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03.12.2019

17:57

Kontovergleich

TÜV darf Bankgebühren prüfen – das könnte Kunden mehr Transparenz bringen

Von: Frank Matthias Drost

Kunden haben bei Bankgebühren bald einen besseren Durchblick: Der TÜV Saarland darf künftig Vergleichsportale für Bankentgelte zertifizieren.

Vergleichsportale stehen wegen intransparenter Kriterien in der Kritik. DigitalVision Vectors/Getty Images

Illustration einer Internet-Suchmaschine

Vergleichsportale stehen wegen intransparenter Kriterien in der Kritik.

Berlin Banken werden immer findiger beim Versuch, ihren Kunden in Zeiten der Dauerniedrigzinsen Gebühren für Dienstleistungen aufzudrücken, die es zuvor umsonst gab. Zudem gehen immer mehr Kreditinstitute dazu über, Einlagen ihrer Kunden mit Negativzinsen zu versehen, die sie selbst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen. Da jede Bank verschiedene Kontomodelle anbietet, können Kunden den Überblick verlieren, wo ihre Bank im Konditionenvergleich steht.

Demnächst wird sich der Gebührendschungel lichten. Nach mehrmonatiger Prüfung durch die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle hat der Tüv Saarland jetzt die Zulassung zur Zertifizierung von Vergleichswebsites für Zahlungskonten, bestätigt Thorsten Greiner, Geschäftsführer der Tüv Saarland Certification GmbH.

Verbraucherschützer haben bereits in der Vergangenheit moniert, dass die Bundesregierung die entsprechende EU-Zahlungskontenrichtlinie viel zu spät umsetzt. Ursprünglich sollte eine Vergleichswebsite bereits bis zum 31. Oktober 2018 zur Verfügung stehen. Da sich die Bundesregierung für ein kompliziertes Zulassungsverfahren entschied, war der Zeitplan nicht zu halten.

Aktuell wird nach Angaben des TÜV-Saarland-Certification-Geschäftsführers Greiner eine Vergleichswebsite geprüft. Bei der dürfte es sich nach Informationen des Handelsblatts um das Onlineportal Biallo.de handeln. Zwei weitere werden folgen. In der Vergangenheit hatten beispielsweise auch Check24 und Verivox Interesse an einer Zertifizierung angemeldet. Andere Vergleichsportale winken ab.

„Wir müssten viel Geld für die Zertifizierung in die Hand nehmen und wissen nicht, wie unsere Dienstleistung vergütet wird“, heißt es bei einem Anbieter, der namentlich nicht erwähnt werden will. Die Idee sei eigentlich „super“, aber die Umsetzung „blauäugig“. Die Bundesregierung setzt bei der Umsetzung auf private Portale, die Idee eines staatlichen Portals wurde fallen gelassen.

Von den Vorbehalten der Konkurrenz lässt sich Horst Biallo nicht einschüchtern. Er sieht sein Portal für eine zertifizierte Vergleichswebsite prädestiniert. „Wir haben fast alle Banken gelistet, die Verbrauchern Girokonten anbieten – rund 1 300“, sagt er dem Handelsblatt.

Dabei werden verschiedene Kontomodelle erfasst mit Details wie Dispo- und Überziehungszins, Kosten für Kredit- und Girokarte und die Bargeldversorgung. Experten gehen davon aus, dass im ersten Quartal 2020 die erste zertifizierte Vergleichswebsite zur Verfügung steht.

Zu wenig Unabhängigkeit

Eine TÜV-Zertifizierung stellt laut Greiner den objektiven Vergleich von Girokonten auf Vergleichsportalen sicher. Derzeit sei das nicht der Fall. „Auf Vergleichswebseiten wird bisher ein neutraler Vergleich häufig durch provisionsabhängige Ergebnisse und intransparente Vergleichskriterien erschwert oder sogar unmöglich gemacht“, so Greiner.

Daher seien die Rankings nicht immer objektiv und unabhängig. Wenn eine Vergleichswebsite das Zertifikat „TÜV-geprüfte Vergleichswebsite für Zahlungskonten“ aufweise, könnten sich Verbraucher darauf verlassen, dass diese strengen Anforderungen erfüllt sind.

Zu den Diensten, die Bankkunden künftig vergleichen können, zählen Kontoführungsgebühren, Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften, Debit- und Kreditkarten, Bargeldein- und -auszahlungen sowie die eingeräumte und die geduldete Kontoüberziehung.

Für ein bisschen mehr Transparenz wurde in der Vergangenheit bereits gesorgt. So müssen Banken ihre Kunden einmal im Jahr kostenlos darüber informieren, was sie ihnen in puncto Gebühren, Überweisungen, Dispokredit oder Kreditkarten in Rechnung gestellt haben.

Das Bundesverbraucherministerium hat die Hoffnung, dass durch die zertifizierten Vergleichswebsites der Wettbewerb um kundenfreundliche Bankdienstleistungen angekurbelt wird. Sollte der Kunde dann zu dem Schluss kommen, die Bank zu wechseln, kann es schnell gehen. Denn seit 2016 sind die Banken verpflichtet, den vollständigen Kontowechsel innerhalb von zwölf Tagen zu vollziehen.

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