Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2017

18:20 Uhr

Steuererklärung

Wann das häusliche Arbeitszimmer die Steuer mindert

VonKatharina Schneider

Selbständige können ein häusliches Arbeitszimmer unter Umständen auch dann steuerlich geltend machen, wenn sie im Betrieb einen Schreibtischarbeitsplatz haben. Laut Bundesfinanzhof muss der Einzelfall geprüft werden.

Software im Test

Steuererklärung – Das sind die besten Programme

Software im Test: Steuererklärung – Das sind die besten Programme

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtGute Nachrichten für Selbständige: Sie können ihr häusliches Arbeitszimmer unter Umständen auch dann in der Steuererklärung geltend machen, wenn sie in den Betriebsräumen einen Schreibtischarbeitsplatz haben. Laut einem am Mittwoch veröffentlichen Urteil des Bundesfinanzhofs (Az.: III R 9/16) gilt das, sofern die Nutzung des Arbeitsplatzes im Betrieb eingeschränkt ist und deshalb ein „nicht unerheblichen Teil der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit“ im häuslichen Arbeitszimmer verrichtet werden muss.

Eigentlich darf laut Einkommensteuergesetz das häusliche Arbeitszimmer nicht steuerlich berücksichtigt werden, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Nach Ansicht der obersten Finanzrichter kommt es aber auf die „objektiven Umstände des Einzelfalls“ an. Bei einem Selbständigen stelle nicht jeder Schreibtischarbeitsplatz in seinen Betriebsräumen zwangsläufig einen zumutbaren „anderen Arbeitsplatz“ dar. So müssten etwa die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes – Größe, Lage, Ausstattung – sowie die Rahmenbedingungen seiner Nutzung berücksichtigt werden, also etwa der Umfang der Nutzungsmöglichkeit, Zugang zum Gebäude und die zumutbare Möglichkeit der Einrichtung eines außerhäuslichen Arbeitszimmers.

Im konkreten Fall ging es um einen Logopäden, der in zwei angemieteten Praxisräumen tätig war, die Verwaltungsarbeiten aber in seinem häuslichen Arbeitszimmer verrichtete. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass dies gerechtfertigt sei. Hierbei berücksichtigten sie, dass die Praxisräume überwiegend von seinen vier Angestellten genutzt wurden, außerdem auch die Tätigkeit des Logopäden außerhalb der Praxis, die Größe, die Ausstattung, die konkrete Nutzung der Praxisräume durch die vier Angestellten, die Vertraulichkeit der für die Bürotätigkeit erforderlichen Unterlagen und den Umfang der Büro- und Verwaltungstätigkeiten. In der Folge darf er bis zu 1.250 Euro für das Büro zuhause steuerlich geltend machen.

Das häusliche Arbeitszimmer hat die Finanzgerichte in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt. Die besten Karten haben Steuerzahler, für die das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt ihrer gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet: Dann können sie die Kosten in unbegrenzter Höhe in der Steuererklärung angegeben. Wer beispielsweise in seiner 100-Quadratmeter-Wohnung ein zehn Quadratmeter großes Arbeitszimmer hat, kann zehn Prozent der Miete oder der Finanzierungskosten für den Immobilienkredit ansetzen sowie auch die anteiligen Kosten für Heizung, Strom und andere Ausgaben.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2017 beispielsweise durch eine Rente über 8.820 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Auch an die Einrichtung des Raums stellt der Fiskus bestimmte Ansprüche: Das Arbeitszimmer sollte wie ein Büro eingerichtet sein – mit Stuhl und Schreibtisch. Dem Versuch auch noch die Aufwendungen für Nebenräume wie Bad, Küche und Flur anteilig absetzen, hat der Bundesfinanzhof im vergangenen Jahr jedoch eine Absage erteilt.

„Bei einem steuerrechtlich anzuerkennenden Arbeitszimmer sind Aufwendungen für Nebenräume, die in die häusliche Sphäre eingebunden sind und zu einem nicht unerheblichen Teil privat genutzt werden, nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar“, so die obersten Finanzrichter.

Anfang 2016 hatte der Bundesfinanzhof zudem entschieden, dass ein nur zeitweise für die Arbeit genutzter Raum steuerlich nicht anerkannt wird. Auch eine Arbeitsecke in einem Raum, der ansonsten privaten Zwecken dient, wird nicht akzeptiert.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×