Um das zu vermeiden, sollten Anleger dem depotführenden Institut noch dieses Jahr einen Freistellungsauftrag erteilen. Ledigen steht dafür pro Jahr ein Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro zu, bei Eheleuten und eingetragenen Lebenspartnern sind es 1602 Euro.

Wer auf diese Weise vorgesorgt hat, wird auf seinem Konto keinen Hinweis auf die Besteuerung entdecken. Das depotführende Institut wird aber eine Benachrichtigung schicken, aus der hervorgeht, dass die Vorabpauschale mit dem Freistellungsauftrag verrechnet wurde.

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Falls ein Steuerabzug mithilfe des Freistellungsauftrags nicht komplett vermieden werden kann, etwa weil die Anlagesumme sehr hoch ist, muss genügend Geld auf dem Verrechnungskonto liegen. „Sollte das Konto keine Deckung aufweisen, darf die Bank für die Steuer auch den Dispokredit nutzen“, sagt Peter Maier, Leiter Steuern und Altersvorsorge des Fondsverbands BVI. Das kann teuer werden.

Wenn Anleger dem im Vorfeld widersprechen, meldet die Bank die unbeglichene Steuerschuld an das Finanzamt. In diesem Fall muss der Anleger die noch nicht besteuerte Vorabpauschale in seiner Einkommensteuererklärung für das Jahr 2019 angeben.

In der Praxis wird die Vorabpauschale nach Ansicht des Steuerexperten Maier meist nur für thesaurierende, nicht aber für ausschüttende Fonds relevant. Das liegt an der Rechenformel. Für 2018 lautet sie: Vorabpauschale ist gleich Basisertrag minus Ausschüttungen im Jahr 2018. Der Basisertrag des Fonds wiederum berechnet sich so: 70 Prozent des jährlichen Basiszinses mal Rücknahmepreis der Fondsanteile am 2. Januar 2018.

Keine Steuer auf Verluste

Rücknahmepreis meint den Preis, den der Anleger an diesem Tag beim Verkauf seiner Anteile erzielen würde. Und den Basiszins legt die Bundesbank jedes Jahr neu fest. Sie leitet ihn aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen ab. Für 2018 liegt er bei 0,87 Prozent.

Die Vorabpauschale kann nicht negativ sein, deshalb gilt: „Sobald die Ausschüttungen eines Fonds über dem Basisertrag von aktuell 0,61 Prozent des Rücknahmepreises zu Beginn des Kalenderjahres 2018 liegen, entfällt die Vorabpauschale“, erklärt Maier. Und das sei im aktuellen Marktumfeld sehr wahrscheinlich. Macht ein Fonds aufs Jahr Verluste – entfällt die Pauschale ebenfalls.

Um Anleger mit diesen Berechnungen nicht zu verwirren, haben nach Beobachtung des BVI in den vergangenen Monaten etliche thesaurierende Fonds auf regelmäßige Ausschüttungen umgestellt. Aus steuerlicher Sicht können thesaurierende Fonds für Anleger jedoch vorteilhafter sein. Peter Maier erklärt: „Die Vorabpauschale ist in der Regel niedriger, als wenn derselbe Fonds seine Erträge ausschütten würde, folglich ist auch die Steuerlast geringer.“

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Dauerhaft können sich aber auch Anleger mit Anteilen an thesaurierenden Fonds nicht dem Fiskus entziehen. Sobald sie ihre Fondsanteile veräußern, wird der steuerpflichtige Gewinn folgendermaßen berechnet: Verkaufspreis der Fondsanteile minus Kaufpreis minus Vorabpauschale, die dem Anleger während seiner Besitzzeit zugerechnet wurde. Wer also schon während der Laufzeit höhere Steuern gezahlt hat, muss beim Verkauf der Fondsanteile nicht mehr so tief in die Tasche greifen.

Zu alledem müssen bei der Berechnung der Steuerschuld neuerdings auch noch die sogenannten Teilfreistellungen berücksichtigt werden. Hintergrund: Im Zuge der Steuerreform müssen nun alle Investmentfonds auf deutsche Dividenden, Mieterträge sowie Gewinne aus dem Verkauf von deutschen Immobilien 15 Prozent Körperschaftsteuer zahlen.

Das mindert ihre möglichen Ausschüttungen an die Anleger. Zugleich zahlen diese aber weiterhin 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätsbeitrag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Um diese Doppelbesteuerung beim Anleger abzumildern, bleibt ein Teil der Vorabpauschale, der Ausschüttungen und der Verkaufserlöse steuerfrei. Bei Mischfonds sind dies 15 Prozent, bei Aktienfonds 30 Prozent, bei offenen Immobilienfonds 60 Prozent und bei offenen Immobilienfonds mit Schwerpunkt im Ausland 80 Prozent.

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